Battle Royale könnte auch gut und gerne als Hardcore-Variante von Takeshis Castle oder mit dem Titel 42 kleine Japanerlein durchgehen. Die Grundidee, mit einem Film in Japan für einen Skandal zu sorgen, führte durch Regisseur Kinji Fukasaku (Double Cross) zu einem brauchbaren Metzelstreifen, der trotz seiner eher schlichten Sicht auf die Bestie im Menschen und der nur am Anfang satirischen Grundstimmung, gut unterhalten kann, wenngleich reichlich Teenie-Klischees sowie GZSZ-Gehabe für Lückenfüller zwischen den blut- und bleihaltigen Momenten herhalten müssen. Insgesamt aber ein kompromissloses Schlachtfilmchen, was man sich in dieser Form in der westlichen Welt wohl nicht erlauben dürfte.
Japan, Ende drittes Jahrtausend. An den Schulen herrscht das Prinzip der rohen Gewalt. Um die randalierenden Schüler zur Raison zu bringen, sieht sich der Staat gezwungen, ein Exempel zu statuieren: Das "Battle Royale", das "Spiel auf Leben und Tod" findet auf einer abgelegenen Insel statt. Die Regeln in dieser königlichen Schlacht sind einfach, aber gnadenlos: Jeder Schüler wird mit Proviant, einer tödlichen Waffe sowie einem Halsband mit integriertem Sprengsatz ausgerüstet. Drei Tage haben sie nun Zeit, sich gegenseitig umzubringen. Niemand kann von der Insel entkommen. Und so nimmt ein grauenvolles Abschlachten seinen Lauf. Denn die Losung lautet: Wenn wirklich mehr als einer aus ihrer Gruppe überleben sollte, dann werden sie alle in die Luft gesprengt.
Bei einer Anzahl von mehr als 42 Protagonisten bleibt der Großteil natürlich nur als Kanonenfutter übrig, da man sich hier auf zwei bis drei Hauptfiguren beschränkt. Zum einen haben wir da ein angehendes Pärchen, das von Tatsuya Fujiwara (Persona) und Aki Maeda (Godzilla, Mothra & King Gidorah: Giant Monsters All - Out Attack) verkörpert wird. Beide agieren im Rahmen ihrer Möglichkeiten und machen dabei keinen schlechten Job. Numero Drei wäre der von Taro Yamamoto (Red Moon) dargestellte BR-Veteran Kawada, der von dem Headtrio noch am charismatischsten wegkommt. Nicht weiter auffallend, aber ein bekannteres Gesicht stellt dann noch Chiaki Kuriyama (Kill Bill Vol.1) da. Zum Schluss ist da noch der berühmte Takeshi Kitano (Vernetzt) als BR-Leiter und ehemaliger Lehrer der auserwählten Klasse. Seine Figur erhält zwar nur am Rande etwas Tiefe, doch er erfahrene Darsteller weiß auch aus dieser Rolle noch das Beste herauszuholen.
Der Hauptbrennpunkt bei Battle Royale liegt an sich natürlich bei der Abmetzelorgie. Da wird sich mit Stich- und Schnittwerkzeugen gegenseitig gemeuchelt, oder auch mal größere Kaliber wie die Uzi oder Schrotflinte ausgepackt. Dabei ufert der Streifen kaum in übertriebene Sterbesequenzen aus, sondern zieht das Szenario in dieser Hinsicht recht realistisch über die Bühne. Der Blutgehalt könnte ohne weiteres dem Teehausmassaker aus Kill Bill Vol.1 Konkurrenz machen. Nur fliegen hier nicht so viele Körperteile durch die Gegend, da es überwiegend bei tödlichen Schuss-, Stich- und Schnittwunden bleibt. Somit entfernt sich Battle Royale auch wieder gleichzeitig vom Tarantino-Streifen, da dessen übertriebene Art des Abschlachtens hier nicht stattfindet. Hinzu kommen noch zwei, drei durch Handgranaten und Gasflasche verursachte Explosionen, wovon eine dann auch für einen feurig-infernalen Showdown mit einem freiwilligen Psycho-Killer unter den Schülern sorgt, der auch mal ganze Cliquen mit der Uzi niedermäht um diese Battle Royale der Extreme zu gewinnen. Hinzu kommt noch der kompromisslose Umgang miteinander, da sogar vor der eigentlichen Schlacht schon undisziplinierte Teilnehmer während der Einführung entsorgt werden.
In besagter Einführung der Klasse in das BR-Szenario kommt überwiegend der satirische Ton zum Einsatz, wenn eine überdrehte Moderatorin die Regeln und Begebenheiten der Veranstaltung erklärt. Diesen Ton kann der Film dann aber nur halt während dieser ersten Minuten und durch Kitanos Dialoge beibehalten. Handlungstechnisch gesehen ist Battle Royale alles andere als ein großer Wurf in der Filmgeschichte. Mehr oder weniger wird sich nämlich nur gegenseitig das Licht ausgeknipst. Gefüllt wird das blutige Treiben noch mit emotionalen Sequenzen in übelster GZSZ- & Verbotene Liebe-Manier. Bevor man in die ewigen Jagdgründe abdampft will man seiner Angebetenen ja noch seine Liebe gestehen und anderer für die Handlung unnützer Bullshit tritt da zu Tage. Anfängliche Zickenkriege enden im Blutbad, Verbündete ballern sich nach einen fatalen Missverständniss über den Haufen und man misstraut sich selbstverständlich wo man nur kann. Denn wie beim Highlander gilt hier das Gesetz: Es kann nur einen geben! Aber genau wie in dessen Filmreihe wird diese Regel gegen Ende auch hier rasch zu Grabe getragen. Ansonsten muss darauf geachtet werden, sich nicht in der falschen Zone aufzuhalten und dem Herrn Kitano schön bei seinen eifrigen Durchsagen zu lauschen. Der verkündet nämlich in geregelten Abständen nicht nur die Danger Zones, sondern wer auch aktuell so ins Gras gebissen hat.
Was die Atmosphäre betrifft, kann Battle Royale sein größtes Potential aus der Inselumgebung und dem harten Ton, der hier vorherrscht, gewinnen. Als Location kann die Insel auch gut funktionieren, da sie wesentlich mehr Raum bietet als irgendwelche stillgelegten Militäreinrichtungen. Bezüglich der Spannung kann das gegenseitige Misstrauen der Protagonisten und die Frage nach The Onley One für gewissen Thrill sorgen, wenngleich sich schnell herauskristallisiert, wer diese Überlebensschlacht nicht im Leichensack verlassen wird.
Im Endeffekt ist Battle Royale zwar nicht das skandalöse und weltbewegende Filmchen, was er sein will, aber unterhaltsames sowie schlichtes Futter für Actionfans härterer Kost.