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Filme über Hollywood sind immer was Feines und wenn sich die Macher dann auch noch mit größeren Skandalen beschäftigen oder mit mysteriösen Todesfällen, dann brennt in Tinseltown der Busch.

Ein wenig spät, aber nicht uninteressant kam also letztjährig „Hollywoodland“ daher, Allan Coulters recht ordentlich gelungener Versuch, sich filmisch mit dem Schicksal des Schauspielers George Reeves auseinander zu setzen, dessen Tod auch heute noch ein Geheimnis ist.

Reeves, ein gut aussehender Darsteller ohne größere Reputation, kam als TV-Superman zu Ehren und Bekanntheit, wurde das Image aber nicht mehr los, was ihm jegliche Rollenangebote von Interesse verwehrte.
Schließlich fand man ihn 1959 erschossen in seinem Haus auf, wobei nie geklärt wurde, ob es sich um Unfall, Mord oder Selbstmord handelte.
Eben jene Fragestellung greift der Film auf, der einsetzt, als die Tat schon geschehen ist und die Mutter des Toten einen relativ heruntergekommenen Privatdetektiv (Adrien Brody) auf den Fall ansetzt.

Von da an kann man den Film zweigleisig genießen, die Suche Brodys auf der einen Seite und das Leben von Reeves auf der anderen, der ein Protege und Liebhaber einer Produzentengattin war, als Mensch eher melancholisch und ernsthafter Schauspieler, aber eben auch ein hübsches Gesicht unter vielen.

Regisseur Coulter kommt von Fernsehen und die ganz große Kino-Panache hat er sich nie zugelegt, dennoch funktioniert sein Mystery-Drama über weite Strecken eigentlich ganz gut. Das komplette Hollywood greift er nie an, streift nur die Mechanismen und Winkelzüge, konzentriert sich mehr auf das Portrait eines Mannes, der den einmal eingeschlagenen Weg nicht mehr verlassen konnte.

Gleichzeitig präsentiert sich, nicht ganz zum Rest passend, Brody in flotter Spiellaune, der schon bald eine persönliche Angelegenheit daraus macht, den Fall weiter zu verfolgen, gegen den Widerstand von Produzenten, Kollegen und Beteiligten. Neben den eigenen familiären Problemen (sein Sohn war ein Reeves-Fan, er selbst lebt getrennt und hat Probleme mit dem neuen Mann im Haus), nimmt er keine Rücksicht auf sich selbst und geht den Weg bis ganz unten.

Und genau da ist die Untiefe in diesem sonst so wunderbar gespielten Drama: am Ende des Weges hätte irgendeine Überraschung warten müssen, mehr Fiktion, weniger bekannte Fakten. Aber das Skript bietet außer einem (sehr ehrlichen) Blick hinter die Kulissen einfach nicht mehr als die bereits bekannten Fakten und spekuliert auch nicht weiter.
In drei variablen Rückblenden sieht man die drei Möglichkeiten ausgespielt, wie Reeves zu Tode gekommen sein könnte, für keine Variation gibt es schlußendlich einen Beweis.

Man kann die Spekulationsunwilligkeit durchaus als Qualitätsmerkmal nehmen, da Hollywood ja gern die eigenen Legenden strickt, jedoch ist Brodys „private eye“ ja auch Fiktion und der Aufbau legt uns eine mögliche Aufklärung ans Herz, die dann einfach nicht da ist.
Das wirkt sich stark auf den Spannungsbogen aus, der immer dann ansteigt, wenn ein hervorragend aufgelegter Ben Affleck als Reeves im Bild ist, der endlich mal sehr nuanciert einen verzweifelten Charakter spielt, jedoch im Recherchestrang immer wieder auf Null absinkt, wenn Brody letztendlich auf der Stelle tritt.
An einem finalen Höhepunkt mangelt es jedenfalls gänzlich, die zuletzt gewählte Selbstmordvariante wird geradezu als wahrscheinlichster und emotionalster Ausweg angeboten, zufrieden stellen kann dieser Aufbau jedoch nicht, da der Film langsam und still ausläuft und wie das Mysterium Reeves sich in Nichts auflöst.

Am Ende hat man einen zeitgenössischen, sehr interessanten Film gesehen und kennt viele Fakten – nur die Wahrheit kennt immer noch keiner.
Kein Wunder also, daß das Publikum nicht Schlange stand, um mit einem Fragezeichen heimwärts zu schlendern.
Generell hat der Film aber innere Qualität, um einen interessanten Filmabend zu verbringen. (7/10)

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