Dieter Bohlen
Im Herbst 1984 begegnete mir dieser Typ erstmals, als ich im zarten Alter von 10 Jahren „You´re my heart, you´re my soul“ hörte und das ganz toll fand - wollte damals (und heute erst recht) niemand zugeben. Allerdings musste ich schnell feststellen, dass nachfolgende Hits genauso klangen und auch später erweiterte sich Bohlens kompositorisches Repertoire nur leicht.
Der Mann schafft es dennoch immer wieder, seine Person in den Mittelpunkt des Geschehens zu bringen. Musik, Frauengeschichten, Biographie, DSDS. Und irgendwo dazwischen „Dieter, der Film“, denn „Irgendwas ist immer“…
So basiert der Animationsfilm bruchstückhaft auf „Nichts als die Wahrheit“, wobei hier Auszüge aus dem gleichnamigen Hörbuch als Erzählstimme Bohlens verwendet werden.
Die Kindheit bei den Großeltern in Ostfriesland, die erste eigene Gitarre, Bewerbungstapes, Arbeiten beim Plattenverlag, bishin zum ersten Hit von Modern Talking.
Bis hierher ist das alles recht amüsant und nicht so lieblos animiert, wie befürchtet. Ein paar kleine Witzchen lassen sich auch finden und die ironischen Untertöne überraschen bisweilen sogar, wenn Bohlens Figur selbst nicht so ganz ernst verkauft wird.
Es folgt der musikalische Stillstand und die Gags werden rar. An dieser Stelle hätten mir ein paar Seitenhiebe mehr auf Leute wie Drafi Deutscher und Engelbert, sowie eine etwas detailliertere Erzählung der musikalischen Laufbahn besser gefallen.
Es folgen Frauengeschichten in Form von Naddel, die im gemeinsamen Heim überall Sekt bunkert und Verona, die als dämonisch falsche Schlange dargestellt, nach einer überstürzten Eheschließung in Las Vegas, nur auf Dieters Kohle aus ist
Flache Witze über weniger flache Hupen senken das Niveau genauso, wie Dieters berühmter Penisbruch. Einzig die Synchro der beiden Damen ist hier wirklich gelungen. Die tiefe Stimme von Naddel ist schon gut, aber bei der von Verona ist man beim genaueren Hinhören verblüfft, denn an manchen Stellen könnte sie es auch selbst sein - nur ihre Zeilen sind so maßlos plump überzeichnet, dass es nach einiger Zeit nicht mehr witzig ist.
Am Ende der Geschichte gibt es dann noch ein Wiederhören mit Harry Wijnvoord, der Dieter in der Hölle drei Tore zur Auswahl stellt.
So wirkt die Geschichte am Ende doch etwas unausgegoren, abrupte Szenenwechsel, sowie etwas zu lang geratene Passagen wirken wie eine äußerst flüchtige Umsetzung von Bohlens Biographie.
Immerhin ist die Synchro gelungen und auch typisch deutsch, - mit allerlei Mundarten bereichert, leider mit weniger witzigen Dialogen versehen. Dennoch konnte ich ein paar Mal schmunzeln und unterhalten wurde ich auch, - eine Herrenrunde mit etwas Bier ist hierfür die bessere Vorraussetzung!
Ja, der Mann ist immer präsent. Und spätestens, wenn die vierte Staffel DSDS losgeht, wird er mir wieder begegnen (Zumindest in den ersten, unterhaltsamsten Sendungen).
Er hat nichts und alles. Anmaßend arrogantes Auftreten, viel Geld und eine „hammärmässige“ Estefania. Die meisten Leute mögen ihn nicht und doch sahen unglaublich viele „seinen“ Film. Wodurch also dieser Erfolg? Passend hierzu sagte einmal Robert Smith, Sänger von „The Cure“ einmal: „Das Verlangen nach Scheiße ist groß…“
5 von 10 Punkten