„Jurassic Park" könnte man durchaus als Wegbereiter der BBC-Urzeitreihe bezeichnen. Nicht nur, dass durch Spielbergs Blockbuster und deren Nachfolger die Dino-Manie neu entfacht wurde, auch konnte man dank modernster Tricktechnik - die eigens für „Jurassic Park" entwickelt wurde - nunmehr den Realismuswahn auf die Spitze treiben. Denn nie sah eine Dokumentation über Fauna und Flora der Urzeit so realistisch aus wie in diesem Erstlingswerk der BBC, welches durch zwei Fortsetzungen (die Zeit vor und nach der Saurier-Epoche werden hier behandelt) noch vervollständigt wurde.
Wie der Titel es schon andeutet, wird einzig das Mesozoikum - also die Zeitspanne vom Trias über Jura bis zum Kreidezeitende - beleuchtet. Das Spektrum reicht von den Vorläufern der Dinosaurier auf dem Superkontinent Pangäa (z. B. der Protosuchus), dem vielfältigen Artenreichtum der Jurazeit (Stegosaurier, Diplodocus und Allosaurier) bis zum allseits bekannten Tyrannosaurus Rex, der erst zur Kreidezeit auftauchte und das Ende der Saurierherrschaft einläutete. Auch den Flugsauriern wird genügend Platz eingeräumt, genauso wie den Bewohnern des Meeres, zum Beispiel dem Liopleurodon.
Auch wenn man durch „Jurassic Park" das Machbare an Tricktechnik schon kannte, ist „Im Reich der Giganten" dennoch großes Kino. Gerade die Massenszenen müssen wohl manch Grafikprogramm zum Glühen gebracht haben, der Realismus ist wirklich unglaublich. Das zusätzlich bei Nahaufnahmen fast nur echte Modelle zum Einsatz kamen, ist dabei kaum zu merken. Zu loben ist ebenfalls die sehr gute Synchronisation, die Sprecherstimme kommt äußerst angenehm rüber.
Es hagelte natürlich auch Kritiken zu dieser Dokumentation, die ich allerdings für etwas übertrieben halte. Klar, etwas Sensationslust kann man den BBC-Machern durchaus vorwerfen, grade auch bei den Punkten, wo man es auf Grund des momentanen Wissensstandes eigentlich hätte besser wissen müssen. Der oben genannte Liopleurodon zum Beispiel mutiert im Film zu einem 25-Meter-Monster. Knochenfunde belegen allerdings nur die halbe Länge. Übertreibungen dieser Art hat dieser Film eigentlich nicht nötig. Das andere Punkte, wie die Hautfarbe der Tiere, die Fress- und Jagdgewohnheiten oder auch das Sozialverhalten reinste Spekulation sind, kann hingegen schon verschmerzt werden, denn trotz eines fortschreitenden Erkenntnisstandes werden viele Punkte wohl für immer im Dunklen bleiben, aber in der Einleitung wird ja auf den spekulativen Aspekt der Dokumentation kurz hingewiesen.
Fazit: Die Nörgler unter euch können sich ja meinetwegen weiterhin mit trockenen, streng wissenschaftlichen und ermüdenden Abhandlungen - vorgetragen von bebrillten und buckligen Archäologen - befassen. Ich bevorzuge lieber die unterhaltsame Art, und die bekomme ich bei „Im Reich der Giganten" auch geboten.