Was kommt heraus, wenn B-Movie-Regisseur Mark L. Lester und B-Movie-Star Dolph Lundgren für das große Studio Warner einen Film drehen? Ein waschechtes A-Movie, noch dazu Lundgrens einziges.
Gleich zu Beginn beweist Lester eine Kunstfertigkeit, die man ihm gar nicht zutraut: Während die Credits laufen, sieht man lediglich den mit reichlich Tätowierungen versehenen Oberkörper von Yakuza-Boss Yoshida (Cary-Hiroyuki Tagawa). Der Titel des Films wird mit einer Lichtprojektion, noch dazu wehend wie eine Fahne, auf den Oberkörper projiziert, was sehr gut aussieht und sehr viel origineller ist als bei diversen teuren Hollywood-Produktionen.
Danach führt „Showdown in Little Tokyo“ den Zuschauer in eine dunkle Baracke, in der illegale Kampfsportveranstaltungen stattfinden. Detective Kenner (Dolph Lundgren) will die Veranstaltung platzen lassen und den Veranstalter, den örtlichen japanischen Gangsterboss, verhaften, als einige von Yakuza von Yoshida eine Schießerei in der Baracke beginnen. Kenner versucht die Gangster zu stellen, wird aber beinahe von ihnen überfahren. Ein fetziger Einstieg für einen temporeichen Actionfilm: Zwar ist Kenner auch ein eher platter Stereotyp des harten Cops, aber Lundgren passt einfach perfekt in die Rolle des wortkargen Einzelgängers. Außerdem muss er so gar nicht erst versuchen, großes Schauspieltalent zu beweisen, was er nicht besitzt. Die Action ist bereits hier ziemlich nett, vor allem die Szene, in der Kenner über den Straßenkreuzer der Yakuza springt, macht Lust auf mehr.
Die nächste Szene spielt am darauffolgenden Morgen: Kenner will nur in Ruhe seinen Morgentee genießen, als die Yakuza von der Besitzerin des Teehauses Schutzgeld erpressen wollen. Natürlich geht Kenner dazwischen und vertrimmt die Yakuza ordentlich. Leider kommt Detective Murata (Brandon Lee) hinzu, welcher die Kampfhandlungen unterbinden will. Durch sein Verschulden (allerdings weiß er nicht, dass Kenner ebenfalls Polizist ist) entkommen alle Yakuza bis auf einen. Dieser wird gefangengenommen. Brandon Lee ergänzt Lundgren hervorragend: Zum einen ist seine Kampfkunst um einiges akrobatischer als die des schwedischen Hünen, zum andern mengt „Showdown in Little Tokyo“ ein wenig Buddy-Movie mit ein. Der Charakter Murata bildet außerdem noch einen amüsanten Gegensatz zu Kenner: Während Kenner sich perfekt mit der japanischen Kultur auskennt, hat der Japaner Murata keinen Schimmer von den Traditionen seiner Vorfahren.
Gleichzeitig übernimmt Yoshida die Kontrolle über Little Tokyo: Der lokale Gangster vom Anfang endet in der Schrottpresse und die mit ihm befreundete Prostituierte Angel wird kurzerhand enthauptet. Von ihrer Freundin, die Nachtclubsängerin Minako (Tia Carrere), ist Yoshida hingegen so angetan, dass er sie entführt und sie zu seinem Eigentum machen will. Kenner erkennt an den Tätowierungen des Yakuza, dass dieser Mitglied der japanischen Mafia ist. Mehr kann er aber nicht herausfinden, da der Gefangene sich selbst via Genickbruch ins Jenseits befördert. Doch bald kommen Kenner und Murata der Yakuza auf die Schliche und beginnen einen Kleinkrieg mit den Verbrechern.
„Showdown in Little Tokyo“ ist kein Film mit komplizierter Handlung, aber wer dies erwartet ist wahrhaft im falschen Film. Stattdessen bietet sich ein kurzes, aber derbes Actionspektakel. Außerdem ist es gut, dass der Film nicht krampfhaft versucht, sich mit unnötigen Szenen zu strecken, nur um auf eine größere Länge zu kommen.
Die Action ist vielfältig und bietet neben diversen Nahkampftechniken auch Schießereien, Explosionen und den Einsatz asiatischer Waffen wie Ninjasternen, Samuraischwertern etc. Diese Variationen bieten dem Genrefan genug Abwechslung, wobei der Schwerpunkt aber trotzdem auf den waffenlosen Fights liegt. Aber das liegt bei den beiden Hauptdarstellern auch nahe.
Die Buddy-Komponente ist zwar eher gering, aber lockert den Film auf. Zwar sind die Witze keine Brüller á la „Lethal Weapon“ oder Zynismus der Marke „Last Boy Scout“, aber trotzdem sind sie gut platziert. Hierbei wird auch klar, dass Lundgren die erste Geige spielt, aber „Showdown in Little Tokyo“ ist schließlich auch Brandon Lees erster größerer Film.
Hoch anzurechnen ist das stimmige Japano-Flair, welches den Film von vorne bis hinten durchzieht. Denn die exotische japanische Kultur und die Riten der Yakuza nutzt Mark L. Lester konsequent aus, um „Showdown in Little Tokyo“ über andere Actionfilme zu heben.
Auch die Musik ist eingängig und beweist, dass es nicht immer Hans Zimmer oder Jerry Goldsmith sein muss. Vor allem das Grundthema, welches im Vorspann und an diversen anderen Stellen des Films zu hören ist, ist sehr eingängig.
Mark L. Lester, bei Filmen wie „Phantom Kommando“ oder „The Base“ eher solider Handwerker, zeigt bei „Showdown in Little Tokyo“ einiges an Gewitztheit (siehe Vorspann-Gestaltung).
Kritikpunkte sind die nicht besonders ausgereifte Story und der Mangel an Realismus: Die Cops legen den halben Stadtteil Little Tokyo in Schutt und Asche und hinterlassen Leichenberge, ohne dass sich der Rest der Polizei groß daran zu stören scheint (ebenso wenig an Verdächtigen, die sich selbst das Genick brechen). Doch diese eher geringen Mängel verschwinden der unterhaltsamen Action und dem tollen Flair.
Im Endeffekt ist „Showdown in Little Tokyo“ ein sehr unterhaltsamer Actionkracher, an den man als Zuschauer einfach nicht die falschen Erwartungen stellen darf. Wer dies tut, darf sich an Lundgrens einzigen A-Movie und seinem besten Film freuen.