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Ewan McGregor spielt einen mittellosen Autor, der in Paris um 1900 einen Abend im legendären Moulin Rouge verbringt. Dort verwechselt ihn eine Kurtisane, der Star des Etablissements, gespielt von Nicole Kidman, mit einem reichen Duke. Sie verbringt die Nacht mit ihm, wobei die beiden sich ineinander verlieben. Da der echte Duke aber nur dann dazu bereit ist, den Nachtklub finanziell zu unterstützen, wenn er die Kurtisane für sich allein bekommt, müssen die beiden Verliebten ihre Beziehung geheim halten.

Wer "Romeo + Julia" und "Australia" gesehen hat, weiß, dass Baz Luhrmann blanken Kitsch als sein oberstes Stilmittel verwendet und sich nicht scheut, wenn es um Gefühle geht, immer mal wieder etwas dick aufzutragen. Umso erstaunlicher, dass seine Werke durchaus Erfolge feiern konnten, "Moulin Rouge" zu den besten Musicals seit der Jahrtausendwende gezählt wird und sogar bei den Oscars prämiert wurde.

Denn letztlich ist der Film banal, kitschig und belanglos. Die Charaktere gewinnen nicht wirklich an Profil, besonders beim herrschsüchtigen, egozentrischen Duke sieht man, dass sich Luhrmann, auch für Produktion und Drehbuch verantwortlich, definitiv für kein Klischee zu schade war. Hinzu kommt eine Liebesgeschichte, die anfangs ganz nett konstruiert wird und schließlich mit dem Stück im Stück grundsätzlich brauchbar weitergestrickt wird, aber für gute zwei Stunden Laufzeit einfach zu wenig bietet, um durchweg unterhalten zu können. Dies läuft letztlich darauf hinaus, dass allzu viel Zeit mit Gesangseinlagen tot geschlagen wird, während sich die Dialoge auf Dauer im Kreis drehen und der Kitsch besonders zum Ende hin klar überstrapaziert wird.

Und auch ansonsten scheint es Luhrmanns einziges Anliegen zu sein, der MTV-Generation möglichst viel zu bieten, was ihr wohl gefallen wird; daher wohl auch der simple Plot, weil die Jugend von heute wohl nur dann wirklich folgen kann, wenn’s nicht über "Tatort"-Niveau hinausgeht. Daher lässt man auch mal eben den Zeitgeist und selbstverständlich einen halbwegs authentischen Einblick in den Amüsierbetrieb, wie er wirklich war, außer Acht und wirft der Zielgruppe lieber ein paar nette Bilder hin.

Diese sehen im Grunde auch gar nicht mal so schlecht aus. Szenenbild und Ausstattung sind hervorragend und auch die schnellen Schnitte in Musikvideo-Ästhetik können sich anfangs durchaus sehen lassen, aber das Konzept nutzt sich spätestens mit dem dritten Song ab. Und wo wir schon einmal bei den Songs sind: Auch die passen durchaus gut in den Film und werden von Kidman und McGregor nicht schlecht gesungen, aber sie sind genauso stereotyp wie das gesamte Konzept. So ist das einheitliche Popmusical-Gedudel schnell wieder verdrängt, genauso, wie der gesamte Film. Am Ende lässt sich "Moulin Rouge" dann auf ein paar wirklich gute Szenen reduzieren, aber das war’s dann leider auch schon. Dramaturgisch nimmt das Geschehen nicht an Fahrt auf, sodass es wohl selbst den geneigten Zuschauern schwer fallen dürfte, sich im Kitsch zu verlieren.

Darstellerisch gibt es dabei nichts zu bemängeln. Nicole Kidman spielt die schillernde Kurtisane durchaus gelungen, ist in der Rolle sehr charismatisch, spielt versiert und singt dazu auch ziemlich gut, was ebenso für Ewan McGregor gilt, der zudem gut mit seiner Kollegin harmoniert. Und auch der restliche Cast kann sich sicherlich sehen lassen, Richard Roxburgh gibt ein gelungenes Feindbild ab, Oscar-Preisträger Jim Broadbent brilliert regelrecht, während auch John Leguizamo Versiertes bietet.

Fazit:
Baz Luhrmann tischt der MTV-Generation mit "Moulin Rouge" ein schillerndes, aber doch fades Gericht auf, in der Hoffnung, dass es möglichst vielen schmeckt. Doch das zweistündige, hektisch geschnittene Musikvideo ist letztlich unteres Mittelmaß, da die dünne Story nie wirklich in Fahrt kommt, die Songs austauschbar sind und letztlich nur ein paar gute visuelle Eindrücke im Kopf bleiben.

42%   

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