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Die wichtigste Info zuerst : Gladiator ist KEIN Geschichtsfilm! Wer sich mit Geschichte gut auskennt und sich bei diesem Film erhofft, einen fulminanten und geschichtlich korrekten Historienfilm geboten zu bekommen wird wahrscheinlich vor Wut explodieren. Gladiator war im Jahre 2000, bzw 2001 der ganz große Abräumer bei den Oscars und die große Geburtsstunde von Russel Crowe. Und auch dieser Film gehört zu meiner persönlichen Top-Liste der besten Filme die ich jemals gesehen habe. Nun hatte ich gestern erstmals die Gelegenheit den Film in der Extended-Version zu schauen und kann nur allen Fans empfehlen, sich diese Version anzuschauen, da diese um ein vielfaches ereignisreicher ist, als die normale Kinoversion. Meisterregisseur Ridley Scott hat mit dieser fiktiven Gladiatoren-Geschichte ein extravagantes Epos erschaffen, das von tollen Schauspielerin umgeben ist und zusätzlich noch eine Optik hat, wie ich sie in keinem anderen Film, bis heute, gesehen habe, der in so einer Zeitspanne spielt.

Maximus. Der General, der zum Sklaven wurde. Der Sklave, der zum Gladiator wurde. Der Gladiator, der dem kaltblütigen Kaiser trotzte. Es ist die allseits beliebte "Moses-Geschichte", die hier so spektakulär erzählt wird wie noch nie. Maximus ist der bedeutendste Krieger vom alten Kaiser Marcus Aurelius und nach der großen Endschlacht gegen die Germanen hat er nur noch einen Wunsch : Die verdiente Heimkehr zu Frau und Kind. Doch Marcus Aurelius hat für Maximus noch eine große Aufgabe, denn anstatt von Aurelius Sohn, möchte der Kaiser, dass Maximus die Macht des Cäsars übernimmt. Doch leider ist Marcus Aurelius Sohn, Commodus, ein psyhopathischer und eiskalter Tyrann, der die Entscheidung seines Vaters nicht akzeptieren kann. Kurzer Hand tötet er seinen eigenen Vater, bevor dieser seine Nachfolgeentscheidung verkünden kann und will auch Maximus und seine ganze Familie ausrotten. Maximus gelingt die Flucht und versucht seine Frau und sein Kind zu retten, doch leider kommt er zu spät. Als er vor seinem Familienkadaver zusammenbricht, wird er von Sklavenhändlern aufgesammelt und wird schließlich zum Gladiator. Durch seine kriegerischen Erfahrungen wird er schnell der Held in der Arena und so verfolgt Maximus ein neues Ziel : Er will nach Rom ins große Kolosseum und seine Rache an dem neuen Kaiser Commodus vollziehen.

Ich bin immer wieder über diese Gladiatorenspiele erstaunt, denn sie zeigen deutlich, dass sich an der "medialen Geilheit" der Menschen bis heute nichts geändert hat. Zunächst mal ist Gladiator ein Film, der ordentliches Sitzfleisch voraussetzt, denn besonders die Extended Version geht fast 3 Stunden lang. Der Film fängt mit der bombastischen Schlacht gegen die Germanen an und ich glaube es gibt keinen Film, der solch ein atemberaubendes Gefecht gleich zu Beginn zeigt, denn der Kampf gegen die Germanen wirkt eigentlich wie eine typische und epische Finalschlacht, Welche man ja eigentlich am Ende eines Films erwartet. Danach geht dann die eigentliche Storyline rund um Maximus los und der Film nimmt sich wirklich beachtlich viel Zeit, um auf die Tiefe jeder einzelnen Figur einzugehen. Natürlich sind die absoluten Highlights hier die Kämpfe in der Arena, die einfach atemberaubend gut in Szene gesetzt wurden. Dabei schont Ridley Scott seine Zuschauer zu keiner Minute, denn er zeigt die Gladiatorenkämpfe so, wie sie nun mal waren : Ultrabrutal! Es ist jedes mal aufs Neuste beeindruckend, wie schnell durch so ein Film doch 3 Stunden um sein können, denn langweilig wird dieser Film zu keiner Sekunde. Am Ende bleibt man dann auch hier wieder nur sprachlos zurück, nachdem man ein Endkampf der besonderen Art genießen durfte. Gladiator ist ein Film, der unter die Haut geht und der zu Tränen rührt und wenn man nicht gerade ein Geschichtsfanatiker ist, wird man hier den absolut besten Film erleben, der zu dieser Zeitepoche spielt.

Nicht nur Russel Crowe wurde durch diesen Film zum Weltstar, auch Joaquim Phönix, der Bruder vom leider viel zu früh verstorbenen River Phönix, wurde durch diese überragende Performance über Nacht zum Star. Es ist mir bis heute unbegreiflich, wieso er keinen Oscar für eine derart grandiose Meisterleistung bekommen hat, denn Phönix verkörpert hier für mich einen der besten, bösesten und gefährlichsten Bösewichte überhaupt. Commodus ist ein Tyrann, aber auch ein Angsthase. Durch die tolle Gestik und dem starken Gesichtsausdruck von Phönix, hat Commodus stets was angst-einflößendes an sich und es fällt wirklich sehr schwer, mit einem Tyrann wie ihn Mitleid zu haben, da er auch des öfteren von perversen Inzest-Gedanken bezüglich seiner Schwester geplagt wird. Immerhin wurde der großartige Russel Crowe für diese tolle Performance mit dem Oscar geehrt. Crowe sieht in dem Film nicht nur fantastisch aus (er sah nie besser aus), er verkörpert zudem auch den treuen Maximus einfach unglaublich authentisch und glaubwürdig. Egal ob es in den traurigen, finsteren oder ernsten Momenten ist, Crowe verleiht seiner Figur stets das gewisse Etwas und es fällt permanent schwer, den Blick von ihm zu wenden. Zudem erleben wir hier ein absolutes Unikat. Wir sehen Ralf Möller in einer guten, sogar in einer ziemlich guten Rolle, die ihm wie auf dem Leib geschnitten ist. Auch wenn man aus der Figur "Hagen" noch viel mehr hätte raus holen können, so bin ich doch immer wieder erstaunt darüber, wie selbstsicher und überzeugend Ralf Möller hier agiert. Leider wird dies wohl sein einziger, überzeugender Auftritt als Schauspieler bleiben. Natürlich gibt es hier noch andere fantastische Nebendarsteller wie Connie Nielsen, Djimon Hounsou, Richard Harris oder Oliver Reed, die ebenfalls alle brillant ihre Rollen verkörpern. Aber keine der Nebendarsteller können mit Phönix und Crowe mithalten, da sich die Beiden hier ein unerreichtes schauspielerisches Duell auf Augenhöhe liefern.

Das Sahnehäubchen dieses genialen Epos ist dann nur noch die Musik, die so wunderschön ist, dass besonders beim Abspann Gänsehaut vorprogrammiert ist. Der großartige Hans Zimmer hat hier wiedermal eine fantastische Arbeit geleistet und hat sich mit Enya noch eine fantastische musikalische Verstärkung hinzugezogen. Die Musik wird hier eigentlich in jeder Minute passend eingesetzt, besonders bei den dramatischen Kämpfen kommt diese epische Musik zum Vorschein, die mir noch immer fest im Ohr liegt.

Wie gesagt, "Gladiator" ist kein Geschichtsfilm im eigentlichen Sinne, sondern eine frei erfundene Geschichte über einen Krieger, der zum Sklaven wird und schließlich zu Deren Befreier wird. Wer das Alles akzeptieren kann, wird mit diesem Film ein absolut perfektes Meisterwerk erwischen, der sich nachhaltig noch lange in den Köpfen der Zuschauer einbrennen wird. Ich persönlichen habe selten was mit sogenannten "Sandalenfilmen" anfangen können, doch Gladiator hat mir die Augen geöffnet und gezeigt, dass man sich niemals irgendeinem Genre komplett abwenden sollte. Somit sollten auch Leute, die historische Filme rund ums alte Rom nicht ausstehen können unbedingt zu "Gladiator" greifen. Ein absolutes Muss für jeden Filmfan!


Fazit : Vergesst Ben Hur & Co. Gladiator toppt sie Alle und ist für mich der beste Historienfilm aller Zeiten. Schauspieler perfekt, Story perfekt, Musik perfekt. Keine Wünsche bleiben offen! Now we are free!


10/10

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