Was macht ein reicher Amerikaner, wenn sein Töchterlein (eine UN-Beauftragte) in Vietnam von Terroristen gekidnappt wird? Natürlich das, was alle treusorgenden Väter machen würden: Eine Horde Söldner alarmieren und für ein angemessenes Honorar in den Dschungel schicken, um dort mal richtig aufzuräumen. Kennt man eigentlich alles schon in der einen oder anderen Form, doch selten wurde dieses Szenario so unglaubwürdig und dumm, und trotzdem so unterhaltsam heruntergekurbelt wie in Louis Morneaus` “Soldier Boyz“.
Hier mimt B-Movie-Veteran Michael Dudikoff den US-Mayor a. D. Toliver, der Sozialarbeit in einem Gefängnis in Los Angeles verrichtet und sich auch gar nicht großartig überreden lassen muss, den Auftrag eines Großindustriellen anzunehmen. Fehlt nur noch eine geeignete Gruppe von Freiwilligen, die bei diesem Himmelfahrtskommando mitmachen würde – im Knast wird Toliver schnell fündig und schon hier fasst sich jeder normaldenkende Zuschauer an den Kopf: Ein rachsüchtiger Latino, ein Schwarzer, der sich für Gangsta No. 1 hält, einen notorischen Vergewaltiger und Mörder, einen Skinhead (!) und als weiblichen Part eine toughe Knastjule. Respekt dem Drehbuchautor, der sich einen so hanebüchenen Bockmist ausdenkt und das Buch auch noch verkaufen kann. Aber um die Erzählung einer glaubwürdigen Geschichte ging es hier ganz offensichtlich sowieso nicht, denn die bemüht wirkenden Dialogszenen kratzen so erbärmlich am Bodensatz des Klischeekübels, dass es eigentlich nur noch zum Lachen ist – da wird der Faschist plötzlich zum selbstlosen Märtyrer und der Vergewaltiger zum Lebensretter (für wen, sollte klar sein). Der Krieg schweißt eben zusammen, Kameradschaft ist alles, niemand wird einfach so zurückgelassen - der militaristische Grundton ist nicht überhörbar.
Trotz dieser mehr als schlechten Vorzeichen schafft es Morneau aber überraschenderweise, einen durchaus ansehbaren und unterhaltsamen Actionstreifen zu präsentieren, der sich vor allem durch drastische, bisweilen sehr blutige Shoot-Outs auszeichnet. Diese sind für Genrefans ein Genuss, sprühen sie doch nur so vor unfreiwilligem Humor, wenn Dudikoff ohne jede Deckung mal eben vier bis fünf namenlose Vietnamesen über den Haufen schießt und einen Schuss in sein Bein ohne größere Spätfolgen wegsteckt. Der Unterhaltungswert ist in diesen Sequenzen enorm, auch wenn es hier sehr zu empfehlen ist, vorher sowohl das Hirn als auch das moralische Gewissen abzuschalten, denn wenn hier ein Gefecht beispielsweise mit den Worten „Ich bin immer bereit zu töten, Sir!“ angekündigt wird, kann man es wohl niemandem übel nehmen, den Film sofort abzuschalten und in die Tonne zu verfrachten. Menschenverachtend und bezogen auf das platte Feindbild sogar rassistisch sind hier wohl die Wörter der Wahl, „political correctness“ sollte man besser woanders suchen.
Auch wenn man für dieses Machwerk so gut wie kein gutes Wort übrig lassen kann, eines ist nicht zu verleugnen: Der Film macht Spaß. Die Geschichte wird schnell und ohne größere dramaturgische Kniffe abgehandelt und damit umso mehr Platz für ausufernde Schiesserein gemacht. An den streckenweise bedenklichen Inhalten werden sich geneigte Fans wohl kaum stören - als trashiges Actionvehikel für zwischendurch ist „Soldier Boyz“ somit allemal geeignet.