Baz Luhrmann ist sicher einer der diskutabelsten Regie-Erscheinungen im Business. Immer im Kampf mit der Realität, laut, schrill, bunt, theatralisch, exzentrisch, übersteigert, schnell, seine Kunst heißt Kitsch, sein Nährboden ist das Klischee. Er stand vermutlich Pate für den furchtbaren Stil, der heute als TikTok bekannt.
Moulin Rouge ist sein Höhepunkt und war mein Waterloo, die Musical-Hölle auf Erden. "Moulin Rouge!" hat nicht umsonst ein Ausrufezeichen, hier kommt der Zuschauer nicht im Sinne von „einfach“ davon. Wenn die Hoch-Zeiten, in denen die Geschichte spielt, schon voller Exzess und Dekadenz waren, war das wohl alles klein, im Gegensatz zu dieser Darstellung. Von allem gibt es eine Extraportion und die inszenatorische Freiheit kennt keine Grenzen. An dieser Stelle muss erwähnt sein, dass ich die kreativen konzeptionellen Ideen, die gewaltige Ausstattung und die offensichtliche Leidenschaft für das Projekt bei allen Beteiligten vollkommen respektierte. Aber das ist einfach alles nicht meins. Die teilweise vergewaltigten Pop- und Rock-Songs, das Overacting, die dauerhafte Reizüberflutung. Da bevorzuge ich dann doch ältere Musicals, das ist der Fuß nicht nur auf dem Gaspedal. Und der Technicolor Zeit kann das hier optisch nichts vormachen.