Review

Als Genrefilm verdient Minotaurus durchaus eine leicht überdurchschnittliche Bewertung (6.5 Punkte), nicht zuletzt aufgrund einigen durchaus ansehnlichen Schauwerten. Während das Decor der wenigen Locations eher spärlich ausgefallen ist (insbesondere das Labyrinth, mit seinen Pappmaché-artigen Höhlenwänden, wie man sie eher aus TV-Serien kennt), so hat man an anderer Stelle viel Wert auf Details gelegt (man beachte z.B. die schlechten Zähne und die schmutzigen Fingernägel der Protagonisten). Die Ausstattung ist bisweilen schlicht, aber seriös und daher nichtsdestrotrotz wirkungsvoll: von prätentiösem Kasperltheater, wie in den US Nachmittags-Fantasy-Serien im Privatfernsehen, hat man gottseidank weitgehend Abstand genommen.

Überhaupt nimmt sich "Minotaurus" von Anfang bis zum Ende sehr ernst, was für mich ein klarer Pluspunkt darstellt, da dies der düsteren Dramatik weitaus besser zu Gesicht steht, als der unsägliche, unlustige Humor vergleichbarer Produktionen (welcher selbst einen Referenzfilm des Genres, wie etwa "Conan der Zerstörer", in seinem Gesamteindruck deutlich nach unten zieht!), ein Klamauk, der dann oft auch noch als Selbstironie verstanden werden will. Insbesondere die Dialoge kommen fast ohne Ausnahme unpeinlich rüber, d.h. vor allem ohne pseudo-coole Modernismen. Auch wenn es um die Historizität des Films (zum Beispiel im Vergleich zur literarischen Vorlage) eher nicht so toll bestellt ist, so sollte gerade dies den Zuschauer nicht weiters stören, da es sich ja schließlich um einen Fantasyfilm, also reine Fiktion handelt. Warum also den Film einem Anspruch unterziehen, welcher bei der Produktion gar nicht erst erhoben wurde?

Die Mimen sind natürlich alles andere als oskarverdächtige Charakterdarsteller, aber das mag auch z.T. am Drehbuch liegen, welches stellenweise etwas dünn erscheint und dann für gewisse Längen sorgt. Insgesamt hält sich die Spannung doch arg in Grenzen, was für einen klaren Punktabzug sorgt. Dafür ist der Gesamteindruck dann aber wieder sehr stimmig und atmosphärisch geraten. Der Minotaurus ist sehr gut und imposant gelungen. Auch wirken die Charaktere nicht wie Schauspieler aus dem 21. Jahrhundert, denen man historische Kostüme angezogen hat, sondern von wenigen Ausnahmen abgesehen, überzeugen sie in ihrer Darstellung als antike Menschen (in einer Fantasy Welt). Lediglich beim bösen Oberpriester hat man dann aber doch etwas zu dick aufgetragen, denn gewisse Details an ihm wirken eher kitschig und "unecht" in ihrer Gothic-mäßigen Ästhetik.

Wer also kein ausgesprochener Fantasy-Liebhaber ist (bzw. genreübergreifend toleranter Freund des phantastischen Films), für den wird "Minotaurus" wohl eher eine langweilige Angelegenheit darstellen. Auch wer grundsätzlich eine Aversion gegen B-Movies hat, wird sich kaum für diesen Film begeistern können. Fantasy-Puristen werden wohl am ehesten über die ein oder andere handwerkliche Unzulänglichkeit hinwegsehen und einfach die wilde, düstere Melancholie des Stoffes genießen können. Indes hätten etwas mehr Tiefe und Spannung aus einem ansonsten grundsätzlich guten Film sogar einen sehr guten gemacht. Deshalb von mir: 6.5 / 10 Punkten.

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