Well, we got no choice
All the girls and boys
Makin' all that noise
Cause they found new toys
School’s out for Summer
School's out FOREVER !!!
-Alice Cooper
Nun, amerikanische Schüler haben’s ja schon nicht einfach. Wenn ihnen nicht gerade jemand ins Bier wichst oder sie nicht gerade entsetzt feststellen müssen, dass das gehänselte hässliche Entlein der Schule ohne Brille wie ein Topmodell aussieht, dann ist ihnen meist ein (lächerlicher) Killer in einem (lächerlichen) Kostüm mit (...) Maske und (...) Motiven auf den Versen. Ach ja, Filmschüler in den USA zu sein ist schlimm....
Dass es aber auch noch schlimmer sein kann beweißt uns der neue Psychothriller/Slasher-Werk aus Japan, dem Land des Lächelns, namens „Battle Royale“ (Nur einer kann Überleben). Kurz zur Geschichte: Japan in nicht allzu ferner Zukunft. Hohe Arbeitslosigkeit und zerfallene Sozialstrukturen haben die Jugend aufgebracht. Den Unterricht schwänzt so ziemlich jeder, gewaltsame Übergriffe gegen Lehrer sind an der Tagesordnung. Daher entscheidet die (faschistische) Regierung, dass man eine Abschreckung braucht. So entsteht das Battle Royale-Gesetz, das besagt, dass jedes Jahr eine „rein zufällig“ ausgewählte Schulklasse auf eine Insel verfrachtet werden soll, um sich dort in einer drei Tage dauernden Schlacht gegenseitig umzubringen. Wenn es nach drei Tagen keinen eindeutigen Gewinner gibt, werden ALLE Überlebenden getötet.
Die Klasse, die dieses Jahr ausgewählt wurde, hat es besonders bunt getrieben. Ihr ehemaliger Lehrer, der vor zwei Jahren im Gang niedergestochen wurde, wurde dann auch mit der Leitung der BR betraut.
Was dann beginnt, wirkt anfangs wie eine überspitzte Satire auf „Takeshi’s Castle“ und andere Reality-Shows, auf die die Japaner so scharf sind. Und diesen faden Beigeschmack wird der Film auch nicht so leicht los, zumal man immer mal wieder lachen kann über die diversen Todesarten der Schüler. In dieser Hinsicht ähnelt der Film stark Final Destination, denn auch hier hat man nur wenige Sympathieträger, mit denen man wirklich mitfiebert, vielleicht auch deshalb, weil für uns Europäer die Schüler alle irgendwie gleich aussehen, zumal sie auch noch alle Schuluniformen tragen.
Das der Film aber auch ernstere Töne hat, merkt man alleine schon an den dargestellten Reaktionen der Schüler. Während die einen nicht zu Mördern werden wollen, und freiwillig aus dem Spiel aussteigen (per Selbstmord, versteht sich), verbünden sich andere oder fangen an ihre Bewacher (Erwachsene Soldaten mit einem Hightech-HQ in der Mitte der Insel) anzugreifen. Ganz besonders cool kommen natürlich die Bösen rüber: Zum einen ein echt scharf aussehendes Girli, dass die Kerle mit ihren weiblichen Reizen anlockt, und zum anderen ein schwarzgekleideter Unbekannter, der sich freiwillig zu dem Spiel gemeldet hat und mit einer (dem 5.1 Sound sei Dank) verdammt lauten Uzi die Reihen seiner Kommilitonen lichtet.
Gut, hin und wieder nervt die ganze rumflirterei, denn anscheinend ist jeder auf jeden scharf – andererseits sorgt das auch für einige der heitertsten Momente des Films, wenn z.B. ein Junge von genau dem Mädchen abgeschossen wird, in dass er Zeit seines Lebens verliebt war usw...
Lasst mich noch einen Moment über die Musik sprechen: Mit Absicht hat man eine Menge deutscher und österreicherischer Marschmusik als Soundtrack gewählt (z.B. Radezkimarsch), was zum einen zynisch-ironisch klingt, andererseits –so schlimm das jetzt auch klingen mag- einen Hauch von KZ-Atmosphäre auf die BR-Insel zaubert.
Also summa summarum ist der Film ganz unterhaltsam ... ja, bis es halt zum unvermeidlichen Schluss kommt... und um ein Last Man Standing zu vermeiden (was ja normal wäre und den Zuschauer enttäsucht hätte, gleichzeitig aber auch in den ernüchternden Grundton des Films passen würde...) hat man ein verwirrederes, auf Rückblenden basierende Ende gewählt, dass einen mit nicht nachvollziehbaren Wendungen, Wasserpistolen, die plötzlich Patronen schießen und wandelnden Toten ziemlich enttäuscht. Mich zumindestens.
Noch ein Wort zur deutschen Fassung: Überraschenderweise haben es die deutschen „Behörden“ nicht übers Herz gebracht, den Film auf den Index zu setzen (und hey, das gerade mal ein Jahr nach dem Event in Erfurt und nur kurz nach dem Intermezzo von Coburg!). Immerhin musste man den Film noch um 8 Minuten erleichtern, aber im Gegensatz zu anderen Verschnitten, kann man hier in der Videothek noch unbesorgt zugreifen.
Fazit: Ein bemerkenswerter Film, der frischen Wind ins Genre bringt, der aber leider an dem miesen Ende krankt und an der Tatsache, dass er sich nicht zwischen Satire und Drama entscheiden kann.