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Ein ehemaliger Kriegsberichterstatter, der in Vietnam Sterben und Tod hautnah miterlebt hat, versucht sich durch ein Buch, das er über das Thema "Leben und Tod" schreiben will, von seinen quälenden Erinnerungen zu befreien. Dazu führt er zahlreichen Interviews mit Menschen aus allen Schichten und wohnt auch einer Autopsie bei, um seine Recherchen zu vervollständigen.

AUTOPSIA ist ein dubioser Un-Film im Mondo- und Report-Stil. Den Produzenten dieses zweifelhaften Machwerks ging es allein darum ihr, auf welchem Weg auch immer erworbenes, Filmmaterial einer authentischen Leichenöffnung zu Geld zu machen. Um ihre spekulativen Absichten ein wenig zu kaschieren und die Szenen auf eine spielfilmübliche Länge zu bringen, verknüpften sie das Material mit einer rudimentären Spielhandlung, einem haarsträubenden Kommentar aus dem Off und unterlegten es mit irgendwelchen nichtssagenden Musikstücken aus dem Archiv.
Der Film beginnt mit einer Geburt, Babygeschrei und Freudentränen, untermalt von Halleluja-Gesängen. Und das Alles ereignet sich in einer armseligen Hütte, mitten im Kampfgetümmel des Vietnamkrieges. Ausgehend von diesem symbolträchtigen Vorgang spannt der Regisseur dann einen Bogen vom Sterben im Krieg über das Sterben im Alltag bis hin zu einer in allen unappetitlichen Details präsentierten Obduktion einer männlichen Leiche. Die Obduktion selbst wird immer wieder unterbrochen von kurzen Spielszenen oder Interviews. So wird dieser Teil des Films dramaturgisch in die Länge gezogen, bis es zum "Höhepunkt" kommt, der Öffnung des Schädels und der Entnahme des Gehirns.
Bei den Kriegsszenen handelt es sich um hinlänglich bekanntes Dokumentarmaterial aus Nachrichtensendungen und Wochenschauen. Die Dokumentaraufnahmen wurden dann mehr schlecht als recht kombiniert mit inszenierten Kampfszenen sowie Episoden aus dem Leben des Toten, seiner Angehörigen, des Reporters und des Obduktionsarztes. Diese immer wieder eingestreuten Spielszenen sind jedoch ohne jeglichen Zusammenhang, verlaufen ins Nichts und sind von geradezu erschreckender Banalität.
Um den dokumentarischen Anspruch der Filmemacher zu unterstreichen, wurden viele dieser Szenen mit einer Handkamera gedreht, und der Hauptdarsteller befragt zudem arglose Passanten in verschiedenen Großstädten und führt Interviews zum Thema Leben und Tod mit "Arbeitern, Kaufleuten und Intellektuellen aus verschiedenen Ländern" wie es im Abspann heißt. Dazu kommen dann noch diverse Dichterzitate und endlose aber wenig substanzielle (freundlich ausgedrückt) Monologe über Leben und Tod aus dem Off. So sinniert z.B. der Reporter während der Obduktion: "Es wäre wirklich gut, wenn jeder von uns einmal bei einer solchen Autopsie zusehen könnte...mir war es, als würde ich selbst dort liegen."(!!) Die angesprochenen Stilmittel sollen die Ernsthaftigkeit des Films belegen, doch der stümperhaft zusammen montierte Streifen kann seine fragwürdige Attitüde, sein spekulieren mit dem Voyeurismus des Zuschauers, kaum verleugnen.
AUTOPSIA ist ein Film, der auch in der heutigen Zeit noch immer eine unselige Entgleisung darstellt. Nur geeignet für Leute mit gesundem Magen, mit viel Geduld oder für Jack Taylor-Komplettisten. Alles andere als ein Horrorfilm ist AUTOPSIA dennoch eine horrende Erfahrung.

In der im Vergleich mit der Originalfassung (83:28) rund 10 Minuten kürzeren deutschen Video-Fassung von "Greenwood Film" (74:23) fehlen vor allem gleich zu Beginn eine Reihe von Interviews, so mit einem Torero, einem Journalisten, einem Motorradrennfahrer und einem Philosophen, sowie einige Straßeninterviews in Paris. Die Obduktionsszenen sind dagegen ungekürzt.
In einer Szene ist ein am Straßenrand parkender Lieferwagen der Firma "Galindo" zu sehen, die für den Transport der Filmausrüstung zuständig war.
Laut IMDb fand der am 15.10.1973 uraufgeführte Film in Spanien 179.023 zahlende Kinobesucher.

Aus der Werbung:
Dieser Film darf keinesfalls Jugendlichen unter 18 Jahren vorgeführt werden! Ebenfalls sollten Menschen mit schwachen Nerven und werdende Mütter von der Betrachtung dieser Cassette Abstand nehmen! Der Hersteller übernimmt keine Verantwortung für Folgen, die sich beim Abspielen dieser Video-Cassette ergeben.
Die Geschichte vom Leben und vom Tod (Video)
There is one horror that goes beyond the living dead!
It'll take you...apart! (Poster) 

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