Nachdem ich gerade bei „Cruise into Terror“ miterleben musste, wie Satans Sohnemann in einem altägyptischen Kindersarg in der Karibik von einem Allstar-Cast gefunden wurde, kann ich auch gleich an Bord des nächsten Schiffes bleiben und widme mich einem anderen "ABC-Movie of the Week", allerdings schon vier Jahre älter als der Vorgänger, nämlich „Death Cruise“, einem kompakten Feierabend-Mysterykrimi aus der 70er-Kiste, als Columbo und Co noch Konjunktur hatten und man seine TV-Unterhaltung gern knifflig hatte.
Diesmal ist wirklich Traumschiff-Kreuzfahrtzeit und jubulös verabschieden sich hier drei Paare unterschiedlichster Couleur und Altersklasse in den wohlverdienten Seeurlaub de luxe. Wobei wohlverdient wohl etwas übertrieben ist, denn sie haben die Reise allesamt gewonnen, auch wenn keine der drei Parteien zu Beginn ahnt, dass es den anderen ähnlich geht. Klingeln da nicht schon die Alarmglocken?
Die Carters (Richard Long und Polly Bergen) haben sich sowieso nicht mehr so wahnsinnig viel zu sagen, denn offenbar hat er Jahrelang jedem verfügbaren Rock nachgejagt und sie kommentiert das eh nur noch gallig. Die Masons (Tom Bosley und Celeste Holm) haben die Kinder und die Enkelkinder eigentlich aus dem Haus, aber sie kann nicht loslassen. Kennt man ja. Als sie es dann doch kann, will er komplett loslassen, weil er seine Rolle als vollzogen ansieht, was natürlich die Ehe beschattet. Und das junge Paar Radney (Edward Albert und Kate Jackson) will es sich einfach nur mal gutgehen lassen, das kann man verstehen, 1974, da war sogar Kate Jackson noch heiß!
Nach allerlei Charaktereinführung fängt dann ein unbekannter Täter an, die Herrschaften – die auch noch an einem gemeinsamen Dinnertisch sitzen – eine/n nach dem anderen in die nächste Welt zu befördern, komplett mit Foto in POV-Shots, auf dem die Opfer durchgestrichen werden. Die ersten beiden Todesfälle könnten auch noch Unfälle sein, aber zum Glück haben wir einen Schiffsarzt, der auch noch Stand-In für den – natürlich – fehlenden Ermittler an Bord spielt und langsam aber sicher den Fall zusammen puzzelt.
Das ist jetzt natürlich jetzt nicht der Reißer im Halbdunkel, hält einen jenseits der 40 aber passabel bei der Stange, als klar wird, dass der Täter keine Verwandten kennt und eventuelle Sicherheitsmaßnahmen nicht funktionieren.
Wobei der Fall letztendlich gar nicht so schwer zu enträtseln ist, wenn man schon mal irgendwelche Krimis gesehen hat und bei Nebenfiguren etwas aufpasst, kann man sich da schon den Täter zusammenreimen, allerdings hat der Film auf die letzten 10-12 Minuten Minuten nicht nur eine faszinierende Erklärung für den Modus Operandi, sondern liefert auch noch ein paar Twists nach, die man sich rückblickend dann bestätigen lassen kann.
Mit den handelsüblichen 73 TV-Minuten ist da wenig überschüssiges Fett am Steak, wobei man manchen Charakteren noch etwas mehr Tiefe gewünscht hätte, vor allem Holm (immerhin eine Oscargewinnerin) und Bosley, die auch gut in eine Love-Boat-Episode gepasst hätten mit ihrem Ehekonflikt.
Charmant auch Michael Constantine als Doktor-Ermittler, den man viel zu selten außerhalb des TV sah (Constantine war der Windex-obsessive Brautvater in „My Big Fat Greek Wedding“, wenn der Name nicht sofort ein Gesicht liefern sollte).
Wer gern Closed-Space-Mysteries mag, kann sich an diesem Film der Woche gern versuchen, es ist keine große Kunst und auch nicht columbo-kompliziert, aber ist es ist gute Handwerksarbeit, selbst wenn das Finale am Strand vielleicht ein wenig statisch wirkt. (6/10 auf der TV-Skala.)