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„Ich hätte niemals diesen Organspendeausweis unterschreiben dürfen!“

Krankenhaushorror bzw. -slasher gibt es einige, „X-Ray – Der erste Mord geschah am Valentinstag“, „Horror Hospital“, „Dr. Giggles“, „Anatomie“… und alle sind zumindest ok. In die gleiche Kerbe schlägt der schweizer Regisseur Carl Schenkel („Abwärts“) mit seiner 1982er deutsch-britisch-US-amerikanischen Koproduktion „Exquisite Tenderness“ aus dem Jahre 1995.

Mit seinem in der Vergangenheit spielenden Prolog beginnt „Exquisite Tenderness“ fast wie ein Film noir in Schwarzweiß, bevor er recht schnell zunächst den Charme einer Krankenhausserie annimmt, alsbald aber deutlich macht, dass er uns das zeigt, was „Schwarzwaldklinik“ und Konsorten verschweigen: Tierversuche mit irgendwelchen Implantaten, an denen die Viecher elendig krepieren. Doch damit nicht genug, auch an einer Patientin wird von Dr. Stein (Malcolm McDowell, „A Clockwork Orange“) herumexperimentiert, was die resolute Dr. McCann (Isabel Glasser) auf die Palme bringt. Nach dem ersten Todesopfer wird McCann vom Dienst befreit, doch zur allgemeinen Überraschung muss als nächster schon Dr. Stein dran glauben, der seine Experimente höchstens im Jenseits fortführen kann. Wer zur Hölle ist der Mörder?

Nun, jener Mörder meuchelt sich mit einem Atemschutz vermummt in typischer Slasher-Manier durchs Krankenhaus, bevor das Drehbuch diese Subgenre-Charakteristika fallenlässt und nach ca. einem Drittel die Identität des Täters enttarnt. Ein recht ungewöhnlicher Kniff, der „Exquisite Tenderness“ fortan eher zu einem Vertreter der „Mad Scientist“-Branche macht. Nach und nach erfährt man die Beweg- und Hintergründe des Täters Dr. Matar, der von Sean Haberle in einer Weise verkörpert wird, die zumindest mich etwas an den früh ausgeschiedenen Malcolm McDowell in jüngeren Jahren erinnert. Das rasant an Fahrt gewinnende Katz- und Maus-Spiel fordert dabei zahlreiche Opfer; Schenkel hat einige Fiesheiten parat, die uns daran erinnern, warum wir uns so ungern in Krankenhäusern aufhalten: Immer wieder wird mit Spritzen herumhantiert und -gestochen, aber auch andere blutige Brutalitäten sorgen für Entsetzen. Zwischenmenschliches Geplänkel verwässert die Härte des Films aber und atmosphärisch schafft es „Exquisite Tenderness“ nicht ganz, an ähnlich gelagerte Filme aus den glorreichen 1980ern anzuknüpfen.

Mit seiner ungewöhnlichen, sich zwischen den Subgenres bewegenden Erzählweise und etwas seelenlosem 90er-Charme auf der einen, einer interessanten Darstellerriege und einer ganzen Reihe visueller Gemeinheiten auf der anderen Seite pendelt sich „Exquisite Tenderness“ irgendwo zwischen „Durchschnitt“ und „gut“ ein.

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