Richard Franklins "Patricks Höllentrip" schien ein größerer Erfolg beschieden zu sein, als ich damals 2005 zunächst annahm. Entweder das oder die italienische Filmindustrie war 1980 bereits so am Arsch, dass man sich nicht mehr erlauben konnte, bei den Großen zu klauen und somit seine Ideen aus dem cineastischen Mittelstrahl schöpfen musste. Bei aller technischen Überlegenheit Franklins empfinde ich "Patrick lebt!" als den besseren Unterhaltungsfilm, wenn auch nicht in Sachen Horror, wo die franklin'sche Zurückhaltung doch der Perversion Landis (Mario, nicht John, daher kein Apostroph) überlegen ist.
Freunden ungewollten Entertainments dürfte diese Horrorpizza alla Italia aber doch um einiges eher münden als der ernste, aber doch etwas gemächliche Originalfilm um den Terror - Telekineten. Der bekommt hier übrigens ENDLICH einen Hauch der Motivation über seine höllischen Gaben gesprenkelt und man gibt sich effektmäßig die Blöße, die Franklin dankenswerterweise vermieden hat. Und wieder einmal ist es enttäuschend zu wissen, dass diese(s) Pseudofortsetzung / Scheinremake wieder mal nur auf Video gebannt in deutschen Landen verheizt wurde, hätte sich der Film doch sehr gut auf der Leimwand gemacht und so manche Spätvorstellung zum Kochen gebracht wie einen Touristen im Hotelpool. Wie ich gerne zu sagen pflege: Örx!
"Halte deine Umwelt sauber!", die heimliche Kernbotschaft des Filmes, hat der gesichtslose Trottel, der zu Beginn des Filmes unseren Titelgeber im Vorbeifahren mit einer weggeworfenen Glasflasche gen Koma pfeffert, komplett falsch verstand. Und so endet ein gemütlicher Vater - / Sohntag mit Autopanne im Krankenhaus.
Einige Zeit später - Patrick ist nunmehr Gemüse in Vatters Privatbeet - hat der reiche Patriarch und Arzt eine kleine Intrige geplant, die die Einladung der Reisegesellschaft beinhaltet, durch deren Müllentsorgung der Sohnemann zu Schaden kam. Nun hat der Filius die Möglichkeit, mittels seiner neu erwachten geistigen Kräfte die vom Vater eingeimpften Rachegelüste auszuleben und macht sich ans Werk, die zur Teilnahme an einem Gruppenexperiment erpressten Missetäter - jeder mit eigenem Dreck am Stecken - individuell abzustrafen. Und so finden nacheinander fast alle der Touristen ihr Ende als poolgegartes Kesselfleisch, als menschlicher Spießbraten oder auch gerne schon mal in bester Fischmanier am Haken. Nur eine holde Blonde darf sich des Geschenkes des Lebens erfreuen, nur um mit Schrecken festzustellen, dass sie nunmehr die Liebessklavin eines vegetierenden Bettpfannensatans ist und kaum eine Chance auf mildernde Umstände besteht.
Wie gesagt, "Halte deine Umwelt sauber!": Korrupte Politiker, Nutten, Drogenpusher und verwöhnte Promibratzen sind das Gesocks der Wahl, wenn es um die Zusammensetzung von Landis Opferreigen geht. Wer den Buddelwurf zu Filmbeginn zu verantworten hat wird nie aufgeklärt, spielt aber auch keine Rolle, weil es bei den gezeigten Unsympathen in jedem Fall den richtigen trifft. Zu jeder Gelegenheit wichst man sich hier gegenseitig an (methaphorisch!) und schafft erst ganz am Ende Ansätze von Kooperation, um dem körperlosen Schlächter zu entkommen. Dessen Auftauchen wird stets von Thereminklängen und grünem Nebel begleitet, aus dem ein paar anklagender Augen den Abzustrafenden aus der Zwischenwelt heraus entgegenstarrt: Wem sich die Klüsen der Totenbarke öffnen, der weiß, dass der Käpt'n bald ablegt!
Genau so verspielt wie unser Patrick, der seine Opfer im Modus operandi einer guten Hauskatze umherjagt, zeigt sich auch später Regisseur Landi: mit argentoesker Giallobeleuchtung wird ebenso wenig gegeizt wie mit Day for Night - Einstellungen a la De Ossorion. Für das Publikum, was höchst brav bis zu entsprechender Stelle durchgehalten hat spendiert einem der alte Lustmolch zudem eine Telekinesesexszene bis zum Orgeistmus. Schade, dass dieser nicht in einem aus dem Nichts hervorsprudelnden Ektoplasma - Cumshot endet, das wäre ein angemessen unangemessener Absch(l)uss des konfusen Aktes gewesen. Der Sinn der beckengymanstischen Trockenübung als Repräsentation von Patricks aufkeimenden entkörperten Gelüsten erschließt sich mir dennoch mehr als die Präsenz seiner nackten MitpatientInnen im Nebenraum, die gefühlt keinen anderen zweck erfüllen, als da zu sein. Als Lebendkatalysator für Pats Kräfte? Man darf munkeln, aber wozu auch?
"Patrick lebt!" ist wie ein Saunaaufguss mit Tollkirschöl: Die richtige Beneblung kommt erst noch! Nicht immer zum schlechten: Gerade auf Sacha Pitoéf, der zuvor unter Regie Dario Argentos als altersschwacher Antiquar in "Inferno" durch New York grandtelte wirkte die Schundkur hier wahre Wunder und ließ den frisch sechzigjährigen mal eben um zehn Jahre verjüngt erscheinen. Wem das Original zu konventionell war sollte sich selbst mit diesem Film entschädigen. Aber auch Fans des Originals können hier einen ungläubigen Blick riskieren und mit einem Grinsen im Gesicht feststellen, dass die juristisch sichere Schändung fremder Ideen eine wahre Kunst ist, die noch vor China und der Türkei in Italien zu wahrer Blüte kam. Wie bei allen Nachtschattengewächse sollte man beim Handtieren jedoch Handschuhe tragen, aber das sollte man bei filmischem Halbsiff ja ohnehin.