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42 Schüler der 9. Klasse einer japanischen High School finden sich nach einem Schulausflug auf einer entlegenen Insel wieder, die von ihrem gehassten Klassenlehrer und einer Militäreskorte beaufsichtigt wird. Ihr Lehrer zwingt die Schüler zu einem sarkastisches Spiel, dem sogenannten "Battle Royale", wonach jeder Schüler mit einem dürftig ausgestatteten Survival-Pack, einem Überwachungshalsband und einer Waffe in der Hand an einem tödlichen Kampf nach dem Prinzip "Jeder gegen jeden" teilnehmen muss. Es geht darum, dass dabei nur einer überleben kann, der Rest stirbt.

Das tödliche Spiel nimmt seinen Lauf: Manche Schüler versuchen dem Wahnsinn durch Selbstmord zu entkommen, manche verhalten sich wie Einzelkämpfer, andere hingegen versuchen kleine Gruppen zu bilden, um sich gegenseitig Schutz zu bieten. Doch die mörderische Eigendynamik fordert ihren Preis: Der individuelle Überlebenskampf erzeugt Angst und Misstrauen unter den Schülern, die jegliche Freundschaft und Solidarität im Keim ersticken. Nach und nach lässt in dem grausamen Spiel ein Schüler nach dem anderen sein Leben...

Nun, bei "Battle Royale" erging es mir ähnlich wie bei Pasolinis "Saló": Was auf den ersten Blick hin wie eine sinnlose Gewaltorgie zwischen jungen Menschen anmutet, die durch eine erzwungene Autorität dahingemetzelt werden, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als eine überaus tiefsinnige Parabel auf die konkurrenz- und leistungsorientierte Gesellschaft wie sie in Japan im Besonderen ausgeprägt ist. Der allgegenwärtige Leistungsdruck, verbunden mit dem Drang, immer zu den Besten gehören zu müssen und niemals verlieren zu dürfen, erzeugt ein Gesellschaftbild, das Begriffe wie Vertrauen, Freundschaft oder gar Solidarität nicht mehr kennt. Der "Kampf jeder gegen jeden" trifft die Schwächsten zuerst und die Stärksten zuletzt. Bemerkenswert ist die dabei entstehende Gruppendynamik, die den wahren Charakter jedes einzelnen im Angesicht des Überlebenskampfes zum Vorschein bringt: Hier zeigt sich, wer sofort aufgibt, wer lange Ellbogen hat und wer dennoch Mut zur Zivilcourage hat.

Fazit: Regisseur Kinji Fukasaku ist mit "Battle Royale" eine sehr gewaltträchtige, kontrovers diskutierte, aber zutiefst zutreffende Parabel auf die neoliberale Konkurrenzgesellschaft gelungen, die zum Nachdenken anregt bzw. anregen sollte.

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