Review

Immer noch einer der fünf besten Romantik-Filme

"Die junge Kaiserin" ist zwar längst nicht mehr so geschlossen wie der erste "Sissi"-Film und wesentlich episodenhafter gestaltet worden, dennoch zeigt sich einmal mehr mit welcher Ausstattungskraft hier damals gearbeitet wurde. Einfach ein unbeschreiblich schöner Film, der eine visuelle hypnotische Ausstrahlung aufweist und so zum immer-wieder-Ansehen einlädt. Die Farben sind teilweise kräftiger und dadurch auch ergiebiger als in "Vom Winde verweht". Zu den Versatzstücken der urigen Heimatfilm-Gaudi gesellen sich diesmal melancholische Untertöne, die sich zwar auch in den Kostümen Schneiders widerspiegeln aber dafür selbst freilich nur in Belanglosigkeiten (weiter) ergehen. Wenigstens ansatzweise ist so dennoch die spätere Elisabeth bei Visconti bereits spürbar. Zumal Schneiders Talent für Rollenaufgaben unzweifelhaft ist. Realistisch ist hier jedoch (glücklicher Weise) noch nichts.
Und bemerkenswert vor allem, dass Marischka inhaltlich versucht "Sissi" als madjarische Heilsbringerin und Nationalheldin zu stilisieren, welche die ungarische "Gleichberechtigung" dennoch unter paternalistische, oder besser wohl maternalistische, Bedingungen stellt. Denn "Sissi" ist hier ja schon den ganzen Film hindurch verheiratet und wird der konservativen Logik zufolge dementsprechend auch nicht mehr als "junge Frau", sondern bald schon als "junge Mutter" portraitiert. Politisch wird es dahingehend auch in den eigenen Ländern "deutscher" Zunge, etwa wenn die "Kaiserin" gleich nach der Geburt ihres eigenen Kindes als soziale Wohltäterin bei fremden Babies gezeigt wird.
Höhepunkt sind dabei sicherlich die besonders deutlichen Szenen am Großglockner, analog zur Schlacht um Hoth in "Das Imperium schlägt zurück".

Rating 8.5

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