Review

kurz angerissen*

erstmals veröffentlicht: 08.07.2014

Mit seinem Spielfilmdebüt (vorher gab’s nur den Kurzfilm „Die Krawatte“) hat Jodorowsky bereits so ziemlich jede Instanz gegen sich aufgebracht, die hinter freier Kunst das potenzielle Verderben vermutet. Denn „Fando Y Lis“ nutzt die künstlerische Freiheit in vollen Zügen aus. Setzt surrealistische Gebilde in die Reise ohne Ziel und verstört mit irritierenden Bildschnitten, schockiert mit religiöser Symbolik in ketzerischen Kontexten, Sexualität (auch mit Konnotationen der Homosexualität und der Travestie) und körperlicher sowie psychischer Gewalt, verschiebt das soziale Gleichgewicht der Charaktere zueinander und lässt so permanente Unsicherheit im Raum schweben. Der in schwarzweiß gedrehte Film, der visuell auch in Konkurrenz zu Werken von Fellini stand, wird in starken Kontrasten präsentiert und lässt das von Fando und Lis bereiste Ödland bedrohlich und schattenhaft wirken. Bunuels / Dalis „Andalusischer Hund“ erweist sich letztlich als offensichtlichste Inspirationsquelle; so reicht unter anderem Jodorowsky den Surrealismus an eine neuere Generation weiter. Die relevanteren Werke hat der Regisseur später mit „El Topo“ und „Montana Sacra“ gedreht, ähnlich wie David Lynchs „Eraserhead“ eignet sich „Fando Y Lis“ aber besonders, um die Essenz des Regisseurs in seiner rohsten Form zu erkennen.

*weitere Informationen: siehe Profil

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