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"Ich und mein Arschloch gehen in die Sneak!" Welcher Cineast kennt diesen Spruch nicht und sei es nur aus der Kolumne unseres ehrenwerten Moonshades, der sich ja seit einiger Zeit zu den so genannten "Sneakern" zählt. Ich persönlich habe von dieser Art Kino zu schauen allerdings noch nie allzu viel gehalten, will halt doch lieber wissen, was ich zu sehen bekomme. Vor kurzem habe ich mich nun allerdings doch dazu entschieden, mal eine Sneak zu besuchen, natürlich mit den größten Befürchtungen, irgend etwas Häßliches zu Gesicht zu bekommen. Doch ich sollte Glück behalten, auch wenn es auf den ersten Blick gar nicht so aussah. Denn ein zähneputzender Will Ferrell ließ erst einmal Ängste an eine Blödelklamotte aufkommen. Aber es war "Schräger als Fiktion", ein Film, der mit seinem äußerst cleveren Drehbuch für Jubelsprünge sorgen kann, welche allerdings von einem arg konstruierten Liebes- und Dramatikpart etwas gestört werden.

Streng genommen könnte man "Schräger als Fiktion" eigentlich in zwei unterschiedliche Hälften teilen und zwar in eine äußerst amüsante erste Hälfte und eine mitunter dramatische, sich leicht ziehende zweite Hälfte. Die Geschichte an sich begeistert aber von Anfang bis Ende. Es geht um den äußerst korrekt lebenden Steuereintreiber Harold Crick, welcher eigentlich ein streng durchgeplantes, ja wirklich minutiös durchgeführtes Leben bestreitet. Eines Tages hört er allerdings eine merkwürdige Stimme in seinem Kopf, welche sein Leben detailgenau zu kennen scheint, als würde sie es jemandem erzählen. Nach einiger Zeit schafft er es zwar diese Stimme zu ignorieren, doch als diese seinen künftigen Tod prophezeit, geht er der Sache doch nach und entdeckt etwas gar Sonderbares, was sein Leben für immer verändern wird... Auch wenn diese Inhaltsangabe jetzt vielleicht etwas befremdlich wirken mag, so ist die Story wirklich von vorne bis hinten äußerst clever ausgefallen und bietet durchaus Innovationen satt. Genauso wie die Hauptfigur, so kommt auch der Zuschauer nur langsam dem Treiben auf die Schliche, erlebt so einige Wendungen und Einfälle, die durchaus dem Hirn eines Charlie Kaufman entsprungen sein könnten. Referenzen an Filme wie "Adaption" sind jedenfalls mehr als auffällig und bieten dem Zuschauer wirklich ein durchdachtes Spiel bis zum Schluss. Leider aber hapert es doch hier und da an der Umsetzung.

Denn am Anfang hat man noch das Gefühl, in einer waschechten Komödie zu sitzen, die mal nicht mit Fäkalien- oder Blödelhumor aufwartet, sondern gekonnt und äußerst gewitzt, die Macken der Hauptfigur, die irgendwo aber wohl jeder überordentliche Mensch hat, dem Zuschauer vor Augen führt. Wenn Harold z. Bsp. haargenau die Bewegungen beim Zähne putzen zählt, sogar die Zeit stoppt, die er benötigt um seine Krawatte zuzubinden, dann ist Lachen einfach garantiert. Hier wird in keinster Weise mit dem Holzhammer geschwungen, denn dieser Lacher sind einfach echt und menschlicher, wie kaum in einem anderen Film, den uns Hollywood, in der letzten Zeit, so präsentiert hat.

Nach ungefähr der Hälfte führt der Film dann allerdings fast schon einen Bruch durch, und aus der netten Komödie, wird plötzlich ein durchaus gefühlvolles Drama, welches aber zu diesem Zeitpunkt so unerwartet und mit voller Wucht auf uns zu kommt, dass man ihm eine gewisse Konstruiertheit einfach nicht absprechen kann. Der Humor der ersten Hälfte blitzt nun nur noch selten auf und die Dramatik, des wohl bald sterbenden Hauptcharakers, nehmen unheimlich viel Platz ein. So viel, dass man sich dabei fast schon ein wenig beengt fühlt. Warum man hier nicht die lockere Atmosphäre der ersten Minuten übernehmen konnte, ist mir jedenfalls unklar. Das hätte man doch durchaus etwas besser lösen können. Zum Beispiel hätte man die Dramatik vielleicht schon irgendwo am Anfang mit einmischen sollen, dann wäre sie einem nicht so ruckartig und aufgesetzt rübergekommen, wie hier. Zumal sich der Film in diesen Szenen dann auch mitunter etwas zieht.

Wieder positiv anzurechnen ist dem Film allerdings, dass er bis zum Schluss eine gewisse Spannung aufrecht erhalten kann. Was mit Harold zum Ende hin passiert, interessiert einen doch irgendwie immer mehr, auch wenn man sich hier und da durch einige überlange Szenarios hindurchzwängen muss. Wenn auch das Ende dann nicht wirklich überrascht, so hinterlässt es ein wohlwollendes Gefühl, dass die Macher den dramatischen Teil dann doch noch in ein Feel-Good-Schluss enden lassen. Dem ein oder anderen hätte da vielleicht ein anderer Schluss besser gefallen, ich wahr nach all der Dramatik allerdings doch ein wenig erleichtert, dass man sich für dieses Ende entschieden hat, auch wenn ich mir durchaus denken kann, dass es noch ein alternatives Ende dazu gibt. Die DVD wirds zeigen.

Abschließend nun noch ein paar Worte zu den Darstellern, die mitunter für große Überraschungen sorgen konnten. Da wäre als erstes Will Ferrell, der es mit diesem Film nun endlich geschafft hat, von seinem Blödelimage wegzukommen und eine durchaus ernstzunehmende Figur macht, die zwar immer noch zum Schmunzeln einlädt, aber dennoch all die ungeahnten Qualitäten eines Ferrell an die Oberfläche bringt, die man von ihm vielleicht nie erwartet hätte. Dann Emma Thompson, die hier eine wirklich wunderbar zerzauste Schriftstellerin zum besten gibt, welche ebenfalls unheimlich viel Spaß macht, ohne den nötigen Ernst vermissen zu lassen. In Nebenrollen gibt es dann u.a. noch Queen Latifah sowie Maggie Gyllenhaal zu bestaunen und Dustin Hoffmann, der als Prof. Jules Hilbert (mein Nachname in einem Ami-Film? Ich glaubs ja nicht ;)) ebenfalls bestens unterhält. So hat man das gerne!

Fazit: Anfangs wunderbar witzig, später leider etwas bemüht dramatisch, so kann man "Schräger als Fiktion" wohl noch am besten bezeichnen. Auch wenn vor allem die clever ausgetüftelte und mit ungewöhnlichen Ideen nur so gespickte Geschichte, sowie der wunderbare Humor der ersten Filmhälfte, viel Freude bereiten kann, so bricht diese später dann leider mit einem Ruck ein und bietet abschließend, zumindest für einige Zeit, eine Dramakomponente, die nach diesem Start nicht nur unpassend wirkt, sondern mitunter auch arg konstruiert und langgezogen daherkommt. Das nette Ende kann dann allerdings wieder einiges gut machen und der Cast agiert durchgehend einfach sensationell gut. Somit also ein Film, den man sich durchaus anschauen sollte, vor allem wenn man auf Drehbücher der Marke Charlie Kaufman steht, sich dabei aber auch auf einige unpassend dramatische Eigenschaften einstellen sollte. Für meine erste Sneak war dies aber auf alle Fälle ein zufriedenstellendes Endergebnis!

Wertung: 6/10 Punkte

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