Schenkt man Hollywood und seinen Filmprodukten Glauben, so lauern auf einer Rundreise durch den ehemaligen Ostblock allerlei seltsame und erschröckliche Kreaturen: Graf Dracula, der völlig verfettete Steven Seagal, und natürlich Werwölfe jedweder Machart. Wobei man hier das "Wer" durchaus streichen kann, denn wenn sich die rumänischen "Loup-Garous" mal den Wolfspelz überwerfen, sind sie von den Exemplaren im örtlichen Tierpark nicht zu unterscheiden. Nichtsdestotrotz hat man nach schlechten Erfahrungen strenge Sitten, die nur dann mal aufgeweicht werden, wenn ab und an ein Drogendealer bei einer nächtlichen Jagd verputzt wird. Oder wenn die Liebe zuschlägt, hier in Form des amerikanischen Comic-("bebilderte Romane")-zeichners Aiden, der bei Wolfsgirl Vivian (Agnes Bruckner) landet - was deren Clanboss Gabriel (Martinez) nicht wirklich gefällt.
Irgendwann geht es wahrscheinlich jedem mal so, dass er einen Film gut findet, denn die meisten anderen für ganz übel halten, und natürlich umgekehrt. Nachdem ich schon dem allseits verprügelten Catwoman durchaus etwas abgewinnen konnte, ist dies mal wieder so ein Fall - vielleicht Zufall, dass in beiden Fällen europäische Regisseure versuchen, typische amerikanische Geschichten zu erzählen. Wobei "gut finden" vielleicht eine Nummer zu hoch gehängt ist, denn zuerst mal gilt es ein paar filmische Kröten zu schlucken; dass man Frau von Garnier für ihr Hollywood-Debüt nicht gerade mit einem Riesenbudget gen Osten schickte, ist relativ deutlich. Die Spezialeffekte, mit denen sich die Menschen in die Viecher verwandeln, sind ungefähr Stand der Achtziger, aber zumindest erspart man sich dadurch grässliche CGI-Kreaturen der C64-Liga wie im ersten Underworld; und die echten Wölfe, die statt dessen zum Einsatz kommen, werden mit Tempo und guter Tierregie in Szene gesetzt.
Und dann hängt mal wieder überdeutlich der PG-13 Hammer über dem Streifen. Ich vermute zwar mal, dass Garnier nicht unbedingt scharf darauf war, Hostel II in Sachen Splatter zu toppen, aber ganz sooo zurückhaltend wie hier muss ein Film, der zumindest auch die Horror-Fans ansprechen will, dann doch nicht daherkommen - nicht einer der lupös bedingten Todesfälle ist wirklich zu sehen, jede Folge von Supernatural in der 20-Uhr-Fassung enthält da mehr Schockeffekte und Gewalt (hierzu passt dann auch die FSK ab 12, die DVD irritiert unnötigerweise mal wieder mit einem 16er Siegel). Die freigabebedingt notwendige Prüderie führt auch noch zu ein paar äußest wunderlichen Szenen, vor allem bei der Mensch-Wolf-Wandlung: Unsere Wolfsgang wird fast komplett bekleidet zu Meister Isegrimm, um danach nackt wieder zur menschlichen Gestalt zurückzukehren. Und wo wir gerade die Detailfehlerchen abarbeiten: Warum spricht in Rumänien eigentlich jeder Englisch/Deutsch und sind sogar die Ladenschilder in Englisch gehalten ?
Aber genug gelästert, irgendwo müssen meine 6 Punkte ja begründet sein, und das ist hier weitgehend die Inszenierung der deutschen Regisseuse. Ihr gelingt es ganz gut, den Eindruck von östlichem Billighorror gar nicht erst aufkommen zu lassen; statt dessen gibt es eine Liebesgeschichte mit etwas Fantasy, die mit Charme, Stilgefühl und Sinn für einige hübsche Details in Szene gesetzt wird; der östliche Schauplatz wird sowohl für ein paar hässliche als auch ein paar attraktive Bilder gut genutzt, die Dialoge sind weitgehend unpeinlich, und überdeutliche Längen sind über die gut 90 Minuten auch nicht festzustellen. Einige Szenen sind richtig Klasse, vor allem wenn die Wolfsmenschen ein Opfer sozusagen umspringen, und gegen Ende gibt es sogar noch ein wenig Action, nicht eben auf Augenhöhe mit John Woo inszeniert, aber ansehbar.
Auch im darstellerischen Bereich gibt es wenig zu meckern. Vor allem Agnes Bruckner beweist, dass es tatsächlich ein paar aktuelle Hollywood-Sternchen gibt, die außer gutem Aussehen auch noch eine Tasse Talent mitbringen. Der Rest des internationalen Cast (Riemann, Martinez) hat nicht wirklich viel zu tun, erledigt das aber routiniert. Und auch Frau Tabatabai darf mal kurz vorbeischauen und ein Liedchen trällern.
Fazit: Preiswert hergestellter, aber stilvoller Genremix in teilweise recht ansehnlichen Bildern. Horrorfans kommen weniger auf ihre Kosten, dazu sind die Effekte zu dürftig und auch zu zahm, aber als Liebesgeschichte mit kleinen Prisen Action, Grusel und Fantasy durchaus annehmbar. Muss man nicht sehen, kann man aber.