Review

Gesamtkritik

Die Geschichte ist völlig zeitlos und vom "erwachsenen" Standpunkt aus betrachtet gar ein wenig surreal:
Drei Jungen besitzen die Unverschämtheit, von zu Hause auszureißen, um mit einem unerwachsenen Spätentwickler, der es auf unerfindliche Weise zum Besitz eines eigenen Bootes gebracht hat, auf eine Insel zu fliehen. Dort will man zunächst "ungefähr ein Jahr" zubringen, beschließt am Ende jedoch, sogar für immer dort zu bleiben. Letzteres leider nur in der englischen Originalfassung - auch damals schien ein solcher Entschluss deutschen Moralwächtern wohl zu anarchisch, und so übersetzte man "...they stayed on Grasshopper Island with Lupus and Cornelius Button, not for a year and a day, but forever." mit "...und dann wurde es Zeit zum Schlafengehen."
Dennoch entstammt die Serie einer Zeit, als Kinderbuch- und Kinderfilm-Autoren noch eindeutig auf der Seite der Kinder waren; Joy Whitby, Autorin des gleichnamigen Kinderbuchs und Produzentin nicht nur dieser Serie, sondern auch so bekannter Evergreens wie Catweazle oder Jackanory, denkt und erdenkt vom Standpunkt der Kinder aus - kompromisslos, ohne plakative Pädagogik und erhobenen Zeigefinger, doch würzt sie mit eigentlich einfachen, aber so wunderbar tiefgängigen philosophischen Wahrheiten, dass das Ergebnis den Vergleich mit ähnlichen "Surrealismen aus Kindersicht" wie selbst Pippi Langstrumpf nicht zu scheuen braucht.
Die Grashüpfer-Insel - eine wundervolle Geschichte, wundervoll verfilmt, ein echter Klassiker, wie er - ganz ohne nostalgische Verklärung - in dieser Art wohl heute nicht mehr produziert wird.

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