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Zugehörig mit zum Durchstart und gleichzeitig Höhepunkt der als 'Blaxploitation' zusammengefassten Werke von Filmen (oftmals) afroamerikanischer Regisseure, Autoren und vor allem Darsteller im Bereich des Gangster- und allgemein des Actionkinos; welcher auch als (im Deutschen unrühmlich und irreführend betitelte) Fortsetzung namens Slaughter's Big Ripoff, im Vergleich zu den sonstigen gleichzeitigen Vertretern wie z.b. Shaft, Super Fly, oder den weiblichen Varianten um Coffy und Foxy Brown in der Nachhaltigkeit weniger Zuspruch gefunden hat und in der Verbreitung weniger Existenz. Ein Grund dafür liegt möglicherweise in der Wahl des Hauptdarstellers, die mit Jim Brown zwar überaus populär ist, dieser aber schon zuvor in Hollywood selber gefestigt und vorher und nachher auch zahlreich außerhalb dieser Genregrenzen der schwarzen cineastische Renaissance aktiv. Brown war de facto schon zu groß, zu etabliert, hat hierbei aber mit Jack Starrett als Regisseur auch gleichzeitig den besten Mann für derlei Geschichten (Starrett hat u.a. Final Chapter: Walking Tall (1977), Ein Fall für Cleopatra Jones (1973), Verdammt, verkommen, verloren - The Losers und natürlich Vier im rasenden Sarg (1975) gedreht) und natürlich die eigene Erfahrung für das 'Geschäftliche' und die entsprechend körperliche Präsenz. (Allerdings hat der Film abseits von Brown auch gute Nebendarsteller, obwohl Stella Stevens zwar einen formidablen Körper aufweist und diesen auch recht oft zeigt, aber immer ein wenig wie Ingrid Steeger aussieht und v.a. auch so wirkt.]:

Als der ehemalige Green Beret und jetzige Police Captain Slaughter [ Jim Brown ] seine Eltern durch einen Anschlag per Autobombe verliert, schwört er Rache. Zwar gelingt ihm nach einer waghalsigen Aktion auf dem Flughafen auch, einige der Handlanger zu erwischen, wird er dafür allerdings wegen Vigilantismus belangt und kann sich nur durch einen Deal mit dem Schatzamt unter operativer Aufsicht von A.W. Price [ Cameron Mitchell ] retten. Slaughter soll sich 'privat' nach Südamerika aufmachen, um an die Hintermänner heranzukommen, wobei er Unterstützung durch Price' Assistentin Kim [ Marlene Clark ] und vor allem Harry [ Don Gordon ] als Kontakt vor Ort erhält. Dort angelangt stößt er in ein Wespennest der Mafia, mit Mario Felice [ Norman Alfe ] an der Spitze, der sehr zum Unwillen dessen aufsässiger rechter Hand Dominic Hoffo [ Rip Torn ] dessen Gespielin Ann [ Stella Stevens ] als Lockvogel auf den Mann aus Amerika ansetzt.

Ein offensives, den Titelhelden oft in Bewegung und Konfrontation oder mit der Doppelläufigen im Anschlag zelebrierendem Intro, inklusive eines eigenen Titelsongs, welcher sich in der Vorstellung des noch Kommenden und des maskulin Kommenden natürlich an die Konkurrenz von Shaft und hier in versuchter Steigerung richtet. Dann: die obligate Autoexplosion ohne Vorwarnung zerreißt die Stille der Nacht.

Ein rapider Einstieg, mittendrin, für Manche schon das Ende und für Slaughter der Beginn. Zuerst noch in der verspäteten Reaktion auf die Ereignisse um ihn herum, kann er auch den nächsten Anschlag nicht verhindern und sieht jemand sterben, und wird dann noch ein Pistolenmagazin in sein Badezimmer entleert. Das Publikum folgt auf der Reise, auf dem Wandel der Ereignisse, ist doch die Identifikation klar umrissen und verströmt nicht nur Anstand, sondern auch die gehörige Portion Virilität. Drei Actionszenen in Folge, wobei sich zuletzt ein Kleinwagen in halsbrecherischer Manier mit einem Segelflieger anlegt.

Anders als Shaft, der sich erst im letzten Abenteuer in das Ausland oder dort die Internationalität weit weg von den eigenen Straßen und den eigenen Belangen, aus dem Viertel hinaus quasi in die große Weltgeschichte begibt, ist hier die Handlung schon nach wenigen Minuten außerhalb der Landesgrenzen und dort mit Aufwand, und vor allem auch der liebreizenden Präsentation und Gestaltung außen- und innenarchitektonischer Leckerbissen angelegt; zum Glück oder doch als Fata Morgana nur vielerlei Wasserstellen wie Pools, Spingbrunnen, und anderen Fontänenspielen, denn der Film ist relativ schwül und trocken, wobei viele der Spießbuben auch reichlich langes Haar auftragen und mit dicken Anzügen und teils gar Rollkragenpullover in der Glut angezogen sind.

Von der Handlung her ähnlich mächtig, eine Art Bond-Story gar, mit MacGuffin in Form einer Lochkarte und eines geheimnisvollen Computers, zu dessen Zweck des Findens man lange um sich herumscharwenzelt und die Fallen und Köder, u.a. bei einem Glücksspiel im hauseigenen Casino auslegt. Dass der Hauptdarsteller hier afroamerikanischer Herkunft und anderer Hautfarbe ist, wird eher durch die anderen Beteiligten und im Skript durch wüste Beschimpfungen (seitens eines brütenden Rip Torn) der Marke "(stinkin') Nigger" oder "big black ape" registriert und – natürlich ganz Klischee – durch die weiße Frau, während es dem Zuschauer in den frühen Siebzigern sicher auch eminent war, heutzutage allerdings egal und ohne Belang ist. Gleichzeitig modern (der unsichtbare IMB Computerkram) und antik (die Mafiaplotte) gehalten wird das Ganze von Starrett mit Sinn für den Aufbau, dem Schwelen der Gefahren und den entscheidenden Ausbrüchen der Gewalt erzählt, teilweise bei Details in extremen Weitwinkel gehalten – bei einem Massaker in der Squasharena, einem Sprung durch das Fenster oder dem Ausschalten eines Abtrünnigen mit der Kurzläufigen – , sonst aber tatsächlich wie Hollywood zu seinen bessere, rauen Zeiten gehalten und ordentlich auf Eindruck schinden, inklusive einer mit reichlich Ketchup garnierten Schießerei auf der Hazienda und einer anschließend wilden Autoverfolgungsjagd samt Stuntspektakel angelegt.

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