Review

Zum Thema Werwölfe noch irgendwas Interessantes beizusteuern, ist selten Gegenstand der Direktverramschung auf DVD gewesen und so erwacht bei „Blood and Chocolate“ auch maximal das minimale Interesse, wenn man hört, daß auf dem Regiestuhl Katja von Garnier Platz genommen hat, die ehemalige deutsche Regiehoffnung, die nach ihrem Kurzerfolg „Making Up“ mit „Bandits“ eine kreative Bauchlandung trotz größter Promotion hinlegte.
Nach diversen Jährchen ist also mal wieder ein Film fertig und der behandelt wieder mal ein Frauenschicksal, das der 19jährigen Vivian, die einst ihre Familie an Wolfjäger verlor und jetzt in einem Sammelrudel in Bukarest ihr Dasein fristet.
Die Wölfe in diesem Film sind dann auch nicht mondfixiert und unkontrollierbar, sondern eine Art Zwitterwesen (identifiziert als „loup garue“), die sich entscheiden können, was sie gerade sein wollen und die im Verborgenen leben, unter der Führerschaft des düsteren Gabriel, der sie tunlichst mittels diverser Regeln schützen möchte.

Vivian steht auf seiner Eroberungsliste, allerdings auch auf der seines mißratenen Sohnes, doch wie die Love-Story-Gesetze es so wollen, kommt prompt ein Graphic-Novel-Zeichner aus good old Amiland daher und putzt die Gefühlswelt der Schüchternen mal gepflegt weg, was natürlich Ärger nach sich zieht.

Ja, man kann es schon ahnen, hier präsentiert sich eine Art Biedermann-Fassung von „Underworld“, nur eben mit noch viel viel weniger Budget und eben ohne Vampire, dafür mit Menschen, aber eben ohne Latex.
Das klingt nicht nur langweiliger, das ist es leider auch, denn bei gerade mal standadisierten 90 Minuten verbraucht Frau von Garnier 45 Minuten mit dem Aufbau und dann noch mal 45 Minuten mit einer Verfolgungsjagd, die davon geprägt ist, daß das Wolfsrudel hartnäckig den armen Zeichner auslöschen will, der sich zwar permanent die Hosen näßt, im entscheidenden Moment aber sowohl patent reagiert wie hartnäckig nicht sterben will und sich erfolgreich wehrt.

Ob das nun kreativ, interessant oder wahrscheinlich rüberkommt, bleibt jedem Jules-Mumm-Mägdelein vor dem DVD-Player und ihren Trändrüsen selbst überlassen, aber substanziell ist nicht gerade.
Die Regie bemüht sich zwar um eine märchenhafte Atmosphäre, aber abgesehen von der Einsicht, daß Bukarest offenbar eine Reise wert ist (weil es fast wie Paris aussieht), kommt nur selten etwas davon rüber.
Die Dialoge sind meistens blutleer und die Hauptfigur ist so verbissen zaudernd und schweigend, daß es nach fünf Minuten schon endlos nervt, als wir noch nicht alles über „loups“ wissen. Agnes Bruckner sieht zwar passabel aus, Charisma kann sie aber noch nachbestellen, während Hugh Dancy ist einer undankbaren Defensivrolle sich die Seele aus dem Leib arbeitet.
Im Hintergrund grollt dann noch mit Sechs-Tage-Bart leicht gelangweilt Olivier Martinez, der aber außer sturen Platitüden nichts beizusteuern hat. Kumpeline Katja Riemann ist als Tante übrigens auch bei der Hatz und wer ganz schmerzresistent ist, erkennt sogar Jasmin Tabatabai am Anfang als Nachtclubsängerin (nicht der Rede wert...)...“Bandits“ ist offenbar immer noch nicht vergessen.

Wie überhaupt der ganze Film nicht so ganz schlüssig in all seinen Entscheidungen ist, denn ständig handeln die Figuren anders als gerade noch vorgegeben, widersprechen sich oder tun sonstigen Tünnes, was den Minimalkonflikt stetig anheizt, wobei nie geklärt wird, warum Uschi Vivian nicht mal nen echten Menschen schnubbeln darf.
Auch die Wölfe wollen erst möglichst wenig auffallen, befriedigen dann den Jagdinstinkt an sowas wie Rauschgiftdealern und geben sich dann aber total menschenfeindlich und unversöhnlich...aber egal, zwischendurch ist eh wieder Bukarest-Bilderbogen.

Tricktechnisch gibt’s wenig zu berichten, leuchtende Überblendungen ersetzen große Verwandlungstricks, die Wölfe sind nun mal Wölfe oder wild aussehende Schäferhündchen und andauernd erprobt sich jemand im „Free Running“, der aktuellen Entschuldigung, wenn etwas aufregend aussehen soll, wenn alles andere öde ist.
Kommt das Silber ins Spiel (tödlich, tödlich), steigt ein bißchen Rauch auf, ansonsten hält man sich mit den FX aber erstaunlich zurück, was gar nicht schlecht ist, aber aufregend sind jaulende, zahme Wölfe auch nicht so recht.
Ein, zwei Sequenzen wie das Beinahefinale und ein Zweikampf zwischen Wolf und Recken in einer Kirche haben übrigens wirklich Qualitäten, aber danach kommt die dröge Biederkeit einer konventionellen Love Story wieder hoch und schickt den Film noch während des Laufens ins Vergessen...und wer sich jetzt fragt, was der doofe Titel zu bedeuten hat: unsere Blondheroine arbeitet in einem Pralinenladen... (4/10)

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