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Die Ironie des Tippschlags

Euch gefallen die Ideen von Charlie Kaufman ala "Vergiss mein nicht" oder "Being John Malkovich", aber ihr findet die Filme etwas zu Arthouse & verkopft? Kein Problem - mit dieser poppigeren, bunteren & seichteren Dramödie um einen durchschnittlichen Steuerangestellten, der nicht nur feststellt, dass er ein fiktionaler Charakter zu sein scheint sondern dass seine Autorin für ihn auch den Tod vorgesehen hat, trifft eine künstlerisch wertvolle/geniale Idee auf eine erstaunlich zugängliche Umsetzung. Will Ferrell spielt den verklemmten Beamten, der in eine Mischung aus Panik & Aufblühen verfällt, so sympathisch & überraschend nuanciert, dass selbst seine Kritiker hier nur Respekt zollen können. Die amerikanische Comedylegende übertreibt es hier nie, verleiht der etwas außerweltlichen Figur sogar Bodenhaftung & Emotionen, die jeder von uns kennt. 

Die tolle & ungewohnte Performance des Herrn Ferrell & die augenzwinkernde, fantastische Grundidee (Fiktion & Realität verschwimmen) sind aber bei weitem noch nicht alles, was dieses gedankenanregende Werk auszeichnen. Das gesamte Ensemble an Schauspielern ist klasse & eine abwechslungsreiche Truppe. Egal ob Emma Thompson als Schriftstellerin mit Schreibblockade, Dustin Hoffman als quirliger Professor/Psychologe oder Magie Gyllenhall als untypisch-rebellischer Schwarm bzw. Love Interest. Nicht nur der gesamte Film wirkt etwas neben der Spur, jedoch jederzeit herzlich, sondern auch sein Look ist gezielt artifiziell & studiolike. Besonders die gerade zu Beginn oft eingesetzten CGI-Einblendungen, zur Erklärung von alltäglichen, langweiligen Dingen im Leben des doppelten Protagonisten, gefielen mir & erinnerten an Comics. 

"Schräger als Fiktion" ist ein Thinker für Lover. Ein cleverer Film für herzliche Zuschauer - oder andersrum. So oder so kann man ihn eigentlich nur mögen - in den meisten Fällen wird er sich sogar als handfeste, positive Überraschung entpuppen. Kaufman in etwas dumm ist halt immer noch schlau genug. Einzig & allein die Chemie zwischen Ferrell & seiner neuen Liebe im Film passt für mich nicht immer oder ist zumindest gewöhnungsbedürftig. Das Ende ist ein Happy End mit Ansage & Kommentar, wodurch sich der Film fast selbst bewusst ist, dass ein so positives Ende vielleicht künstlerisch nicht der beste Zug ist. Dafür aber emotional umso mehr - und egal wie verkopft die Idee auch ist, so sind es hier die Gefühle wie Liebe, Mut & Freude, die im Kern leuchten. Tragisch, komisch, romantisch, fantastisch, realistisch, chaotisch, steril, charmant, herzlich & voll psychologischer Deutungsansätze. Vielseitig & zeitlos wie ein Wunderwürfel.

Fazit: Charlie Kaufman für Jedermann - oder einfach nur ein sonderbarer aber äußerst sympathischer Feel-Good-Geheimtipp!

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