"Erzähl mir eine Geschichte". So haben wohl die meisten von uns, zu unseren Kindertagen, ihre Eltern und Großeltern dazu aufgefordert eine Geschichte zu erzählen. Sei es kurz vor der Nachtruhe, an verregneten Nachmittagen oder einfach nur so zur Aufmunterung. In "Tales of the Unusual" sind es nun 6 erwachsene Leute, die sich von einem mysteriösen Geschichtenerzähler ein paar Storys, während des Abwarten eines heftigen Unwetters, erzählen lassen. Und diese 4 Geschichten, die der Erzähler auf Lager hat, sind teilweise unglaublich faszinierend.
In "Tales of the Unusual" werden dem geneigten Episodenfilm-Fan vier Geschichten erzählt, die unterschiedlicher kaum sein können. Eine davon ist Horror, die zweite eine witzige Samurai-Geschichte, dann eine geniale Schach-Fantasy-Story und zum Schluss ein zu herze gehende Sci-Fi-Lovestory. Und vor allem die letzten beiden Geschichten gehören zum Besten was es an Kurzfilmen gibt.
Aber hübsch der Reihe nach:
"One Snowly Night", die erste Story des Geschichtenerzählers, ist der Horror-Part der vier 30-minüter! Es geht um ein paar Menschen, die, nach einem Flugzeugabsturz, in eisiger Kälte ausharren müssen. Dabei stirbt allerdings einer nach dem anderen, auf merkwürdige Weise. Die Geschichte, das merkt man gleich, ist nicht unbedingt sonderlich innovativ. Trotzdem kann Regisseur M. Ochiai für eine halbe Stunde lang, eine immense Atmosphäre aufbauen und für viel Spannung sorgen. Dafür ist vor allem der Schnee, die Dunkelheit, der (hörbare) eisige Wind und die spürbar klirrende Kälte zuständig. Wenn die vier (oder etwa fünf?) Überlebenden in einer Höhle warten, sich dabei ums Essen streiten und nach und nach einer nach dem anderen stirbt, dann ist Spannung auf hohem Niveau angesagt. Dafür sorgt natürlich auch der Score, der wieder einmal mehr als gelungen ist und dafür mit zuständig ist das die Atmosphäre, vor allem zum Schluss, ins Unermessliche steigert! Die Auflösung ist dann zwar etwas verwirrend, aber nicht sonderlich enttäuschend. Zudem haben wohl die Wenigsten mit so einer Auflösung gerechnet. Alles in allem in "One Snowly Night" ein perfekter, angstmachender, kleiner Horror-Thriller, bei dem sich viele längere Vertreter noch ne Scheibe abschneiden könnten! (8/10)
"Samurai Cellular", die darauf folgende Geschichte, ist dann ein recht witzig geratenes Samurai-Abenteuer. Ein Samurai des 18Jhr. findet plötzlich ein Handy vor seinem Haus. Ein merkwürdiger Anrufer gibt ihm Anweisungen und möchte so einiges von ihm wissen. Der Hauptpunkt des Films ist natürlich die Umgangsweise des Samurais mit dem Handy, die für viele Lacher sorgen kann. Wenn der Samurai, vor Angst, mit seinem Schwert nach dem Handy kloppt und sich dann erheiternd über das merkwürdige Ding auslässt, kommt man eine zeitlang nicht aus dem Schmunzeln heraus! Leider verliert sich aber die Episode, trotz der kurzen Laufzeit, ab und an in Längen und bietet teilweise etwas langatmige Dialoge. Dafür gibt es aber einige wunderbare Aufnahmen zu betrachten und eine nette Sounduntermahlung zu hören. Zudem ist die Pointe des Ganzen wirklich gelungen. Insgesamt ein recht witziges Filmchen, mit toller Pointe, dass aber, durch einige Längen, etwas an Boden verliert! (7/10)
"Chess", die dritte Episode, des, bis jetzt schon wirklich guten, Streifens, ist dann das absolute Highlight der Compilation und einer der besten Kurzfilme, die ich je gesehen habe. In "Chess" erlebt ein gescheiterter Schachprofi plötzlich sein eigenes Schachspiel am eigenen Leib. Er muss ein Spiel spielen, doch für alle Figuren die fallen, sterben auch Menschen um ihn herum. Überall ist plötzlich nur noch eine Schach-Welt zu sehen. Wird er den richtigen Zug machen und das Spiel gewinnen? "Chess" fasziniert von Anfang bis Ende. Ein Feuerwerk aus skurrilen Szenen, die vor Innovation nur so sprühen. Dabei wird man Herr ein Flut von genialen visuellen Eindrücken. Ob es nun die übergroßen Schachfiguren sind, die einzelnen Figuren, die zu Charakteren in der echten Welt werden, oder einfach die vielen tollen Kameraaufnahmen und SFX, alles wurde perfekt mit einander kombiniert und zudem mit einem mächtig genialen Soundtrack unterlegt. Man möchte nahezu eintauchen in diese durch und durch faszinierende Welt. Als Beispiel sei da eine Szene genannt, in der der Schachspieler, auf einem Schachfeld mit schwarzen und weißen Autos, mit dem richtigen Auto seinen Zug durchführen muss. Ein Prachtexemplar an Einfallsreichtum und visuellen Leckerbissen, genau wie alles andere auch. Insgesamt gesehen wirklich einer der besten Kurzfilme aller Zeiten, für den sich allein schon das Anschauen von "Tales of the Unusual" zu 100% gelohnt hat! (10/10)
"The Marriage Simulator", leider schon die letzte Story dieser nun mittlerweile wirklich großartigen Inszenierung, erzählt dann die Liebesgeschichte eines kurz vor der Heirat stehenden Paares, welches mittels eines Heiratssimulator herausfinden will, ob die Ehe wirklich gut gehen wird. Dabei geht es hier aber hauptsächlich nicht um die Sci-Fi-Elemente des Films, sondern um die Lovestory der Beiden, die wirklich großartig rüber gebracht wird. In keinster Weise kitschig sondern höchst romantisch und absolut glaubwürdig erzählt, fasziniert diese wirklich wunderschöne Liebeserzählung von Anfang bis Ende. Eingepackt in wundervolle Bilder und unterlegt mit traumhaft schöner Musik, kann einem das Herz da schon manchmal schwer werden. So und nicht anders müssten wirklich alle Liebesfilme sein, dann hätte man sich solche Streifen wirklich öfters antun können. Und zum Ende hin gibt es sogar noch eine knüppeldicke Überraschung, die aber, Gott sei Dank, glimpflich ausgeht. Insgesamt gesehen ein wirklich wunderschöner und höchstromantischer kleiner Film, toll verpackt, ohne Kitsch aber mit viel, viel Herz! So muss das sein! (9/10)
Nun noch ein paar Worte zur Grundstory. Da es nur ganz kurze Szenen davon zu sehen gibt, darf und soll man das ganze Treiben um den mysteriösen Geschichtenerzähler und seinen Zuhörern, nur als Aufhänger der einzelnen Geschichten sehen. Einen direkten Zusammenhang haben die Geschichten nicht und das ist, ausnahmsweise, vielleicht auch ganz gut so!
Fazit: Faszinierender und höchst unterhaltsamer Episodenstreifen, mit vier außergewöhnlichen Geschichten, verpackt in vier gute bis geniale Kurzfilme! Ein großartiges Werk der Erzählkunst, dass man sich eigentlich bei allen Episodenfilmen wünschen würde. Ein Appell an die Menschheit wie wichtig es doch ist, sich Geschichten zu erzählen, mögen sie auch noch so unterschiedlich sein! Auch wenn es keinen (direkten) Zusammenhang zwischen den einzelnen Episoden gibt ist "Tales of the Unusual" definitiv einer der besten Genre-Filme aller Zeiten!
Danke dafür!
Wertung: 8,5/10