Die junge Susanne Wallner kehrt nach Kriegsende aus dem Konzentrationslager in die Stadt zurück. In ihrem einstigen Wohnhaus trifft sie nicht nur den alten Herrn Mondschein wieder (der auf ein Lebenszeichen seines Sohnes hofft und sich dabei von einem Wahrsager ausnehmen lässt), sondern muss sich auch mit Hans Mertens auseinandersetzen, einem traumatisierten Chirurgen, der sich in der Zwischenzeit in ihre Wohnung einquartiert hat.
Sie holt sich ihr Heim zurück, lässt aber Mertens aus Mitleid weiter bei sich wohnen (allen Gemurmels der Anwohner zum Trotze). Mit einer Menge Optimismus richtet sie die Wohnung wieder her und arbeitet an ihrer Karriere als Grafikerin; schliesslich gelingt es ihr sogar, Mertens Herz zu gewinnen. Dessen Kriegserlebnisse aber stellen die Liebe der beiden auf eine harte Probe, als Susanne einen Brief findet, den sein schwer verwundeter Vorgesetzter Mertens einst mitgegeben hat, um diesen seiner Frau zu übergeben.
Susanne bringt den Brief der angeschriebenen Frau Brückner, nur um festzustellen, dass der Verfasser den Krieg nun doch überlebt hat. Ein grosser Schock für Mertens, denn Brückner hat dazumal als Kommandant ein Massaker an Zivilisten befohlen, lebt jetzt aber anscheinend wieder glücklich bei seiner Familie, als ob nie etwas gewesen wäre, und führt gar schon wieder eine florierende Fabrik.
Getrieben von Schuldgefühlen, Gerechtigkeitsempfinden und Rachedurst versucht Mertens, Brückner zu erschiessen, wird bei einem ersten Versuch aber von einem medizinischen Notfall daran gehindert: Er rettet einem jungen Mädchen das Leben und überwindet dabei seine vom Krieg herrührende Angst davor, wieder Patienten zu behandeln. An Weihnachten aber, dem Jahrestag des erwähnten Kriegsverbrechens, macht sich Mertens gen Fabrik auf, um sein Vorhaben endlich in die Tat umzusetzen. Doch Susanne folgt ihm…
Als so ziemlich der erste deutsche Film nach Kriegsende, entstanden unter schwierigen Umständen in den Ruinen Berlins mithilfe der russischen Alliierten, ist DIE MÖRDER SIND UNTER UNS auch ein erster Vertreter des so genannten Trümmerfilms, in dem sich das deutsche Kino nach Kriegsende mit dem Dritten Reich und dem Krieg selber sowie deren Folgen für die körperliche und moralische Verfassung der Menschen beschäftigt. Die Idee zum Film kam Staudte (der in der NS-Zeit zunächst Mitglied der Reichfachschaft Film war und als Schauspieler sowie Regisseur arbeitete, bevor er in Ungnade fiel und sich bis Kriegsende versteckte) angeblich noch vor der Kapitulation Deutschlands, als er sich fragte, was wohl mit den Parteimitgliedern „danach“ geschehen würde.
Ganz wie im echten Leben macht hier Ferdinand Brückner, wunderbar spiessbürgerlich dargestellt von Theaterdarsteller Arno Paulsen (DIE BRÜCKE; LIANE, DAS MÄDCHEN AUS DEM URWALD), der hier seine Filmrolle übernahm, genau so weiter wie vorher, ohne dass er sein Gewissen von Schuld belastet wüsste: Es war ja Krieg, er hat nur getan, was nötig war. Wobei er nicht der einzige ist, der die Krieggeschehnisse einfach so hinter sich lässt: Die Menschen sind mit dem Wiederaufbau beschäftigt. In den Tanzlokalen zwischen den Trümmern tanzen die Mädchen und geht der Schnaps um, Daheim ist die Madame Hauswart wegen Susanne und Mertens, die zusammenleben, ohne verheiratet zu sein, um den guten Ruf des Hauses besorgt; Herr Mondschein repariert Brillen wie eh und je und selbst Susanne geht es darum, die Wohnung wieder so richtig wohnlich zu machen und ein altmodisches Weihnachtsfest zu feiern. (So gesehen wird der Film durchaus zu einem recht galligen Portrait der deutschen Nachkriegsgesellschaft.)
Nur Mertens kann den Krieg nicht vergessen, geht an seiner Schuld (er hat zwar gegen die angeordneten Erschiessungen protestiert, aber nicht wirklich was dagegen unternommen) fast zugrunde, so dass er Ablenkung bei den erwähnten Mädels in den Lokalen und beim Alkohol sucht, und zweifelt an jeder höheren Gerechtigkeit, als er sieht, wie problemlos Brückner mit seinen Taten durchkommt. Die Kehrtwende zum Schluss, die in der Erkenntnis mündet, dass Liebe über die Rache triumphiert und andere zu richten haben, ist den Vorgaben der unterstützenden russischen Besatzungsmacht geschuldet.
Stilistisch besinnt sich DIE MÖRDER SIND UNTER UNS auf den expressionistischen Film der Weimarerzeit zurück: Die Kamera steht öfters mal schräg in der Gegend rum, was (insbesondere im Verbund mit Kamerabewegungen) beim Zuschauer durchaus einen Anflug von Schwindel erzeugt, die Lichtführung spielt exzessiv mit Helligkeit und Dunkel (da sieht man schon mal bei einer Unterhaltung nur die Schatten der Gesprächspartner und im Gedächtnis bleibt beispielsweise, wie sich der von Mertens bedrohlich über Brückner legt, als er diesen mit der Waffe bedroht) und es gibt ein paar stark symbolhaltige Effektszenen (insbesondere der Schluss sei da erwähnt). Apropos Effekte: Es werden auch ab und zu ein paar Modelle eingesetzt, besonders begeistert hat mich da dieser Spielzeugpanzer, der durch ein kleines Städtchen pflügt.
Leider bewegt sich auch das Schauspiel von Ernst Wilhelm Borchert (DER STROM, SCHICKSAL AUS ZWEITER HAND; HUNDE, WOLLT IHR EWIG LEBEN) als Mertens und Hildegard Knef (letztere debütierte hier, trat später in DIE SÜNDERIN, THE SNOW OF KILIMANJARO, DIE DREIGROSCHENOPER oder LA CASA 4 auf) als Susanne in expressionistischen Bahnen, will heissen: Sie agieren ziemlich unnatürlich und eher theatralisch-gekünstelt, was dann öfters auch mal für unfreiwilligen Humor sorgt (man schaue sich nur die emotionalen Ausbrüche Borcherts an); liegt auch an den oft plakativen, gestelzten Dialogen.
Weitaus besser fahren da der erwähnte Arno Paulsen, Albert Johannes als grandios schmieriger Wahrsager oder Robert Frosch (DIE 999. NACHT, DIE DEGENHARDTS) als sympathischer Herr Mondschein.
Die Musik von Ernst Roters (DER BIBERPELZ, DIE GESCHICHTE VOM KLEINEN MUCK) ist manchmal ganz gewitzt (einen guten Eindruck macht gleich der Anfang, wenn Mertens durch die zerbombte Stadt flaniert und dazu Jazzmucke ertönt), trägt andererseits in manchen „Schockszenen“ derart dick auf, dass man sich ein Schmunzeln nicht verkneifen kann.
Fazit: DIE MÖRDER SIND UNTER UNS kommt oft etwas gar manieriert daher und insbesondere die Hauptdarsteller können nicht wirklich überzeugen, aber die Nebenrollen sind grandios besetzt, der neoexpressionistische Stil gefällt mir und eine spannende Geschichte hat das Ding ja auch zu bieten. Kein ganz grosses Meisterwerk, aber definitiv auf dem richtigen Weg.