Soso, eine Höhlenexpedition wird also durch einen Hundertfüßer zu einer Hatz durch enge Schächte und steile Kletterspalten. Könnte auch ein Tausendfüßer sein, das Plastikvieh ist ja kaum zu sehen, was von Vorteil ist, weil es gar nicht gut aussieht.
Der Film an sich sieht auch nicht so super aus, es ist Tierhorror auf ziemlich preiswertem Niveau.
Dabei soll das Ganze doch ausnahmsweise mal nicht in Rumänien, sondern in Indien spielen. Nun, vielleicht gibt es in den USA eine kleine Wüstenlandschaft, die zufällig „Tiny India“ heißt.
Egal, man will uns also Glauben machen, dass sich eine Gruppe ehemaliger Studenten nach Indien begibt, weil Held David auf diese Weise seinen Junggesellenabschied feiert. Natürlich ist auch Davids Ex Sara an Bord (darf ich einen Tipp abgeben, wer die Expedition überleben könnte?), dazu ihre neue Kartoffel (der Typ ahnt selbstverständlich, dass zwischen den beiden noch lange nicht alles aus ist), ein paar Gesichtslose und ein indischer Reiseführer, der, wie soll es anders sein, den typischen „Du wolle Rose kaufe“-Slang aufgedrückt bekommt.
So geschieht in den ersten 30 Minuten rein gar nichts, man seilt sich herab, angeblich vier Kilometer tief (dafür gibt es erstaunlich viel Licht da unten), Partylaune, etwas Suff, und Tanz der beiden Frauen zu Technobeats. Dabei wundert es ein wenig, dass die Ex des Helden plötzlich in Lara-Croft-Trainingsmodus da steht, in Tube-Top und Hotpants. Es ist aber trotzdem zu dunkel, um von dem Anblick rattig zu werden, außerdem lenkt das nur vom Nichts der Handlung ab, die mit dem Dahinsiechen des ersten Opfers eigentlich erst aufgenommen wird.
Dieses feuert schnell noch eine Leuchtrakete ab, damit die Ausgänge verschüttet werden und der Rest der Truppe festsitzt. Fortan heißt es: Ausgang suchen und weglaufen, da man dem mutierten Vieh irgendwann gegenüber steht.
Ich bin mir gar nicht sicher, ob dass überhaupt ein Tracheentier sein könnte. Man hat zwar auf Computereinschübe verzichtet, doch das Kunststoffteil sieht nicht sonderlich lebendig aus, obgleich man es erst gegen Finale etwas deutlicher sieht. Es bewegt sich kaum, glänzt wie frisch poliertes Plastik und ist knapp fünf Meter lang. Es hat eine Giftklaue und gibt ein Blausäure-haltiges Sekret ab, - eine Mutation aufgrund illegal abgelagerter Giftmüllfässer in der Höhle. Fraglich allerdings, wie es zu dieser Größe gelangte, während übrige Insekten offenbar unbetroffen sind. Obwohl, eine Schar Fledermäuse muss auch genascht haben, weil deren Klüsen wie gelbe Minischeinwerfer leuchten.
Man kann sich also ausmalen: „The Descent“ ist das Maß aller Höhlenabenteuer, „The Cave“ ist schon nicht mehr so prickelnd, und „Centipede“ ist noch mal zwei Stufen darunter.
Zugegeben, es ist zeitweise etwas Tempo drin, da wird sich abgeseilt, während das Tau zu reißen droht, da muss man in einen Tümpel tauchen, um in einem anderen Raum wieder aufzutauchen, dazwischen sorgt der indische Führer für leichte Auflockerung (der einzige, der überhaupt so etwas wie Charakterzeichnung zugesprochen bekommt, die anderen mag man einfach nicht) und am Ende gibt es außerhalb des Höhlennetzes gar einen Fahndungstrupp, weil im Intro des Streifens ein einheimisches Paar dort unten blieb.
Ausstattungstechnisch strahlen einige Sets eine angenehme Atmosphäre aus, andere wirken wie billige Studiobauten. Dadurch, dass die Mutation zu keiner Zeit bedrohlich wirkt, lassen sich kaum spannende Szenen ausmachen, lediglich gegen Ende wird der Fluchtraum etwas eng. Es sind im Verlauf zwar einige Opfer zu beklagen, Blut fließt jedoch zu keiner Zeit, das Vieh zieht die Typen einfach aus dem Bild.
Schlussendlich kann man nur noch über den Score ein paar positivere Worte finden, der sich müht, die meiste Zeit mit orchestralen Klängen zu untermalen. Nur die Sitar, die indisches Flair verbreiten soll, nervt ein wenig.
Gut, es ist alles gesagt: Ein Trashwerk von Tierhorror, das in bierlauniger Runde eventuell ein paar Gröler entstehen lässt, ansonsten jedoch zu wenig bietet, um einigermaßen über die Runden zu kommen. Ein recht belangloser Höhlentrip, knapp
4 von 10