Review

Ein moderner, Blut speiender Klassiker, wie er nur aus Japan kommen konnte

"Battle Royale" ist in vielen Ländern der Welt verboten - ich finde ihn nur verboten gut. So gut, dass ich ihn mir jederzeit gerne wieder angucke & es mich traurig macht, dass ihn die ganzen "Hunger Games"-Fans nicht kennen. Immerhin ist er das große, in allen Belangen überlegene Vorbild der Saga um Katniss & Co. In "Battle Royale" wird eine Schulklasse für das alljährliche Auswahlverfahren bzw. Battle Royale ausgewählt - Last Student Standing, jeder gegen jeden, mit tödlichen Waffen auf einem vielseitigen Gelände. Nicht nur der Kampf bis in den Tod gegen deine besten Freunde verstört nachhaltig - eigentlich alles in diesem harten Todesspiel bleibt im Gedächtnis. Schock & schwarzer Humor, Gewalt & Coming-of-Age, Sozialkritik & Actionfilm - hier stimmt der Mix perfekt. So übertrieben blutig & aus Sicht unserer Jugendschützer jugendgefährdend, nur in Asien möglich. Schneller wurde selten ein Film zum Kult & "Battle Royale" ist nicht nur in Quentin Tarantinos All-Time-Bestenliste. Einer der Toptitel seit der Jahrtausendwende. 

Der Alptraum aller Teenager liegt hier ganz nah an Gewaltfantasien & sexuellem Erwachen eben jener. Ein Film, der einen prägt, vor allem wenn man ihn in einem ähnlichen Alter zum ersten Mal sieht, in dem seine Protagonisten sind. Bizarr, surreal & dystopisch, doch trotz comicartiger Gewalt keinesfalls herz- oder substanzlos. Ein wilder, mutiger Genremix, der definitiv die Jahrzehnte überdauern wird & sogar noch reift. Jungdarsteller, die durch Naivität, Charisma & Coolness zu Asia-Superstars heranreifen sollten & deren Gesichter bei einem bleiben. Die ganze Idee ist so episch & abgefuckt, so rigoros & drastisch umgesetzt, dass man vor Regisseur Kinji Fukasaku den Hut mehrmals ziehen muss. Mit diesem Highschool-Massaker Deluxe schuf er etwas Einzigartiges, woran sogar die direkte Fortsetzung nicht ansatzweise herankam, geschweige denn die etlichen weltweiten Adaptionen wie eben die "Panem"-Saga. 

Alle Jahre wieder, kommt aus fernöstlichen Gefilden ein Film, mit gravierenden Auswirkungen auf die komplette (Film-)Welt. Auf jeden Zuschauer, jeden Regisseur & jeden Fan-in-the-Making. "BR" ist so eine zeitlose Granate, für dessen Verehrung man noch nichtmal Eastern besonders mögen muss. Sehr sehr nahe an einem perfekten Film & ebenso an meiner Top 10 der Lieblingsfilme. Wie ein filmgewordener Manga, der pikante Fragen aufwirft - zur Gesellschaft, zur menschlichen Natur, der Moral & Gewalt an Schulen wie sich. Extrem clevere Sci-Fi, getarnt als Violent Shit. Besser geht es kaum, unterhaltsamer vor allem nicht, trotz nicht allzu knapper Laufzeit. Über das Finale kann man streiten, doch allein die Jugendlichen, die auf einmal zu absoluten Killern & Monstern werden, oder die komplette Ausrüstungsszene, sind zum Zungeschnalzen. Von Takeshi Kitano bis zum jungen Tatsuya Fujiwara, von den explodierende Halsbändern bis zu meuchelmordenden Lolita - ganz großes, perverse Kino!

Fazit: lasst die Spiele beginnen - blutiger als alle Nachahmer & seiner Zeit weit voraus. Kinji Fukasakus brutaler Geniestreich ist ein erbarmungsloser Klassiker des Asiakinos, der die Hungerspiele wie einen Kindergeburtstag im Bällebad erscheinen lässt. 

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