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"Wir könnens uns nicht leisten zu lieben."

Im Jahre 1899 in Paris: Der mittellose Schriftsteller Christian (Ewan McGregor) sucht nach einer Geschichte über die Liebe. Er stellt jedoch fest, dass er noch nie richtig verliebt war. Er gerät an ein paar Künstler, die ein Theaterstück im Moulin Rouge aufführen wollen, einem frivolen Nachtclub für die Reichen, die sich die Wärme der dortigen Kurtisanen erkaufen können. Sogleich gerät Christian an die Hauptakteurin Satin (Nicole Kidman), die eigentlich den Duke (Richard Roxburgh) umgarnen soll, um eine Menge Geld für das Moulin Rouge zu erwerben. Das Missverständnis klärt sich erst auf, als sich die beiden bereits ineinander verliebt haben. Kurzerhand wird Christian als Autor für das neue Theaterstück verpflichtet und der Duke als Geldgeber überzeugt, der damit nur Satin's Zuneigung erkaufen möchte. Diese gehört jedoch heimlich weiterhin Christian.

Die Handlung von "Moulin Rouge" ist in erster Instanz eine einfach gestrickte Dreiecksromanze ohne großartige Überraschungen. Doch ganz so anspruchslos ist der Film dann doch nicht. Das außergewöhnliche ist seine kunterbunte Präsentation, die in ihrem farbenprächtigen Stilmix einem kunterbunten Knallbonbon gleicht und gerade zu Beginn extrem überladen scheint.

In den ersten 45 Minuten erlebt das Publikum ein Feuerwerk aus verschiedensten Musik-, Kleidungs- und Tanzstilen, das überaus gewagt in das vergangene Zeitalter eingebunden wird. Mit der Realität hat das nichts zu tun. "Moulin Rouge" ist zu diesem Zeitpunkt einzig überdrehte Kostümrevue und zeichnet die Charaktere nur wenig. Trotz der hochfrequentierten Bilderflut geht die Spannung unter.
Dies ändert sich jedoch nach der überlangen Einführung. Der Wandel zum Musical-Drama erfolgt schleichend, dafür schlussendlich umso eindringlicher.

Die Emotionen werden zu schmetternden Neuinterpretationen aus Rock- und Popklassikern wiedergegeben. So bilden Songs von David Bowie, Queen, Madonna, Elton John, The Beatles und anderen eine Mischung, die überaus anachronistisch erscheint, jedoch harmonisch und insbesonders eindrucksvoll zusammengewürfelt wurde.

Im Rampenlicht stehen Ewan McGregor ("Freeze - Alptraum Nachtwache") und Nicole Kidman ("Batman Forever"). Beide beeindrucken mit einer unglaublichen Präsenz. Besonders McGregor bleibt durch seine Wandlungsfähigkeit nachhaltig in Erinnerung. Richard Roxburgh ("Van Helsing") dagegen bleibt überaus blass.

"Moulin Rouge" ist ein grellbuntes Musical, was zunächst im künstlerischen Kitsch untertaucht. Ab dem Zeitpunkt, wo sich die Dreiecksbeziehung bildet, bricht der Film aber mit seiner überdrehten Aufmachung und wird ungemein emotionaler. Dank eingängigen Melodien, die bombastisch neuinterpretiert wurden, ist die Atmosphäre phänomenal, ganz im Gegensatz zur Handlung und der vernachlässigten Figurenzeichnung. Knappe ...

8 / 10

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