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Made in Taiwan: Ein Geisterhaus und ein alter Familienfluch stehen im Vordergrund dieses Gruseldramas, das zwar löblicherweise auf die schwarzhaarigen Grudge-Krabbelkinder verzichtet, sich ansonsten aber etwas schwerfällig entfaltet.

Das titelgebende Erbstück erhält der junge James, der die meiste Zeit seines Lebens in Übersee verbracht hat: Ein 80 Jahre altes Haus, mit über 800m² Wohnfläche.
Dieses bezieht er sogleich mit seiner Verlobten Yo, doch bereits nach kurzer Zeit häufen sich Merkwürdigkeiten wie unerklärliche Fußabdrücke und das plötzliche Auftauchen umnebelter Bekannter um Punkt Mitternacht.
Nach einigen Nachforschungen stößt Yo auf einen alten Familienfluch, der auch ihren Verlobten treffen könnte, doch im Haus gibt es bereits das erste Opfer zu beklagen.

Für einige Zeit erweckt der Plot durchaus Interesse, zumindest solange, wie das Haus mit seiner stimmungsvoll düsteren Ausstattung im Vordergrund steht.
Da tropft es mal von der Decke, verschwinden Personen auf unerklärliche Weise und werden Kameras installiert, nachdem ein ermittelnder Inspektor eine übersinnliche Erfahrung machen musste.
Es erscheint zwar völlig unlogisch, warum Unbeteiligte um Mitternacht ins Haus gebeamt werden, aber der Zustand der Leute sorgt für weitere Spannungsmomente.

Leider knickt die Story stark ein, man verlässt die Gruselebene, um sich ausgiebig um den alten Familienfluch zu kümmern und ab da verläuft die Handlung wirr und unausgegoren.
Recht früh erfährt man zwar vom einstigen Massenmord im Haus und dass James der letzte Nachkomme des Clans sei, doch Yo kann eine überlebende Tante in einer Nervenheilanstalt ausfindig machen. Wenn diese in einem Zehn-Minuten-Flashback kaum nachvollziehbare Fakten über Kindergeister, tote Babys, Blutfütterung und kranken Leuten auf dem Dachboden in die Runde wirbelt, ist das gleichzeitig der Abschied von atmosphärischen Momenten.
Da bringt man anschließend eine völlig unpassende Sequenz am Flughafen, eine Tanzaufführung Yos und parallel dazu James Kindheitserinnerungen, was insgesamt kaum noch Spannung erzeugen kann und vergleichsweise träge erzählt wird.
Zwar endet das Finale recht tragisch, doch die volle Aufmerksamkeit des Betrachters ist bereits vor einiger Zeit geschrumpft, denn die anfängliche Bedrohung und die soliden Gruselmomente weichen immer mehr einer schnöden und vorhersehbaren Vergangenheitsbewältigung.

Die unausgeglichene Story, die zudem reihenweise Logiklöcher entstehen lässt, wird aber zumindest durch inszenatorisches Geschick des Regisseurs Leste Chen zusammengehalten.
Primär fällt da der wunderbar orchestrale Score auf, der angenehm altmodisch gehalten wurde und mit seinen streicherbetonten Klängen wohl jedes Geisterhaus düster erscheinen ließe.
Ferner arbeitet die Kamera ordentlich variabel aus interessanten Blickwinkeln und bringt zum Ende ein paar sehr gelungene Fahrten rund um die Hauptfiguren.
Jene werden überzeugend verkörpert, die hierzulande unbekannten Darsteller lassen kaum einen Grund zur Klage zu, allenfalls mangelt es einigen während entscheidender Momente ein wenig an Ausdruck.

Nur leider schleppt sich die Sache im Gesamteindruck ein wenig. Nach ansprechenden Szenen in der ersten Hälfte, liefert man im Verlauf immer weniger Schauwerte und die dichte Stimmung weicht tempoarmen Nachforschungen innerhalb eines Familienfluchs.
Man gewinnt unterm Strich den Eindruck, dass zwei, drei brauchbare Ideen nicht so recht unter einen Hut gebracht werden konnten, weshalb „The Heirloom“ am Ende auch ein wenig enttäuschend anmutet.
4,5 von 10

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