Ein B-Movie mit Science-Fiction- und Horrorthematik Alien Predator zu nennen, ist nicht die Schlechteste aller Ideen. Der Titel ist wunderbar catchy, haucht dem so hoffnungsfrohen wie leichtgläubigen Videothekenkunden ein verführerisches "Nimm mich bitte mit, du wirst es nicht bereuen" entgegen und weckt beim Genrefan zudem eine bestimmte Erwartungshaltung. Daß diese letztendlich nicht wirklich erfüllt wird, ist zweit-, dritt- oder gar letztrangig. Interessanterweise hat der allseits bekannte Predator der Kinoleinwand erst zwei Jahre später in John McTiernans gleichnamigen Film einen Besuch abgestattet. Da ist den Titelverantwortlichen also ein kleiner Glücksgriff gelungen, auch wenn der Griff leider danebenging. Wenn man schon in der nahen Zukunft wildern muß, dann wäre Fred Dekkers Night of the Creeps die bessere Wahl gewesen. Alien Creeps klingt doch irgendwie cool, oder? Sehr gut hätten übrigens auch Alien Thing oder The Alien Strain gepaßt, aber egal. Alien Predator ist immer noch besser als Mutant 2 oder The Falling, wie Deran Sarafians Regiedebüt ebenfalls noch heißt.
Erzählt wird die Geschichte von Damon (Dennis Christopher, Fade to Black), Michael (Martin Hewitt, Yellowbeard) und Samantha (Lynn-Holly Johnson, Bibi Dahl im James Bond-Film For Your Eyes Only), die in einem geräumigen Wohnmobil quer durch Europa tingeln. Der Eurotrip der drei jungen Amerikaner verläuft vergnüglich, bis sie das kleine Dorf Duarte in Spanien erreichen. Dort ist nämlich vor fünf Jahren ein Weltraumlabor - die Skylab Space Station - abgestürzt, welches 1973 von der NASA zum Zwecke streng geheimer und höchst gefährlicher Experimente in die Erdumlaufbahn geschossen wurde. Mit den Ergebnissen dieser dubiosen Experimente müssen sich nun die nichtsahnenden Lebewesen der Umgebung herumschlagen, denn was immer dort im Weltall entstanden ist, es benutzt Tiere und Menschen als lebende Brutkästen. Dr. Tracer (Luis Prendes, Tuareg - Il guerriero del deserto), ein Wissenschaftler der NASA, versucht die schleichende Invasion verzweifelt zu verhindern, ist ihm doch bewußt, daß ganz Europa in wenigen Wochen ausgerottet wäre, sollte sich der Organismus ausbreiten.
Aufgrund seines uneinheitlichen Tons ist Alien Predator ein äußerst merkwürdiger, irgendwie sogar schizophrener Film. Die Stimmung schwankt wie ein betrunkener Matrose auf einer alten Hängebrücke, was - mich zumindest - einigermaßen irritiert hat. Daß auf eine ernste, grausige Szene humorige Augenblicke folgen, ist ja nicht außergewöhnlich. Daß aber innerhalb eines Set-Pieces der Ton brutal bricht, wenn zum Beispiel eine unheimliche Suspense-Szene durch witzige Elemente dermaßen aufgelockert wird, daß ihre Wirkung völlig verpufft, sorgt dann doch für ungläubiges Kopfschütteln. Ernste und lustige Momente harmonieren hier nicht, das Zusammenspiel zwischen den beiden funktioniert leider nur sehr selten. Für mich ist es einfach nur befremdlich, wenn einer der Figuren beim Bombardement des Militärs urplötzlich "I love the smell of Napalm in the morning" brüllt und dabei wild grimassiert. Das soll jetzt nicht bedeuten, daß Alien Predator nicht lustig ist. Manche Witze kommen gut rüber (wie z. B. die schräge Begegnung mit den Bodis oder der unerwartete Frisurschock einer Kellnerin), nur in Kombination mit anderen Elementen ist das Ergebnis ziemlich desaströs.
Hauptverantwortlich dafür ist Sarafians überbordende Ambition und seine lockere Herangehensweise, die jeden Ernst vermissen läßt. Anstatt sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und ein flottes Alien-Rip-Off herunterzukurbeln, verwässert er die potentiell leckere Suppe mit unnötigen Zutaten, sodaß sie ziemlich schal schmeckt. Alien Predator ist Alien-Invasions-Schocker, Seuchenthriller, Horrorflick, Action-Movie, Liebesfilm, Psychopathenthriller und Komödie. Von allem ein bißchen, aber nichts so richtig. Kein Wunder, daß der im Grunde bestenfalls durchschnittliche Streifen dramaturgisch so zerfahren ist. Die schauspielerischen Darbietungen sind akzeptabel, und die Kameraarbeit bewegt sich ebenfalls auf solidem B-Movie-Niveau. Toll ist hingegen das stimmige Lokalkolorit, wurde der Film doch von Mai bis Juni 1984 vor Ort in Spanien gedreht. Das hebt den Streifen doch stark vom üblichen amerikanischen Genre-Einheitsbrei ab. Deran Sarafian ist übrigens der Sohn von Richard C. Sarafian, Regisseur des Kultfilms Vanishing Point (1971). Neben einigen weiteren Regiearbeiten (u. a. To Die For, Terminal Velocity) trat er auch ein paar Mal vor der Kamera in Erscheinung (10 to Midnight, Zombi 3, Plankton).
Damit wäre eigentlich alles gesagt, oder? Nein, stopp, über eines muß man noch sprechen, und zwar über die Spezialeffekte. Diese stammen von Mark Shostrom (From Beyond, Evil Dead II, Phantasm II), und einmal mehr hat der Mann gute Arbeit geleistet. Leider machen sich seine Make-Up-Kreationen nicht nur ziemlich rar, sie sind auch noch recht kurz und knapp gehalten. Es empfiehlt sich also, entweder die Zeitlupe zu aktivieren oder gleich die Funktion der Standbildfortschaltung zu nutzen. Dann kann man z. B. ein aggressives Alien (besser) bewundern, welches aus einem Kopf herausplatzt. Die stärksten Szenen in Bezug auf Spezialeffekte gibt es am Anfang und am Ende zu sehen. Zu Beginn wankt ein infizierter Stier durch die Gegend, dessen Bauch alsbald aufbricht (die verstreuten Gedärme machen einen sehr authentischen Eindruck). Ein wilder Köter frißt einige Häppchen und wird dann in den Körper des Kadavers hineingezogen. Und gegen Ende wird endlich eine der Kreaturen ins rechte Licht gerückt, welche auch gleich mal klarstellt, daß sie für Streichelzoos denkbar ungeeignet ist.
Unterm Strich ist Alien Predator also trotz einigen Längen und störenden Stimmungsschwankungen ein recht unterhaltsamer Genremix mit einer Handvoll starken Einzelszenen und guten, spärlich gesäten Spezialeffekten. Ein nettes Creature Feature mit zu viel Feature und zu wenig Creature.