Nun denn, was passiert, wenn man mehrere Filme und Bücher mischt, um eine satirische Utopie auf die Gesellschaft mit aktuellem Bezug zu drehen?
Wenn die ersichtlichen Vorbilder von Chaplins großem Dikator über Orwells 1984 bis Gilliams Brazil reichen und der Fundus hiermit noch nicht einmal zur Hälfte ausgeschöpft ist, werden französische Comicalben und italienische Horrorsatiren durch den Kakao gezogen, sowie auch Mediensatire brachialer Natur wie in den guten alten Achtziger Jahren des Hollywood-Kinos.
Und selbst da hört es nicht auf.
Afghanistan, Stalin, die französische Revolution, Rudolf Hess, südamerikanische und afrikanische Bananenrepubliken, die Rumänien, Griechenland, einfach alles wird irgendwie miteinander verwurstet.
Hört sich also skurril und übertrieben an? Kann gar nicht gut gehen?
Nun ja, vielleicht sollte noch erwähnt werden, dass es sich hierbei um kein Hollywood-Action-Konzept à la Equilibrium handelt (welcher ja auch überreaschenderweise sehr gut gelungen war) sondern eine britische bitterböse Farce, die gegen Ende ziemlich klar zwar Stellung bezieht aber in guter alter Brit-Dystopien-Tradition dennoch klug abstrakt bleibt.
Dann sollte vielleicht auch noch erwähnt werden, dass die Hauptrolle vom wieder einmal überragenden Ralph Fiennes gespielt wird und sein Antagonist von Donal Sutherland.
Zugegebenermaßen, das allein macht nicht unbedingt einen Klasse-Film aus, aber das macht den Film durchaus interessant.
Wenn schon nicht oberflächlich betrachtet vom Inhalt, dann schon vom schauspielerischen?
Und auch hier wird einem nur teilweise in seiner Vermutung recht gegeben:
Ralph Fiennes spielt wieder einmal exzellent, was dieser Mann mit seiner Mimik und Ausstrahlung mit einem einzigen Zucken im Gesicht hinkriegt ist nach wie vor überragend. Hätte er nicht so eine kühle Ausstrahlung, er wäre der prefekte Schauspieler für jedes Genre. Leider ist er für Komödien einfach zu gut (nicht unähnlich Harvey Keitel, Sean Penn), aber für diese Art von Film ist Fiennes immer der richtige Mann.: Perfekt besetzt, perfekt gespielt.
Ihm gegenüber - und das muß man leider auch genauso festhalten - verpufft Donald Sutherlands Spiel wie eine schlechte Seifenblase, zu abgebrannt und lustlos spielt Sutherland, einzig in zwei Szenen schimmert durch, wie gut auch dieser Mann mal war. Ein Anthony Hopkins - so wenig ich diesen Mann auch mag- wäre da sicherlich die interessantere Lösung gewesen. Aber sei's drum.
Ralph Fiennes spielt ja eigentlich für zehn, und das auf eine derart dezente und filmförderliche Art, dass er niemals den ganzen Film nur als Vehikel benutzt, um sich selbst zu profilieren.
Der Rest der Crew ist Durchschnitt.
Doch diese Art von Film kann nicht allein vom Schauspiel leben. Und glücklicherweise hat er es auch nicht nötig. Was sich anfangs wie Murks anhört, entpuppt sich schnell als satirische Parabel der wohl durchdachteren Sorte, die einem lange anhaften kann, nicht unähnlich den großen Vorbildern 1984 und Brazil.
Die Klasse jener Filme erreicht Land of the Blind zwar nie, aber in seinen besten Momenten erinnert er sehr stark an die Vorbilder, ohne jemals wie ein Plagiat zu wirken. Und das Ende ist auch mindestens genauso mehrdeutig wie sehr schön gelungen.
Alles in allem kann sich Land of the Blind als aktueller Beitrag zu diesem Genre sehr wohl behaupten, verlangt vom Publikum weniger Kopflastigkeit, dafür aber genausoviel intuitive Intelligenz (beides sollte man nicht unbedingt gleichsetzen) und er ist in seiner relativ kurzen Laufzeit und Einfachheit auch öfter zu konsumieren als die großen Vorbilder.
Da ich persönlich solche Filme nicht so gerne schaue, würde ich ihm eigentlich zwar nur 7 Punkte geben wollen, aber ich denke in diesem Genre verdient er schon eine gewisse Aufmerksamkeit und hat auch eine gewisse Klasse vorzuweisen.
Sowohl vom schauspielerischen als auch glücklicherweise in der Story her.
8 Punkte