Das Who is Who der Weihnacht
„Ich hasse Weihnachten! Ich hasse es!“
Die auf dem 1957 veröffentlichten US-Kinderbuch „Wie der Grinch Weihnachten gestohlen hat“ aus der Feder Theodor Seuss Geisels (alias Dr. Seuss) basierende Realverfilmung stammt von US-Regisseur Ron Howard („Willow“) und kam im Jahre 2000 in die Kinos. Die Hauptrolle des Kinder- bzw. Familienfilms bekleidet Jim Carrey („Die Truman Show“).
„Ich gebe alles zu. Ich bin der Grinch, der Weihnachten gestohlen hat!“
Das Gebirgsdörfchen Whoville bereitet sich permanent auf das größte alljährliche Ereignis vor: das Weihnachtsfest. Die aufgedrehten Bewohnerinnen und Bewohner häufen Geschenke an, dekorieren, was das Zeug hält, und befinden sich dauerhaft im Vorfreudemodus. In ihrer naiven Oberflächlichkeit ist jedoch kein Platz für Außenseiter und so verkennen sie den wahren Sinn der Weihnacht. Dies musste auch der Grinch (Jim Carrey), ein grüner Fellzottel und einst selbst vom Volke der Whos, schmerzhaft erfahren, als er vor vielen Jahren aufgrund seines Aussehens geschnitten und vor seiner großen Liebe Marta May Whovier (Christine Baranski, „Die Addams Family in verrückter Tradition“) desavouiert wurde. Seither lebt er zurückgezogen mit geschrumpftem Herzen und seinem Hund Max (Kelley) im Mount Grumpit an der örtlichen Mülldeponie, hasst Weihnachten wie nichts anderes und avancierte zu einer Schreckgestalt für die Whos. Als die kleine Cindy Lou Who (Taylor Momsen, „Prophet’s Game – Im Netz des Todes“) jedoch vom Schicksal des Grinchs erfährt, beschließt sie, als einzige noch vom Geist der wahren Weihnacht beseelt, sich seiner anzunehmen und nominiert ihn für den Ehrentitel „Whoille Holiday Cheermeister“. Tatsächlich lässt sich der Grinch darauf ein, fühlt sich jedoch erneut öffentlich vorgeführt und sinnt nun auf Rache: Er werde den verdammten Whos ihr heuchlerisches Weihnachtsfest komplett sabotieren!
„Ich hasse dich! Hass, Hass, Hass, Hass, Hass, Hass! Uuuuiii, Doppel-Hass!“
Ein Erzähler aus dem Off führt in Reimform durch die gegenüber dem Kinderbuch ausgeschmückte und erweiterte Handlung des stilistisch in Zeichentrick-Ästhetik (!) inszenierten modernen Märchens, durch das sich Carrey in Fellkostüm und dicken Make-up-Schichten innerhalb einer detailreich und hoffnungslos übertrieben kunterbunt gestalteten Fantasy-Welt hyperaktiv grimassiert. Die erste von mehreren Gesangseinlagen obliegt Cindy Lou, die Hintergrundgeschichte des sich von Glas und Porzellan ernährenden Grinchs wird in einer Rückblende rekapituliert und die Konsumkritik derart dick aufgetragen, dass auch wirklich jeder sie versteht. Das fügt sich indes überaus passend in diese Verfilmung, deren Sache vieles, aber – von ein paar mehrdeutigen Dia- oder Monologzeilen abgesehen – sicherlich keine Feinfühligkeit ist. Stattdessen wird hier mit dem ganz dicken Pinsel ein Extrem nach dem anderen aufgetragen, in überhöhtem Tempo, mit viel Krawall und Kabumm, oftmals einem ausgeschütteten Bällebad aus bunten Flummis gleich.
Das ist seiner Konsequenz faszinierend und verstörend zugleich. Man muss schon auf Carreys Chargieren, sein Gezappel und schnell heruntergeratterte, dadurch häufiger etwas untergehende Dialoge klarkommen, um „Der Grinch“ etwas abgewinnen zu können. Auch die Maskenarbeit, so aufwändig sie auch gewesen sein mag, ist in ihrer Vermischung aus Tier- und Menschengesichtern für einen Realfilm arg gewöhnungsbedürftig. Unabhängig davon zündet der Humor, insbesondere in Bezug auf die Untaten des Grinchs – sowohl hinsichtlich der Ideen als auch ihrer visuellen Umsetzungen. Ist erst einmal der Zuckerschock überwunden, lässt sich viel Spaß mit der karikierenden Welt der Whos und der Bösartigkeit des Grinchs haben. Da es letztlich jedoch kindgerecht um dessen Läuterung geht, steuert die Handlung auf ein etwas arg kitschiges allumfassendes Happy End zu, was dem Film etwas von seinem anarchischen Reiz und seiner Frechheit nimmt. Als Experiment einer Zeichentrick-auf Realfilm-Übertragung, abseits fragwürdiger, auf bereits existierenden Trickfilmen/-serien basierender Beispiele wie „Asterix & Obelix“ oder „The Flintstones“, ist „Der Grinch“ aber zweifelsohne sehr beachtenswert, wenn auch bizarr und polarisierend.