Herkules. - Eine der wohl ältesten Sagengestalten aller Zeiten machte sich Mitte der Neunziger auf, um nach der Antike nun auch das neuzeitliche Fernsehprogramm zu erobern. Und das mit zunächst durchaus vielverspechendem Ansatz. - Sicher. Nach Realismus brauchte man hier gar nicht erst nicht zu suchen. Obwohl ständig in der Wildnis und verschlammten Dorfgassen unterwegs, blitzen die Klamotten des Helden und seiner Mitmenschen wie just frisch aus der Waschmaschine und nahezu jedermann scheint ein perfekter und in punkto Schjönheitsidealen makelloser Vertreter der Gattung Mensch zu sein.
Gut wie Böse: Jedes einzelne Haar sitzt stets perfekt hingekämmt und von den zu erwartend katastrophalen hygienischen und medizinischen Begebenheiten der entsprechenden Epoche ist hier schier nichts zu erkennen. Aber gut, haken wir es damit ab, dass Herkules dann wohl doch mehr ein modernes Märchen ist denn eine historisch auch nur irgendwie korrekte Erzählung. Science Fiction in Alterums-Ambiente eben. Kann man noch verzeihen, wenn's denn nun unbedingt sein muß. Der ein oder andere Fleck auf Herk's Weste hätte einem Grundmaß an Realismus aber keineswegs geschadet. Aber wer seines Zeichens Göttersohn ist, der hat eben wohl selbstreinigende Gaderobe frei Haus. - Was soll's...
Und zunächst (mindestens bei den ersten fünf Filmen) passten auch die verwandten Storylines noch recht passabel zum Stoff und fügten sich in die klassischen Erwartungen jedes halbwegs im Altertum und seinen Sagen Bewanderten ein: Herkules findet sich durch's Labyrinth des Minotaurus, bekämpft Hydren und Amazonen. Als Bezugsperson und Wegbegleiter (damit der Held auch wen zur Kommunikation hat und nicht völlig wortkarg durch seine Abenteuer stapft) steht der neu erfundene und eingebaute Freund Iäolaus ihm (mal mehr, mal weniger hilfreich) zu Seite und alles hätte für die Serie so schön enden können. - Wäre, ja wäre man seitens der Macher nicht irgendwann an den Punkt gekommen, an dem man nahezu sämtlichen Stoff der historischen Vorlage scheinbar zur Gänze aufgebraucht hatte. Und da begann's dann leider häßlich zu werden. Nein, "häßlich" beschreibt es noch nicht einmal annähernd treffend genug. "Absurd" wäre wohl die passendere Vokabel. Driftete der Zeus-Sproß mitsamt seiner TV-Reihe doch ab einem gewissen Zeitpunkt mehr und mehr in die Form einer Art Mittelalter-Soap ab, in der die diversen Charaktere sich breit gefühlsmäßig expressionieren und überdies ein unglaublich schwachsinniges Happening auf das Nächste folgt. Da mag (und darf) man ab und an gar nicht mehr hinsehen. Neuzeitliche Elemente und ensprechende stilistische Ereignisse wurden hier unbarmherzig und ohne jedes Zögern verbaut und nach dem zweifelhaften Genuß einiger Folgen dieser späteren Periode will man schon gar nicht mehr hinschauen, während die Serie sich in immer weiter hergeholten Geschichts-Strängen, unangebrachten, unlogischen Neuzeiteinschlägen und selbst für den Laien offensichtlicher peinlich unauthentischer Machart ergeht.
Herkules wird in dieser Phase zum unbeschreiblichen Possenspiel, dass wohl nur jene ertragen die die Serie durch konsequentes Ansehen unbemerkt und schleichend zu einem Zustand des "Alles-Akzeptzierenden-Ignorierens" getrieben hat. Wer allerdings zu diesem späteren Zeitpunkt eine vereinzelte Folge von Herkules zu Gesicht bekommtund auch nur im Ansatz zum logischen Denken befähigt ist, der schlägt in Verzweiflung die Hände über dem Kopf zusammen. - Von jeglicher geschichtlicher Anlehnung hat man sich zu diesem zeitpunkt hat man sich in dieser Phase bereits gänzlich gelöst, und der Protagonist ist zum Narren einer Daily Soap verkommen, der umgeben von klischeetriefenden und oftmals unerträglich dämlich agierenden Charakteren ein seiner historischen Figur unwürdiges Bauerntheater aufführt. Ob er nun im Alertumstanzlokal (mit Discokugel!!!) nach Bösewichten sucht, überinnovative Feinde mit Schußwaffen auftauchen oder Sideshow Xena (die nachfolgend sogar eine eigene Serie beschert bekommen sollte) als "Kriegerprinzessin" völlig undenkbar im patriarchalen Altertum als Kriegerin akzeptiert wird... Man muß wahrlich bei Weitem kein Geschichtsstudent o.Ä. sein, damit sich einem bei den zahllosen, hier begangenen Fauxpas' vor Grauen die Nackenhaare wieder und wieder nach allen Richtungen aufstellen. Ja, wohl nur wirklich jene hartgesottenen Dauerglotzer, die über den x-Folgen-langen Konsum dieses Intelekt-Shredders den geschichtlichen Bezug zur Gänze verdrängt haben und nur noch die "Middle-Ages-Soap" in dieser Reihe sehen, mögen faktisch noch in der Lage sein dieses Spektakel von einer filmischen Vergwaltigung einer etablierten Sagengestalt ohne jegliches Murren zu akzeptieren.
F A Z I T :
Zu Anfang noch ein brauchbarer Versuch einer Konvertierung der alten Sagen in das Fromat einer neuzeitlichen Fernsehserie, entgleist Herkules in späteren Folgen merklich zu einer Daily Soap im Altertumsambiente. Die körperlichen Konfrontationen nehmen ab und wenn sie doch stattfinden, strotzen sie in Konzeption und Machart so drastisch jeder Vorstellbarkeit, dass selbst der Götterhintergrund u.Ä. das auftretende Maß an Wahnwitz nicht mehr annähernd zu kaschieren oder zu decken vermögen. Das Fiasko mündet schließlich in einem kläglichen Mainstream-Ausverkauf unter dem Namen eines bekannten Heroen der Geschihte, welcher seinem legendären Vorbild mit jeder weiteren Folge weniger Tribut zollt und entgleitet, ja diesen in seiner Urform schlicht zu vergessen scheint und sich statt dessen mehr und mehr in Trivialität und unsäglichem Schwachsinn ergeht. - Wer sich die ersten paar Folgen antun will, der macht damit noch nicht zwingend einen Fehler. Wer der Serie allerdings darüber hinaus folgt, der mache sich auf ein blankes "Feuerwerk des bekenndenen und zelebrierten Nonsense" gefaßt... - Der rleativ gelungene Start der Reihe hebt die Seirie in meiner Gunst dennoch und trotz Alledem noch einen Wertungspunkt über sein (in Bezug auf spätere Pahsen) gleichartiges Nachfolge-Replikat Xena.