Review
von Carbusters
Gähn! - Endlich B & C als Free TV-Premiere! Wollte ich schon immer sehen. Ich hoffte auf Gemetzel, Süßigkeiten, Blut auf schönen Frauen. Aber weit gefehlt! Ich bin geheilt! Zum Glück kein Geld ausgegeben – eine Schnarchsocke vom Feinsten. Hüte Dich vor Bösewichten, die die ganze Zeit posen und quatschen. Da ist Langeweile garantiert.
Wenn wir von Fantasy reden: Zum Glück lief nach 45 Min. parallel auf Arte TIME BANDITS von Terry Gilliam (1981), so daß ich immer wieder von BLOOD AND CHOCOLATE wegzappen konnte. Willkommene Verschnaufpausen! Dazwischen liegen Welten.
In B & C herrscht totales Lustverbot: Die Schokolade im Topf durfte keiner anfassen, die Werwölfe litten an selbstauferlegtem Gemetzelverbot (Folge: Hormonstau) und die Frau war zwar schön, aber nicht helle. Die Wölfe mußten Triebabbau im streng ritualisierten Zwang von gemeinschaftlich organisierten Treibjagden abhalten. So litt auch ich.
Natürlich sollte ich unterscheiden zwischen dem Film und dem, was er abbildet. Wegen meines Bedauerns über lustfeindliche Wolfsgemeinschaften sollte ich nicht den Film als lustfeindlich verdammen.
Dann tue ich das aus anderen Gründen.
Liebliche Hauptdarsteller schreien laut „Klischee“, wenn sie betulich schmachtend durch eine Osteuropa-Ethno-Kulisse und hanebüchene Story schweben. Tatsächlich bemüht sich der Film permanent, poetisch dahinzuschweben, d.h. man sieht dauernd schwebend rennende Wolfsmenschen, Wölfe und die Heldin (Vivian). Wenn sie joggt, hopst sie ab und zu mal grundlos an eine Mauer hin, oder auf einen Mauervorsprung und zeigt so mitten in der Großstadt Bukarest ihr Übermenschentum, das eigentlich der Öffentlichkeit verborgen bleiben soll. Dieses Geheimnis verrät sie schon in den ersten Minuten. Aber es interessiert ja eh keinen. Die Einwohner Bukarests offensichtlich nicht, und uns Zuschauer nicht, weil wir Vivian nicht kennen und sie keinen Grund zu hüpfen hat (außer uns mit dem Zaunpfahl zu winken: „Schaut mal! Ich bin übermenschlich!“).
Übrigens hopsen, hüpfen und sausen Alle dauernd rum, fliegen durch die Luft, die Heldin und Held gucken lieblich, alle anderen finster-gelangweilt – und wenn die Langweiler ganz sauer werden, dann gibt es so Lichtnebelweichzeichner-“Wusssch“-effekte und plötzlich verwandeln sich bedrohlich rennende Bösewichte in süße, flauschige, schwebend rennende Hundchen, die dann so vorzeigen, was sie in der Hundeschule gelernt haben: Am Hosenbein zerren, am Ärmel zerren, Zähne fletschen, knurren...
Noch einmal zu Fantasy in den 80er Jahren: 1984 lehrte ZEIT DER WÖLFE von Neil Jordan, wie Wölfe ein Märchen bedrohlich machen können. Die Lehre hat leider nichts gefruchtet.
Auch die Lehre UNDERWORLD (2003) half nichts. Der ist zwar auch nicht gut, ist langweilig blau statt gelb und enthält ähnlich sinnfreies Geschwätz, aber Len Wiseman & Co. wussten wenigstens, daß winselnde, hilflose, zaudernde Weibchen, die beruflich in Töpfen rühren, als Heldinnen wenig taugen. TWILIGHT (2008) hat das auch beherzigt, mit einer mürrischen, aufbegehrenden, zur Lust entschlossenen Heldin, BLOOD AND CHOCOLATE nicht.
Und alle diese Filme bemühen sich auch noch um Ironiefreiheit: Da wird es leicht unfreiwillig komisch. Z.B. wenn die Wolfsmenschen rituell ihre Jäckchen ausziehen. Oder böse gucken. Oder in der Gegend rumhüpfen... hoppla, das sagte ich schon. Kam wirklich oft vor!