Review

Ein Serienkiller und ein Schachspiel, dazu ein Cop mit Visionen und fertig ist das farblose Gemisch aus „Knight Moves“ und „Sieben“.
Mehr ist John Travoltas Bruder Joey an dieser Stelle nicht eingefallen und das merkt man dem Streifen in seiner recht lieblosen Inszenierung auch an.

Es geht um einen Copycat-Killer, der die Art seiner Morde dem soeben hingerichteten Vorbild entnimmt. Dabei hat er auf dem Stadtplan ein Schachbrett gezeichnet und spielt gegen die ermittelnden Cops Schach, indem der nächste Zug auf den folgenden Tatort hinweist. Seine Opfer sind Mörder und Schwerverbrecher, die aus Mangel an Beweisen nie verurteilt wurden. Cop Dan (Matt Schulze), der aufgrund seiner seherischen Fähigkeiten bereits den ersten Serienkiller dingfest machen konnte, wird hinzugezogen.

Da ruht sich einer so richtig auf den Lorbeeren guter bis durchschnittlicher Vorbilder aus und würfelt alles zu einer dünnen Suppe zusammen, die zwar einigermaßen schmeckt, aber so dünn ist, dass sie innerhalb kürzester Zeit durch den Urin wieder ausgeschieden und genauso schnell vergessen wird.
Während man bei „Knight Moves“ zumindest noch einen vagen Zusammenhang zum Schachspiel hatte (immerhin spielte Held C. Lambert einen meisterlichen Schachspieler), bietet das Spiel hier nur Oberflächlichkeiten ohne Bezug, immer mal wieder Zwischenschnitte einiger Züge auf dem Brett, ohne dass die Partie vom Zuschauer auch nur ansatzweise mitverfolgt werden könnte.

Ansonsten läuft alles nach bekanntem Schema ab: Frau vom Heldencop nörgelt und zickt, weil ihr Gatte beim letzten Einsatz so traumatisiert wurde und sie und (die natürlich kranke) Tochter vernachlässigte.
Alle Tatverdächtigen werden nach und nach ermordet, die Cops setzen prompt immer auf das falsche Feld und letztlich wird natürlich Cop-Gattin nebst Tochter entführt, wie es sich für einen wohlbekannten Showdown gehört.
Dazwischen ruft der Killer mit verstellter Stimme an, Seher Dan hat Visionen, die aber keine Hinweise liefern, eine Affäre mit einer Kollegin hatte er auch noch und seine Sonnenbrille nimmt er selbst in einer schummerigen Bar nicht ab.

Der Streifen setzt in Sachen Screentime ein paar richtig falsche Prioritäten, lässt Dans Familienleben zuviel Raum, bringt einen verschenkten Einsatz von David Carradine als neuen Vorgesetzten und zwei Verhöre, die überhaupt nicht zur Handlung beitragen.
Beim ersten ein gnadenloses Overacting von einem der Baldwins, für das er mit der goldenen Himbeere ebenso gnadenlos zugepflastert werden müsste und beim zweiten eine Nymphomanin, die ihren Sexpartner angeschossen hatte, weil der beim Liebesspiel zu rasch ejakulierte und vor den Cops gleich ihren Slip herunter streift, - für die DNA-Analyse.
Dass die nicht der Killer ist und nur für zusammenhangloses Herumsexen bezahlt wird, ist auch klar.

Etwas mehr Inhalt und Tempo stellt man erst gegen Ende fest, wenn man den vermummten Killer durch die Gänge eines Hotels verfolgt und der dann pfiffigerweise über die Dächer entkommen kann, weil zwei Cops zu blöd sind, diesen aus knapp 20 Metern Entfernung mit ihrer Knarre zu treffen.
Das Finale bietet ein wenig Anlass für empfundene Spannung, auch wenn die Identität des Killers bereits seit einer Viertelstunde geklärt ist, weil einfach keine Tatverdächtigen mehr übrig sind.

Mal davon abgesehen, dass Matt Schulze nicht die beste Wahl für die Rolle eines Cops mit seherischen Fähigkeiten ist, sind dessen Visionen rein visuell auch nicht gerade erbaulich.
Diese bestehen aus einem wilden Schnittgewitter in hellgrünen Farbfiltern eingebettet und bringen genauso wenig Schauwerte wie die Zwischenszenen vom Stadtverkehr, die in doppelter Geschwindigkeit ablaufen.
Zwar sind einige Sets angenehm düster und auch der musikalische Hintergrund fällt nicht unangenehm auf, doch atmosphärische Dichte kann das kaum hervorbringen.

Alles in allem ist „Final Move“ ein halbherziger B-Thriller, der sich zu keiner Zeit die Mühe gibt, mit überraschenden Wendungen innerhalb der Story oder visuellen Feinheiten innerhalb der Inszenierung zu punkten.
Kann man sich ansehen, langweilt auch nur selten, ist aber verschwendete Zeit, sofern man nicht nebenher mit anderen Dingen beschäftigt ist.
4 von 10

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