"Solange wir Kinder sind glauben wir, die Welt wäre voller Magie. Wir glauben an Mythen und Legenden und daran, dass uns ein Schicksal vorherbestimmt ist."
"Blood & Chocolate" ist das zweite Werk der deutschen Regisseurin Katja von Garniers ("Bandits") und handelt von einer Geschichte um eine Werwölfin die sich nach einem normalen leben sehnt und der verbotenen Liebe zu einem normalen Menschen.
Im gegenwärtigen Bukarest leben seit Jahrhunderten Werwölfe unter den normalen Menschen. Vivian (Agnes Bruckner), deren Eltern vor einigen Jahren getötet wurden, gehört zu einem Rudel dieser Werwölfe, versucht ihre animalische Seite aber zu verbergen und ein normales leben abseits des Rudels zu führen. Da sie bei ihrer Tante Astrid (Katja Riemann) wohnt, die ebenfalls zum Rudel gehört, lässt sich dies aber selten vermeiden.
Als der amerikanische Comiczeichner Aiden (Hugh Dancy) in Bukarest Nachforschungen anstellt ist dieser von den Legenden über Werwölfe ebenso fasziniert wie von Vivian. Die Tradition des Rudels besagt aber, dass der Rudelführer alle sieben Jahre ein neues "Weibchen" auserwählt. Gabriel (Olivier Martinez) hat bereits ein Auge auf Vivian geworfen, die sich allerdings gegen ihn sträubt. Nachdem bekannt wird, dass Vivian abseits ihres wölfischen Seins nach einem normalen Leben strebt und sich öfter mit Aiden trifft, schickt Gabriel den psychotischen Rafe (Bryan Dick) aus um beide zu beobachten. Denn das Geheimnis um die Wölfe muss gewahrt werden, um jeden Preis.
Die Horror-Romanze beginnt mit einem recht düsterem Intro, welches temporeich die Ermordung Vivians Eltern beleuchtet, als sie noch ein Kind war und in den Staaten lebte. Danach wechselt der Schauplatz ins osteuropäische Bukarest. Sehr standardisiert wird die Geschichte um Vivian, deren Schwierigkeiten mit ihrer außergewöhnlichen Herkunft zurecht zu kommen sowie der Beziehung zwischen ihr und Aiden und den Konsequenzen erzählt. Zwar wird im letzten Drittel das Tempo nochmals etwas erhöht, das des Intros aber zu keinem späteren Zeitpunkt mehr erreicht, auch nicht in der finalen Gegenüberstellung der Charaktere. Überaschende Wendungen oder Innovationen sucht man vergeblich.
Der beste Vergleich findet sich in der "Blade-" und "Underworld-" Reihe, "Blood & Chocolate" ist aber wesentlich zahmer. Horror- oder Gruselmomente gibt es nicht, stattdessen wird mehr Wert auf Gefühle der Figuren und ein melodramatischer Grundton mit Happy-End gelegt. Dies liegt insbesonders an der Wahl jugendlichen Zielgruppe, für die massig Blut und Schreckmomente sicher gern gesehen wäre, aber für diese nicht geeignet ist. Insofern könnte man den Film als eine "Blade" light Version mit Werwölfen statt Vampiren sehen.
Die Atmosphäre ist stimmig und wohl das (einzige) Highlight. Musikalische Untermalung und Bilder harmonieren miteinander, die Kulisse mit klassischen Bauten passt in die Thematik, kann sich aber nicht mit den stilistischen Mitteln eines "Underworld" messen. Die Wahl des Konflikts einer Figur, zwischen den Vorstellungen anderer "Menschen" und den eigenen Wünschen zu entscheiden, ist eher modern und zielgerichtet.
Leider merkt man der Direct-to-DVD Produktion sein mangelndes Budget sehr an. Die Effekte wurden einfach gehalten, beispielsweise finden die Verwandlungen von Mensch in einen Wolf durch einen "Lichtblitz" und schnellen Austausch der Schauspieler durch echte Tiere statt. Zumindest hat man auf CGI-Kreaturen verzichtet, was den realistischen Look sicher zunichte gemacht hätte.
Es fehlen die schillernden Charaktere. Keine der Figuren ragt heraus, es enwickelt sich keine Sympathie zu den Figuren. Dies liegt unter anderem an dem sperrigen Drehbuch und einer recht engstirnigen Charakterentwicklung. Sämtliche Figuren wären genausogut ersetzbar und wirken zwangsweise in die Geschichte hinein gesetzt.
Die Handlung selbst ist sehr vorhersehbar, teils konstruiert arrangiert und, wie es sich für eine Teen-Love-Story gehört, sehr klischeehaft. Die Liebesgeschichte selbst wird außerdem erstaunlich kurz gehalten und durch Konfliktmanagment zwischen Vivian, Aiden und dem Rudel aufgefüllt.
Schauspielerisch gibt es wenig zu sehen. Agnes Bruckner mag zwar gut aussehen, agiert aber viel zu unflexibel um eine tragende Rolle zu publizieren. Hugh Dancy ("Black Hawk Down", "King Arthur") ist sicher der Werbemagnet um das junge weibliche Volk vor den Bildschirm zu locken. Genau so sieht er auch aus und nicht mehr. Katja Riemann hat das Pech viel zu kurz und zu wenig in die Handlung eingebunden zu sein. Aus ihrer Rolle hätte sich sicher mehr ergeben, wenn die nötige Screentime vorhanden gewesen wäre. Die Aufteilung der Gegenspieler auf Bryan Dick und Olivier Martinez funktioniert nur ansatzweise. Ersterer wirkt zu jugendlich, letzterer zu arrogant und keiner von beiden ist charismatisch genug.
Katja von Garnier zieht sich mit einem anständigen Setting aus der Affäre, bietet aber zu viel Einheitsbrei um sich auch nur ansatzweise mit den Referenzen im Horror/Drama Genre zu etablieren. "Interview mit einem Vampir" gibt die Masse der Möglichkeiten vor, "Underworld" die stilistische Aufmachung, "Blade" einen artgerechten Actionanteil. Im besten Fall kann man "Blood & Chocolate" als kurzweilige Horrormär bezeichnen, die zwar nett gemeint aber unspektakulär daher kommt.
4 / 10