"Geniessen Sie nun mit uns in den nächsten Minuten eine Welt voller Liebe, Angst, Sexualität und Tod. Geniessen Sie die Welt in der wir leben."
Mit diesem Satz beginnt der letzte Teil von Schlingensiefs Deutschland-Trilogie. Er trifft das Geschehen bereits ziemlich gut, allerdings kann sich der Zuschauer trotzdem nicht vorstellen, was ihn jetzt für ein Radau und ein Chaos erwartet. "Terror 2000" ist eine extreme, laute und leider viel zu wahre Satire in Form eines Rundumschlags gegen Alles und Jeden.
Eigentlich soll der Sozialarbeiter Horst Fricke, eine polnische Asylantenfamilie in ein Asylbewerberheim in Rassau führen. Der Auftrag scheitert, als sie im Zug, von einer Gruppe Neonazis überfallen werden. Fricke wird ermordet, die Polen sind verschwunden. Inspektor Peter Körn, samt seiner Gattin und Partnerin Margret, wird auf den Fall angesetzt und begibt sich nach Rassau, wo sich das Asylantenheim und die mutmaßlichen Entführer befinden. Dort beginnt ihn die Vergangenheit einzuholen: Zwei der Neonazis sind niemand Anderes als die beiden Geiselnehmer aus Gladbeck. Er selbst hat damals deren Ergreifung wunderbar in den Sand gesetzt. Die Lage wird schließlich immer ernster, als Rassau zum Treffpunkt einer Neonazikonferenz wird (Schlingensief selbst als Ehrengast) und die Bewohner des Asylantenheims den Aufstand wagen.
Schlingensief hat mit seinem Film das Gladbecker Geiseldrama von 1988, oder besser gesagt ganz erhebliche Aspekte davon, ins Jahr 1992 übertragen. Das selbe Jahr, indem auch die massiven Angriffe auf Ausländer im Rostocker Stadtteil Lichtenhagen stattfanden. Für die damalige Zeit also ein leider sehr realitätsnaher Film. Und wie damals in Gladbeck, kann man auch hier sehen, wie die ganze Situation im Chaos versinkt. Die Verbrecher haben freie Hand und machen was sie wollen. Die Polizei ist komplett überfordert mit der Situation. Die Medien sind nur noch auf Sensationalismus aus. Einmal werden die Nazis als böse dargestellt, einmal die Asylanten. Ein einziger, drastisch in Szene gesetzter Verhau.
Alles was schief laufen kann, schief gelaufen ist und schief läuft, vereint Schlingensief in einem Inferno aus Blut, Vergewaltigung, Hass und Randale. Die ungeschönte Kritik an der "Intensivstation Deutschland" ist absolut gelungen. Trotz siner grotesken Atmosphäre, ist der Film immer noch an der Schmerzgrene der Realität angesiedelt. Während man bei anderen seiner Filme wie "Das Deutsche Kettensägenmassaker" noch auf Grund der, selbstverständlich absichtlich eingebrachten, Trashelemente noch ein Lächeln auf den Lippen haben konnte, bleibt einem hier das Lachen oft im Halse stecken. Dazu kommt einem das Ganze ein bischen zu bekannt vor.