Snoop Dogg plus Horror - das gibt's nicht zum ersten Mal (s. Bones) und hat schon gut geklappt. Das ganze nun im Episodenformat, mit viel Gewalt und schicken Mädels. Klingt gut. Klappt auch gut.
Der Gangsterrapper mit haushohem Ego und kleinem Begleiter führt als eine Art teuflischer Seelensammler, der im Verlaufe des Films natürlich nicht gerade zu kurz kommt, durch drei Episoden. Die Hintergrundgeschichte dazu, wie er in die Dienste des dunklen Fürsten geriet, ist so stylish wie belanglos. In schicken Comicsequenzen, die auch die einzelnen Episoden verknüpfen, werden anime-artige Bilder aneinadergereiht, die eigentlich nur zeigen sollen, wie verdammt cool Snoop ist - mit schicken "HoH"-Tattoo im Nacken (wofür die Abkürzung steht, dürfte klar sein), neuer Frisur, neuern Klamotten, Chicks zu beiden Seiten und Gestaltwandlerfähigkeiten (oder so ähnlich - who cares?). Genaueres ist völlig egal, denn nur das Image muss gepflegt werden. Zwar kommt das dem Hiphop-Flair des Films zugute, allerdings kann so ein aufgeblasenes Ego ab und zu auch gehörig auf den Senkel gehen. Von den drei Geschichten kann man letzteres zum Glück nicht behaupten.
Crossed Out
Eine junge, wirklich gutaussehende Sprayerin mit (natürlich) tragischer Kindheit steht ihren Mann in den Straßen der Stadt. Oder ihre Frau. Emanzipationsgedanken kommen auf, wenn sie sich mit den männlichen Vertretern ihrer Zunft anlegt. Da kommt gleich Respekt auf, denn Emanzipation im Gangsterrap hat so viel Stellenwert wie Tierschutz beim örtlichen Jagdverein. Nun ja, jedenfalls bekommt sie die Chance, es den Kerlen mal so richtig zu zeigen: Danny Trejo, der als seltsamer Sträuner/Magier wieder einmal zeigt, dass er zwar böse gucken, aber immer noch nicht schauspielern kann, verleiht dem Mädel, Posie genannt, mit einem Tattoo tödliche Kräfte. Fortan darf sie mit der so tätowierten Hand die Tags anderer Sprayer durchsprühen - mit blubbernder, blutroter Farbe. Diese ereilt dann ein gewaltsamer Tod (Final Destination lässt schön grüßen). Es gibt in dieser Hinsicht einiges zu sehen, alle Todesfälle sind sehr deftig geraten. Vor allem der arme Typ, der sich eine Bierflasche (aus Plastik - diese Amis!) durch den geöffneten Mund rammt, die sich dann in Nahaufnahme sprudelnd aus seinem zerfetzten Hinterkopf ergießt, hinterlässt einen blutigen Nachgeschmack.
Warum das Ganze? Die bösen Buben haben die Straßen verschandelt - da musste einfach was getan werden! Doch als Posie, anstatt Bilder zu sprayen, selbst nur ein hässliches Tag zustande bringt, geht's ihr und der Emanzipation mit der eigenen Spraydose an den Kragen (auch recht unschön anzusehen). Am nächsten Tag wird feierlich ihr neuestes Kunstwerk enthüllt - blutrote Blumen. Snoop Dogg betritt elegant das Bild, angelt sich ein Auge von der Wand und erklärt dem letzten Vollhorst noch mal die Pointe der Geschichte. Danke sehr. Insgesamt aber sehr gelungen. Horror- und Gansterflair werden gut miteinander vermischt, die Story wird schnell vorangebracht, Längen gibt's keine (und Spannung nur wenig), dafür aber Unmengen von Blut - ein saftiger, temporeicher Opener!
7/10 Punkte
The Scumlord
Jetzt gibt's Plattitüden satt, denn wir sehen eine Satire. Damit auch jeder versteht, dass das ganze ein wenig überspitzt gemeint ist, wird einfach nochmal was draufgelegt, bis die Charaktere so überzeichnet sind, dass sie selbst vom geneigten Zuschauer nur noch schwer zu ertragen sind. Zwei dieser Sorte haben wir: den neureichen Texaner Tex Jr. (der Name sagt alles) und dessen Haus- und Hofschlampe, die mit ihrem kleinen Hündchen wohl an Paris Hilton erinnern soll. Die beiden sind dermaßen ekelhaft und abartig, dass ihre Boshaftigkeit vom überreizten Zuschauer schließlich nur noch abprallt. Denn es passiert einiges.
Vier schwarze, gealterte Kriegsveteranen (jaja, natürlich Vietnam, kein Klischee wird hier ausgelassen) lebten ein zufriedenes Leben mit der Hilfe ihres alten Vorgesetzten Tex Sr. Doch dieser ist unter nicht ganz so mysteriösen Umständen ums Leben gekommen und dessen fieser Sohn erbt das Haus, in dem die vier wohnen. Pech für sie, denn fortan bekommen sie seine Freundlichkeit zu spüren - Kürzungen an Geld, Essen und Wohnraum, Unterstützung für den Kranken der Truppe gibt's auch nicht mehr, die Pflegerin ist ebenfalls nicht sicher. Irgendwann platzt den Gepeinigten der Kragen und es gibt Rache, die vor allem für die Frau sehr gemein ausfällt. Man könnte jetzt von Rassismus sprechen: Zwei diabolische Weiße foltern vier arme Schwarze, die allesamt sehr eindimensional dargestellt werden: unten gut, oben böse. Und tatsächlich wird hier die Rache am weißen Abschaum ziemlich bedenklich glorifiziert. Dieses Mischmasch wird durch die groteske Aufmachung allerdings stark geschwächt, außerdem haben wir es hier mit nicht gerade zimperlichem Horror zu tun. Ganz astrein ist's trotzdem nicht (nun gut, gewisse Texaner und Luxusschlampen zum Spaß mal tot zu sehen, hat was; schließlich geht's gegen gewisse Personen, von Verallgemeinerung kann man wohl nicht sprechen). Insgesamt bleibt eine etwas zu ausgedehnte Rachegeschichte, die wenig originell ist und zunehmend nervt - die blutigen Effekte am Schluss entschädigen aber wieder ein Stück weit.
6/10 Punkte
Rapsody Askew
Die letzte Episode ist die thematisch klar interessanteste: Ein junger Gangsterrapper geht auf seinem Weg zum Ruhm zu weit und bekommt die Quittung. Genaueres will ich gar nicht verraten, auch wenn die Story etwas vorhersehbar ist, denn die Geschichte ist schon ganz nett und deutlich durchdachter als die vorigen.
Vor allem aber sticht eines hervor: Kritik an dem verkehrten Weg zum schnellen Ruhm. Geld ist nicht alles, nein, Freundschaft zählt! Hört, hört, und das von Snoop Dogg, der mit BlingBling-Attitüden ja nicht allzu sparsam ist. Jaja, vieles ist nur Schau, aber trotzem beißen sich das Filmego Snoops und die (unfreiwillig) damit zusammenhängende Kritik ein wenig. Sei's drum, denn wir haben gerade die beste Episode des Films gesehen. Weniger blutig (soll nicht blutleer heißen), dafür aber intelligenter und spannender ist sie. Ein schickes Ding:
7,5/10 Punkte
Mit einem Rap leitet der Gastgeber den Film aus und lässt dabei die Geschichten noch einmal Revue passieren, bevor die Höllenparty so richtig losgehen kann. Mit den Opfern der gezeigten Geschichten und einigen Ladies (ich frage mich immer noch, welche davon der gute Snoop wohl beim Pornodreh kennengelernt hat) gibt's Blut und Kaviar - warm und frisch aus den Eingeweiden. Herrlich saftig. Der Film ist ein kurzweiliges und blutiges Vergnügen, das bestens unterhält. Plattitüden und Storymangel trüben den Gesamteindruck ein wenig, das Konzept Hiphop und Horror ist allerdings wunderbar geglückt.