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Mit "Deep Blue Sea" reanimierte "Stirb langsam II"-Regisseur Renny Harlin 1999 das totgesagte Tierhorror-Genre und verhalf 25 Jahre nach Steven Spielbergs "Der weiße Hai" den gefrässigen Meeresbewohnern zu neuem Biss. Das Endergebnis sorgte zwar nicht für leere Badestrände, dafür aber für klingelnde Kinokassen und einen kurzen Boom des Genre, denn kurze Zeit später sollten noch Fledermäuse ("Bats - Fliegende Teufel") und riesige Spinnen ("Arac Attack") beim Zuschauer für den nötigen Schrecken sorgen.

Gleich die erste Szene von "Deep Blue Sea" erinnert an das große Vorbild der siebziger Jahre, auch wenn der Wandel der Zeit eindeutig erkennbar ist. Gitarrenklänge und langhaarige Hippies des Originals weichen in der modernen Variante Hip-Hop-Sounds und Bikini-Schönheiten, die sich gleich zu Beginn der Gefahr eines Hais ausgesetzt sehen. Doch zu den Klängen von Trevor Rabins Soundtrack, der John Williams geniales "Jaws"-Theme liebevoll aber unverkennbar zitiert, werden sie vom späteren Helden des Films in letzter Minute gerettet.

Thomas Jane hat den Helden-Part übernommen, auch wenn der Zuschauer nach Einführung von Samuel L. Jacksons Charakter davon ausgehen  könnte, dass er für die Rettung des restlichen Casts verantwortlich wäre. Doch weit gefehlt, denn die drei Drehbuchautoren sorgen hier und da für einige Überraschungen beim Bodycount.

Thomas Jane und Samuel L. Jackson führen die prominente Besetzung an, bei der Charakterdarsteller wie Stellan Skarsgard oder Michael Rapaport lediglich als Haifutter dienen. Großartige schauspielerische Leistungen darf der Zuschauer hier nicht erwarten, denn der komplette Cast wird von drei genmanipulierten Haien an die Wand gespielt, was vor allem für Skarsgard im wahrsten Sinne des Wortes zutrifft.

Vom besessenen Wissenschaftler, der gegen jegliche ethische und moralische Grundsätze verstößt, über den schweigsamen Helden bis hin zum Sprüche klopfenden Farbigen in Gestalt des Küchenchefs - dargestellt von US-Rapper LL Cool J - wird ein Klischee nach dem anderen aufgetischt und Logik und Verstand gleich mit in die Fluten geworfen.

Trotz aller Unwahrscheinlichkeiten und Unglaubwürdigkeiten schafft es Renny Harlin sein "10 kleine Negerlein"-Prinzip bis zum Finale spannend, dramatisch und vor allem blutig zu gestalten, denn die drei Haie erweisen sich als sehr gefrässig und abgerissene Gliedmaßen bekommt der Zuschauer hier mehr als einmal präsentiert.

Die vielen Actionsequenzen sind, wie man es von Regisseur Harlin erwarten kann, perfekt und aufwändig inszeniert und auch die Hai-Attacken sind - in den Nahaufnahmen wie schon bei Spielberg mit mechanischen Attrappen umgesetzt - gelungen, leider merkt man den bissigen Meeresbewohnern aber des öfteren die stark computeranimierte Tricktechnik an, wodurch "Deep Blue Sea" stark an Intensität einbüßen muss.

Das Ende erinnert dann auch wieder mehr an das große Vorbild und ist viel unspektakulärer gestaltet als der Rest des Films.
Da aber Renny Harlins Hai-Schocker über eine Laufzeit von 101 Minuten keinerlei Längen aufweist, sind ihm Übertreibungen, Logiklöcher und Anschlußfehler verziehen.

Wer es also schafft den Verstand auszuschalten und bei den teilweise hanebüchenen Dialogen wegzuhören wird mit aufwändiger Action in gewaltigen Wassermassen und jeder Menge Spannung und Dramatik entschädigt und somit ist "Deep Blue Sea" ein weiteres Hailight in der unerschöpflichen Filmographie tierischen Horrors.

7,5 von 10 Punkte!

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