Visitor Q ist der letzte Teil einer Filmreihe über das Thema "Wahre Liebe". Sechs verschiedene Regisseure haben mit gleichem geringen Budget (insgesamt kostete die gesamte Filmreihe weniger als ein durchschnittlicher deutscher Fernsehfilm) ihre Interpretation dazu verfilmt. Was dabei Takashi Miike (dessen Filme ja alle mehr oder weniger grotesk sind) gemacht hat, kann man am Besten mit den Worten: abstossend, pervers, gewalttätig beschreiben. Da wird in Muttermilch gesuhlt, Leichen gefickt und dem Nachbarsjungen der Kopf aufgesägt...
Der seltsame Visitor Q erscheint wie ein vom Himmel Gesandter, der durch sein Eingreifen alles zum Guten wendet und die Familie wieder zusammenbringt.
Im Grunde ist der abgedrehte Film der Realität entwachsen. So ist z.B. die Verbrechensrate in Japan, unter Jugendlichen, in der letzten Jahren rapide angestiegen - als beispielhaften Fall kann man folgenden nennen: ein Junge bastelte eine Bombe aus Nägeln, Schrauben, Schiesspulver und einer Kaffeetasse, die er in einer Videothek hochgehen ließ. Als ihn die Polizei stellte, trug er eine Schrotflinte und sagte zur Polizei laut lokaler Presse "Dass er Menschenleben zerstören wolle ..."
Es scheibt so, als ob die ganze junge Generation gegen die alten, festen Traditionen rebelliert. Die Mädchen wollen nicht mehr die typische zurückhaltende, schüchterne Japanerin mit glattem schwarzen Haar und weissem Gesicht sein, die Jungen nicht auf eine hochqualifizierte Universität um dort zu studieren und am Ende einen langweiligen Job in einer großen Firma zu machen. Das typische harmonische und tradiotionsbewusste Familienleben hat sich total verändert. So ist Visitor Q nämlich ein zutiefst Japanischer Film, der die dortigen Probleme auf überzogenste Art und Weise karikatiert.
Empfehlenswert für die, die mal was "anderes" sehen wollen und vor nichts zurückschrecken ... für Fans von Miike sowieso Pflicht.