Walt Disneys "Bärenbrüder" gilt als Disneys letzter Kino-Zeichentrickfilm der klassischen Art. Während nämlich "Die Kühe sind los", der wirklich letzte gezeichnete Kino(!)-Film von Disney, eher eine durchgeknallte Slapstick-Nummer alla "Ein Königreich für ein Lama" darbot, besonn man sich bei den "Bärenbrüdern" noch einmal auf die guten alten Disney-Tradionen, die aus einer familienfreundlichen und fantasiereichen Geschichte, sprechenden Tieren, einer guten Moral, wunderbaren Liedern sowie feinem Witz bestanden und jeden Disney-Freak noch einmal genau da packen konnte, wo ein Disney-Film einen packen soll. Dennoch wurde der Film, alles in allem, ein Flop, der dem damaligen Disney-Chefidioten Michael Eisner nur in seiner Entscheidung, die Zeichentrickstudios von Disney zu schließen und nur noch auf 3D-Animationen zu setzen, unterstützte. Doch Eisner ist nicht mehr und viele seiner Entscheidungen wurden rückgängig gemacht, z. Bsp. belebte man die Zeichentrickstudios wenigstens für den DVD-Markt wieder. Und nun soll es, trotz Flop, auch "Bärenbrüder" zu einem Sequel schaffen, dass alles in allem 100% typische DtDVD Marke Disney bietet, wenn auch mit Schwächen.
Mit Schwächen die vor allem bei der Story liegen. Zwar sind Disney-Fortsetzung schon immer nicht sonderlich tiefgängig in ihrer Geschichte, doch bei "Bärenbrüder II" wird es nun regelrecht seicht. Die beiden "Bärenbrüder" Kenai und Koda bekommen es dieses mal mit den Frühlingsgefühlen zu tun, na zumindest Kenai. Denn dieser wird von seiner Kinderliebe Nita aufgesucht, die mit ihm zusammen ein magisches Amulett verbrennen muss, dass sie seit Kindesbeinen zusammenhält, und es ihr deshalb nicht erlaubt einen anderen zu Heiraten. Doch der immer noch verliebte Kenai sträubt sich dagegen und auch Nita erkennt irgendwann, dass sie noch etwas für den Indianer im (echten) Bärenkostüm übrig hat... Und so kommt alles wie es kommen muss, völlig überraschungsfrei, ohne wirkliche Gefahren und dieses mal sogar mit einer gehörigen Portion Kitsch. Für Kiddies ist dies ohne Frage keine Hürde, doch erwachsene Disney-Freaks vermissen doch das gewisse Etwas, was die Geschichte eines Disney-Films nun einmal ausmacht. Denn alles in allem bietet der Filminhalt absolut nichts Neues, sondern käut nur vieles wieder, was man so oder so ähnlich schon einmal irgendwo gesehen hat, bis hin zum vorhersehbaren Schluss. Da hätte, selbst bei einem DVD-Sequel, doch etwas mehr kommen können.
Aber nun gut, schiebt man die seichte Story mal bei Seite, dann kann man dennoch wieder viel Spaß mit den Bären und seinen Freunden haben. Die Abenteuer machen größtenteils Fun und vor allem die beiden dabschen Elche aus dem Vorgänger sind dieses mal präsenter denn je und fordern einem immer wieder dazu auf, die Lachmuskeln zu massieren. Wenn Benny und Björn zwei Elchdamen imponieren wollen und dabei natürlich in ein Fettnäpfchen nach dem Anderen treten, dann ist Spaß an jeder Ecke garantiert. Sogar auf einige schlüpfrige bzw. eindeutig zweideutige Gags wird nicht verzichtet, wenn sich die beiden Viecher über die "beiden großen Schaufeln der Torten" amüsieren und einer von ihnen später im Film zugibt, das er ein extremer Huf-Fetischist ist. Ich wette mal, dass an dieser Stelle die meisten der 3-6 jährigen Dropse vor der Glotze ihre Eltern fragen werden, was denn das eigentlich ist und diese sich dann um die Antwort spürbar drücken werden.;) Herrlich!
Was die Animationen angeht hat sich zum Vorgänger nicht viel geändert. Die Figuren sind wieder einmal astrein animiert worden und erinnern durchaus an die großen und wunderbaren Zeiten, als man bei Disney noch wirklich große Filme fürs Kino produziert hat. Der Hintergrund wirkt dagegen manchmal etwas steif und eine wirklich Interaktion zwischen Hintergrund und Figur besteht auch wieder nicht. Aber nun gut, dass ist man ja von Video-Produkten aus dem Haus mit der Maus schon gewohnt.
In Sachen Synchronisation sieht es allerdings wieder prächtig aus. Alle Figuren konnten wieder mit den Originalstimmen aus Teil eins bestückt werden, was sehr gut zur Atmosphäre beitragen kann. Im Gegensatz zu sonstigen Disney-Produkten wurde dieses mal zwar größtenteils auf prominente Sprecher verzichtet, was der Synchroqualität aber keinesfalls einen Abbruch tut, eher im Gegenteil. Im englischen Original kriegt man es dann mit größtenteils B-Miemen wie Mandy Moore, Patrick Dempsey und Michael Clarke Duncan zu tun, die ihre Sache aber allesamt auch sehr gut hinkriegen. Kurzum, ein Punkt an dem es absolut nichts zu meckern gibt.
Fazit: Auch "Bärenbrüder II" ist wieder ein typischer Disney-Video-Spaß für die ganze Familie geworden, der keinem Weh tut. Auch wenn die Geschichte dieses Mal wirklich sehr dünn und vorhersehbar ausgefallen ist, so macht das ganze Treiben doch wieder merklich viel Spaß, was, wie schon beim Vorgänger, vor allem an den beiden Elchbrüdern liegt, die wirklich für einen Brüller nach dem Anderen sorgen. Dazu eine soweit nette Arbeit aus der Animationsabteilung und eine perfekte Synchronisation. Auch wenn die Qualitäten der sonstigen DtDVD-Filmen meist nicht ganz erreicht werden (man denke nur an den wunderbaren zweiten Teil von "Ein Königreich für ein Lama"), so kann man es sich doch wieder mit seinen Kindern im Heimkino gemütlich machen. Nichts für die Ewigkeit und in Kürze auch sicher schon wieder vergessen, doch für die 70 Minuten Laufzeit ist gute Unterhaltung garantiert!
Wertung: 6,5/10 Punkte