"Tremors meets The Descent" - so jedenfalls die Werbezeile auf dem deutschen DVD-Cover. Trifft das auf diesen kleinen, unbekannten Low-Budget-Streifen zu?
David möchte mit seinen Freunden seinen Junggesellenabschied feiern. Dabei haben sie sich was ganz Besonderes ausgedacht: in eine 3000m (bzw. später im Film über 5000m ...) tiefe Höhle zu steigen und dort zu feiern. Der Abstieg gelingt, man vergnügt sich - vorerst. Als einer der jungen Leute das Equipment eines früheren Forscherteams entdeckt, wird er kurzerhand von einem Tausendfüssler attackiert. Als er zu Boden stürzt, endzündet sich sein Brennstab mit dort liegendem Sprengstoff (aha! ) und der Rückweg wird durch die Erschütterung blockiert. Für die restliche Freunde beginnt der Kampf ums nackte Überleben...
So oder so ähnlich kann man diesen Film wohl zusammenfassen. Als kleine Randnotiz kann man hier noch sagen, dass das, was auf dem deutschen DVD-Cover steht, teilweise absoluter Mumpitz ist. Weder ist der Boden schwefelig und entzündet sich durch die herabfallende Lampe, noch wird man systematisch von den Biestern eingekesselt, sondern schlicht und einfach auf dem Weg zum Ausgang verfolgt und nach und nach aufgefressen. Das also mal nebenbei...
Der Film schneidet auch in den sonstigen Kategorien, also jetzt mal jenseits des Inhalts und der Geschichte, wie seine normalen Genrekollegen ab. Keinesfalls etwas neues bieten, sondern immer brav die alten Klischees erneut aufgreifen. Sei es das getrennte Liebespärchen und die dadurch anfangs gereizte Spannung, das teilweise stronzdoofe Verhalten der Charaktere, die magischen Zufälle, dass das vorher dort gewesene Forscherpärchen (was man am Anfang zu Gesicht bekommt, bevor es gefressen wird) Sprengstoff liegen lässt oder die typische Monsterhatz.
Die Krabbelfiecher sind soweit ganz solide gemacht, sehen stellenweise aber sehr, sehr billig aus. Leider sieht man sie in den meisten Szenen weder richtig zuschlagen oder attackieren, noch wirklich fressen - das letztere zumindestens bietet dann ja immer noch gewisse Schauwerte, die den sich kurz vor dem Einschlafen befindenen Zuschauer dann doch noch wachrütteln, ist aber, wie gesagt, leider nicht vorhanden. Die Hetzjagd durch die Höhlen fällt insgesamt phenomenal unspektakulär und langweilig aus. Mit Schockeffekten spart der Film und so gibt es maximal 1-2 Szenen, wo man sich wirklich erschreckt, den Rest gab es schon in 284 Filmen davor, von denen man mindestens die Hälfte schon kennt und daher dran gewöhnt ist.
Mal zum ersten Satz des Reviews: ja, wie schaut es denn nun mit einem Vergleich der beiden Filmen aus? Also das mit Tremors ist schon mal sehr weit hergeholt. Das würde ungefähr so funktionieren, dass man Predator mit einem WWF-Regenwald-Werbespot vergleicht, weil beide im Jungle spielen. Viel mehr Gemeinsamkeiten, außer dem Wüsten-Ambienten (was jedoch in diesem Film nach kurzer Zeit in die Höhle verlagert wird) gibts hier eigentlich nichts gemeinsam. Aber das soll ja jetzt nicht mal kritisch gemeint sein, eher dann als Seitenhieb an das unmögliche DVD-Label. Sich "The Descent" als Vergleich ranzuziehen, stimmt auch nur bedingt, womit man auch gleich bei einem weiteren Kritikpunkt angelangt wäre: der Optik. Wirkte der Descent durch das Fehlende Licht und die düsteren, bösen Farben noch richtig pessimistisch, unheimlich und klaustrophobisch, nerven hier die teilweise sogar quietschebunten, aber allesamt keinesfalls unheimlichen Farben dann doch eher, als dass sie uns das Fürchten lehren. Die Situation in der Höhle selbst ist ja ganz nett, wird aber leider vollends doch eher zunichte gemacht.
Zum Score braucht man nicht viele Worte zu verlieren. Typisches Geigengeschreddere, das uns Spannung vermitteln soll, hier und da ein nerviges Liedchen. Die Schauspieler sind soweit relativ okay - vermitteln vielleicht nicht umbedingt hollywoodreif ihre Emotionen, als Kanonenfutter reichen sie dann aber doch noch aus. Die Dialoge befinden sich auf einer ähnlichen Stufe.
Insgesamt von grundauf relativ solide, jedoch zu unspektakulär und zu wenig atmosphärisch, als dass man hiermit wirklich jemanden beeindrucken könnte. Wenigstens die Tierchen sehen noch nett aus. Wer ihn nicht kennt, wird Centipide keinesfalls vermissen oder sehen müssen.
5/10