Vorstellungskraft ohne Grenzen
Zusammen mit „Labyrinth“ wohl meine allerliebste Fantasyrealfilmkindheitserinnerung - „Die unendliche Geschichte“! Aber weit mehr als nur eine feine Erinnerung, bei der vielleicht sogar eine rosarotes Brille benötigt wird. Nein, einfach ein sauguter Film. Punkt. Für Kinder. Für Erwachsene. Die ganze Familie. Werbung für Bücher. Werbung für's Kino. Werbung für die Fantasie und Kreativität an sich. Und das als deutsche Koproduktion- chapeau! Erzählt wird von dem zehnjährigen Bastian, der sich auf dem Dachboden in ein dickes, mysteriöses Buch vertieft - und dadurch Kontakt zu einer fantastischen und bedrohten Welt aufnimmt, die die meisten Vorstellungskräfte übersteigt und die seine Hilfe benötigt…
Da geht mein Herz auf!
Was Wolfgang Petersen hier auffährt ist auch heute noch der absolute Wahnsinn. Die Kostüme und der Soundtrack, die Fusion der zwei Erzählebenen, die vielen Wesen, Details und Schöpfung, die wundervolle kindliche Kaiserin als Unschuld und Reinheit in Person, die perfekte Lauflänge, der unvergessliche und treue Glücksdrache Fuchur, die düster-traurigen bis gar verstörend-traumatischen Momente - die Liste an Highlights in meinem Kopf und meinem Herzen findet hier kaum ein Ende! Das hätten Hollywoods größte Magier nicht besser hinbekommen können. Das braucht auch/gerade heute kein Remake. Das ist wohl der Film, auf den ich mich mit am meisten freue, ihn zum ersten Mal mit meinem Sohn zu gucken. Worte können nicht ausdrücken, was ich für „Die unendliche Geschichte“ empfinde. Und er hat sich sehr gut gehalten! Die Reise, das Abenteuer, die Bedrohung, alles was auf dem Spiel steht - es passt einfach, ein Rädchen greift in's nächste. Dagegen fallen die Fortsetzungen mächtig ab. Gerade als ich die 4K-Disc nun bestaunen durfte, stand mein Mund offen und ich war fast wieder Kind. Frischer und knackiger und schöner sah dieses Meisterwerk nie aus. Das kann auch richtig gefährlich und böse. Das kann Kinder auch mal an die Grenzen bringen. Aber es lohnt sich. Petersen hat sich damit für mich unsterblich und der literarischen Vorlage alle Ehre gemacht. Warum gebe ich nicht einfach die Höchstwertung? Weil aus heutiger Sicht einige Tiefschläge und prägende Momente doch nicht ganz den Impact aus der Erinnerung haben. Das versumpfende Pferd z.B. passiert schon dermaßen früh und schnell nachdem man Atreju und Artrax gefühlt gerade erst kennengelernt hat, dass ich mittlerweile natürlich nicht mehr so zerfließe wie damals. Außerdem hätte zwischendurch bei all den Kreaturen und Namen und Dingen und Prüfungen und Plotpoints auch mal die ein oder andere Verschnaufpause gut getan. Aber die gönnt Petersen uns und seiner zweitgrößten Schöpfung (nach „Das Boot“) nicht. Außerdem sind beide Kinderdarsteller jetzt nicht komplette Naturtalente. Aber das macht wenig. Denn ansonsten ist das damn near perfect.
Gib dem Nichts keine Chance!
Fazit: eine der fantasievollsten und schönsten Kindheitserinnerungen überhaupt - und ein klasse Abenteuer, Film, Technikwunder obendrauf. Vielleicht habe ich nichtmal eine Handvoll Filme in meinem Leben noch mehr ins Herz geschlossen… Petersen macht das hier größtenteils genauso gut wie es Spielberg auf seinem Zenit getan hätte. Sogar mit tollem europäischem Flair. „Die unendliche Geschichte“ ist magisch!