Was den Thriller „Bad Seed“ (auch bekannt als „Preston Tylk“ oder „Lethal Mistake“) von anderen Filmen dieser Art abhebt, ist sein ungewöhnlicher Einstieg und das unkonventionelle Ende – der Film beginnt inmitten der eigentlich erwarteten Handlung und findet seinen Ausklang erst erstaunlich lange nach dem Showdown … alles dazwischen ist hingegen problemlos als „genretypisch“ zu bezeichnen und macht das anfängliche Potential schnell zunichte.
Gleich in der ersten Szene gesteht Emily (Mili Avital) ihrem Mann Preston (Luke Wilson) eine Affäre mit der Zufallsbekanntschaft Jonathan (Norman Reedus). Trotz ihrer Beteuerung, die Beziehung beendet und sich für ihre Ehe entschieden zu haben, fällt Preston aus allen Wolken und verlässt das Haus, um erst einmal einen klaren Kopf zu fassen. Als er schließlich zurückkehrt, findet er Emily schwer verletzt im Wohnzimmer auf – wenig später verstirbt sie auf dem Weg ins Krankenhaus…
Beim Durchgehen ihrer Sachen entdeckt er Liebesbriefe von Jonathan, worauf er kurzerhand zu dessen Haus fährt und dort einbricht – dabei er wird jedoch entdeckt, und ein Kampf zwischen den beiden Männern entbrennt, in dessen Verlauf Preston seinen Angreifer tötet und anschließend im Wald vergräbt…
Gerade scheint alles gerichtet, da taucht Jonathan plötzlich bei ihm auf: Der Tote war sein geistig zurückgebliebener Bruder gewesen – aus diesem Grund gab es auch eine Überwachungskamera zur kontrollierten Betreuung in dessen Zimmer, welche die Tötung aufgezeichnete. Jonathan hat jedoch gar nicht vor, das Band der Polizei zu übergeben (es soll nur eine Sicherheit darstellen), vielmehr will er seinen Bruder rächen…
Nur knapp kann er dem ersten Anschlag entkommen und fliehen, doch Jonathan heftet sich erbarmungslos an seine Fersen. Als Preston seinen Verfolger schließlich kurz mal abhängen kann, kontaktiert er einen Privatdetektiv (Dennis Farina), der ihm gegen die richtige Summe trotz der Umstände seine Hilfe zusichert, das Band zurück zu bekommen. Ein Katz-und-Maus-Spiel auf Leben und Tod beginnt, bei dem die Rollen des Jägers und Gejagten permanent wechseln…
Das Tempo, das der Film mit seinem direkten Einstieg aufbaut, kann er leider nicht über die gesamte Zeit aufrechterhalten – im Gegenteil, denn nach den furiosen ersten 15 Minuten (mitsamt Geständnis und beider Tötungen) verkommt der Verlauf immer weiter zu einem schematischen Katz-und-Maus-Spiel, bei dem die Parteien ständig wechseln (mal hat Preston das Tape, mal Jonathan…), was auf Dauer ermüdend wirkt.
Aber es sind noch weitere Mängel offenkundig: Neben einigen genretypischen Klischeemomenten (es muss ja eine regnerische Nacht sein, in der Preston die Leiche im Wald verscharrt) gibt es noch etliche unlogische Sequenzen, wie etwa als Jonathan die von Preston benutzte Mordwaffe einfach in dessen Zimmer zurücklässt, damit dieser weiß, dass er als Verfolger „ganz in seiner Nähe ist“, oder als die Flüchtigen ein PKW stehlen und dessen Fahrer in direkter Nähe eines Polizeigroßaufgebots aussetzten, die Cops (aus welchen Gründen auch immer) aber nie die Verfolgung aufnehmen…
Insgesamt schwankt der Filmverlauf zwischen unerwarteten Wendungen und vorhersehbaren Handlungselementen – letztere sind jedoch leider klar in der Überzahl.
Die ganze Inszenierung von Regisseur Jon Bokenkamp, der später das Skript zu „Taking Lives“ verfasste, wirkt recht bieder und einfallslos, was der Zuschauer vor allem bei einem Kampf in einem fahrenden PKW erfährt, welcher (wie etliche andere Szenen auch) vollkommen ohne Gespür für Tempo und Spannung umgesetzt wurde. Mit „solide“ könnte man die handwerkliche Qualität der initiatorischen Umsetzung umschreiben, bis auf den erstaunlich guten Zustand von Prestons Hemd in einer Szene, in der er zuvor kurzfristig vollkommen in Brand gesetzt worden war (statt Brandflecken hat das Shirt nur an 3 Stellen kleine Risse…?!).
Zu den Darstellern: Luke Wilson („Soul Survivors“) bleibt in der Hauptrolle leider blass, Mili Avital („Invasion of Privacy“) und Vincent Kartheiser („another Day in Paradise“) haben bestenfalls nur Kurzauftritte, und Norman Reedus („Boondock Saints“) hat nicht viel mehr zu tun, als grimmig zu gucken und ständig entweder hinter einem her oder vor einem weg zu laufen. Dennis Farina („Get Shorty“) hingegen stiehlt allen als etwas heruntergekommener Privatdetektiv die Schau – er bringt wenigstens Leben und Spielfreude in seine Figur.
Und nun noch zu dem unkonventionellen Ende: Nach dem (mauen) Showdown an einer Klippe im Wald zieht sich der Verlauf noch schleppend lange bis zu den Credits hin – inklusive einiger Tiefgang suggerierenden Sequenzen und einem vollkommen unnötig grausamen Selbstmord, der in seiner gezeigten Art gegenüber dem eher zurückhaltenden Gesamtkontext einfach deplaziert wirkt. Man wollte die Charakterzeichnungen der Figuren wohl noch zu einem stimmigen Ganzen abrunden, doch nach dem eher unbefriedigenden Verlauf zuvor wünscht man sich lieber einen kurzen und präzisen Abschluss, als diese Art von Ausklang.
Fazit: „Bad Seed“ ist filmische Standardware, die nach einem starken Auftakt rapide nachlässt und gegen Ende kein Mittel mehr gegen die kränkelnde Dramaturgie findet … knappe 4 von 10.