Es ist ja eigentlich fast verständlich, dass es "Battle Royale" ziemlich schwer haben wird, in Deutschland und noch dazu in voller Länge zu erscheinen. Zumal jeder Schnitt dieses Meisterwerk ein bisschen mehr zerstören würde, da der Sinn so völlig verloren geht. Wenn man bedenkt, welch Filme hier in Deutschland beschlagnahmt worden sind und werden, dann ist es kein Wunder, dass "Battle Royale" keine Chance auf eine Veröffentlichung in diesem Lande hat.
Denn das Tabu, das so gut wie jeder Film, ist er noch so abartig, brutal und abstoßend, beibehält, bricht "Battle Royale". Kinder und Jugendliche haben hier keine Chance. In Japan wächst die Arbeitslosenzahl erheblich, nicht zuletzt aufgrund der ausufernden Gewalt an den Schulen. Viele Schüler halten sich nämlich ganz vom Unterricht fern. Deswegen schreitet die Regierung ein und veranstaltet jedes Schuljahr auf einer verlassenen Insel einen Wettbewerb, in dem sich Jugendliche gegenseitig niedermetzeln müssen. In diesem Wettbewerb findet sich bald eine 9. Klasse wieder, die eigentlich nur einen ganz normalen Ausflug mit dem Bus machen wollte. Doch sie werden mit Gas in Ohnmacht versetzt und als sie aufwachen, befinden sie sich in einer alten Schule und alle 42 Schülerinnen und Schüler haben ein Band um den Hals, das nach dem Ultimatum, das in 3 Tagen ist, explodiert, sofern mehr als einer den "Battle Royale" überlebt. Ihr Lehrer, Kitano, weist sie auf die Regeln und das Wesen des "Battle Royale" hin. Jeder Schüler bekommt Verpflegung und eine Waffe und die Schlacht kann beginnen.
Noch nie habe ich einen provokanteren, depremierenden und zynischen Film gesehen als "Battle Royale". Ähnlich wie in "Clockwerk Orange" werden manch blutige und brutale Szenen mit schöner klassischen Musik unterlegt, diese Szenen stehen im völligen Kontrast zueinander und es ist schwer, sie zu verdauen. Zusätzlich wird nach jedem Opfer die Zahl der noch lebenden Schüler angezeigt und der oder die Name des oder der Gefallenen. Noch dazu kommt, dass Abblenden in "Battle Royale" auch ein Fremdwort ist, d.h. der Zuschauer wird keine Sekunde verschont. In Großaufnahme metzeln sich die Kinder und Jugendlichen nieder, sei es mit der Axt, der Pump-Gun, dem Messer,...
Der ganze Film ist recht dunkel gehalten, selten gibt es einen Sonnenstrahl zu sehen. "Battle Royale" wird dadurch zudem noch düsterer, noch verstörender und noch schockierender. Wer schon nach den ersten Minuten geschockt ist und sich überlegt, sich den Film weiter zu schauen, soll am Besten gleich die Stop-Taste drücken, denn das Gemetzel zieht sich wirklich durch den ganzen Film.
Es ist traurig und niederstoßend, mitansehen zu müssen, wie aus Freunden Feinde werden, wie jeder Einzelne nur noch um sein Wohl kämpft und zumeist das des Nächsten enorm vernachlässigt, indem er es mit einer Maschinengewehr-Salve oder ähnlichem für immer beendet. Das Schlimme daran ist, es ist nur natürlich, so gut wie jeder würde in solch einer Situation wahrscheinlich so handeln, in Anbetracht dessen, dass nur eine Person überleben kann. Schüler, die ich früher noch vertragen haben, können einander nicht mehr vertrauen, nicht wissend, was der andere vorhat. Auch sonst kommt jede Art von Emotion in "Battle Royale" zum Vorschein. Egal ob Hass, Liebe, Eifersucht, Neid, Rache, es gibt alles zu sehen. Alles, was in der normalen Gesellschaft vorkommt, wird in "Battle Royale" exzessiv ausgelebt.
Es ist einer dieser Filme, die wirklich zum Nachdenken anregen und wirklich die nächste Zeit niederreißen, sofern man ihn verstanden hat. Es ist natürlich nachvollziehbar, dass "Battle Royale" in Deutschland nie erscheinen wird, aber auch nur deswegen, weil er im Vergleich zu bereits beschlagnahmten Filmen noch brisanter und kritischer ist. Der Unterschied zwischen diesen und "Battle Royale" ist jedoch der, dass letzterer realistisch, sozialkritisch ist und vor allem Gewalt nicht verherrlicht. Denn keine einzige Mordszene ist selbstzweckhaft, durch die Morde, die Art, wie sie geschehen und die explizite Darstellung dieser, wird nur das verdeutlicht, was eigentlich Fakt ist.
Es stimmt auch, dass "Battle Royale" jeder gesehen haben sollte, wie viele ihn aber vertragen, verstehen und ihn nicht als Schund abstempeln werden, bleibt jedoch ungewiss und fraglich. Der Film ist ein modernes Meisterwerk, das einfach schonungslos, wie es hauptsächlich in der japanischen Gesellschaft aussieht. Aber auch andere Länder können sich angesprochen fühlen. Ich bin zwar ein absoluter Fan von Splatterfilmen, aber ich kann wirklich nicht verstehen, wieso dann solch bedeutende und wichtige Werke wie "Battle Royale" in Deutschland einfach unberücksichtigt bleiben.
Wer die Möglichkeit bekommt, sich den Film anzusehen, soll und muss es tun, er ist ein Stück Filmgeschichte. Man sollte nur wissen, richtig damit umzugehen! 10/10 Punkte!!