Allein der Titel erinnert irgendwie an die urbane Legende „Die Autopanne“ und könnte eine Variation derer darstellen. Regisseur und Autor Norbert Keil dürfte zumindest von jenen modernen Mythen inspiriert worden sein, denn seine Kurzgeschichte weist einige typische Merkmale auf und versucht besonders durch die Schlusspointe den klassischen makaberen Akzent zu setzen.
Es ist eine weite, verschneite Winterlandschaft, die wir zunächst kopfüber betrachten, bis sie sich langsam um 180 Grad dreht und zum Innenraum eines Autos heranzoomt, in dem das Paar Sarah (Minh-Kai Phan-Thi) und Marc (Florian Wagner) leidenschaftlich fummelt.
Mehrere Male hört er währenddessen entfernte Geräusche, während sie abwiegelt.
Und tatsächlich kämpft etwas weiter ab eine junge Frau nach einem Crash um ihr Leben, da ein Mann mit einer Axt unaufhaltsam auf sie zu steuert…
Da bereits die Credits viergeteilt durchs Bild laufen, gibt man eine Marschrichtung in Sachen Splatter vor, die letztlich in nur geringem Maße erfüllt wird.
Natürlich bilden Schnee und ordentlich verteiltes Blut einen starken Kontrast, doch sofern die Axt geschwungen wird, bleiben explizite Bilder außen vor.
Bei einer knappen Laufzeit von 13 Minuten konzentriert sich das Geschehen mehr auf die parallele Entwicklung, - einerseits das Liebespaar im Auto, andererseits die angeschlagene Frau im Kampf ums Überleben.
Folgerichtig werden die Handlungsstränge gegen Ende verschmolzen, um den entsprechenden Twist einzuläuten, welcher jedoch frühzeitig erahnbar ist und keine sonderliche Überraschung liefert, was ebenfalls auf den etwas lahmen Schlussgag zutrifft.
Inszenatorisch sind demgegenüber kaum Makel auszumachen. Die Kamera liefert ein paar atmosphärische Einstellungen, die Szenenübergänge sind sauber und der Score erscheint ausgewogen und treffend eingesetzt.
Die drei Darsteller haben hingegen weniger zu tun und überzeugen nur teilweise.
Am ehesten vermag Michou Pascale Anderson zu beeindrucken, die als verzweifelt kämpfende Frau allerdings auch am meisten Spielraum bekommt, während die beiden anderen, trotz geringen Anspruchs weniger glaubhaft erscheinen, vielleicht auch, weil sich die Knutschszenen etwas zu sehr dehnen.
Abgesehen von einem eklatanten Logikfehler (allenfalls durch das allgemein vorherrschende Klischees des Slashers zu akzeptieren), gestaltet sich die Kurzgeschichte unterhaltsam, phasenweise spannend und aufgrund der fröstelnden Kulisse auch durchaus atmosphärisch dicht, was innerhalb so kurzer Zeit nicht unbedingt einfach auf die Beine zu stellen ist.
Die Pointe des Ganzen bietet zwar beileibe keine Offenbarung, doch als Appetizer oder Snack für Zwischendurch geht die Geschichte insgesamt in Ordnung.
Nicht so spektakulär und schockierend wie oben erwähntes Beispiel, jedoch schwarzhumorig genug, um auch Freunde kleiner fieser Geschichten zu gefallen.
6 von 10