Review

Für viele kinderlose Paare bedeutet Adoption die letzte Möglichkeit, Nachwuchs in die Familie einzubinden. Sie birgt aber auch Gefahren, denn einige Menschen können den Adoptivkindern nie die Liebe schenken, wie einem Kind biologischer Abstammung und zudem wissen die Adoptiveltern nie genau, wie die ersten drei prägenden Lebensjahre des Kindes abliefen.
Mit diesen existenziellen Fragen beschäftigt sich auch „Child of Mine“, der in Form eines TV-Thrillers für grundsolide Unterhaltung sorgt.

Kinderpsychologin Tess (Joanne Whalley) und Ehemann Alfie (Adrian Dunbar) haben sich nach mehreren gescheiterten Versuchen dazu entschlossen, illegal zwei Kinder aus Kanada zu adoptieren. Die etwa dreijährige Grace und die zehnjährige Heather (Hannah Lochner) verloren ihre Mutter bei einem Raubmord, Heather musste die Tat von einem Versteck aus mit ansehen und ist seither traumatisiert.
Frisch in London angekommen häufen sich schon bald merkwürdige Ereignisse, Heather schlafwandelt und zeigt Tess gegenüber aggressiven Verhalten. Weiß sie über die Mordnacht mehr, als sie zugibt?

Der Film mutet über weite Strecken eher wie ein Psychodrama an, um in den letzten Minuten zum Thriller umzuschwenken, was in keiner Weise negativ zu verstehen ist.
Er wird ruhig erzählt und lässt den Figuren genügend Raum, dem Zuschauer einen Eindruck von Persönlichkeit zu vermitteln.
Tess, die Kinderpsychologin litt unter schweren Depressionen, die Kinderlosigkeit nagte so sehr an ihr, dass sie sogar einen Selbstmordversuch unternahm. Von daher kann der Zuschauer auch ihre Aufopferung nachvollziehen, sich trotz aller Probleme und Risiken um Heather zu kümmern, um auf das Geheimnis der Mordnacht zu stoßen.

Zunächst erwartet man etwas Übersinnliches, als Heather mitten in der Nacht schlafwandelt und mit weit aufgerissenen Augen stumm an Tess vorbei huscht. Auch als Tess glaubt, Heather habe sie vor die U-Bahn schubsen wollen, tendiert man eher in Richtung „Kind des Bösen“.
Diese Momente, die für einen Augenblick ein wenig Grusel verschaffen, sind aber eher selten und dienen nur der Irreführung des Zuschauers.
Recht schnell kommt der Verdacht auf, Heather selbst könne ihre Mutter umgebracht haben, doch, mehr sei an dieser Stelle nicht verraten, gegen Ende gibt es noch eine überraschende Wendung, die zwar ein wenig überkonstruiert wirkt, aber zumindest nachvollziehbar ist.

Erforsche die Psyche eines Kindes, - das hat bei „Sixth Sense“ hervorragend geklappt, weil es psychologisch nachvollziehbar war und das ist es auch hier. Zwar geht die Thematik nicht allzu sehr ins Detail, aber die Herangehensweise seitens Tess ist fundiert und zugleich emotional.
So kommt, weil keine Methode die Wahrheit ans Licht bringt, die Schocktherapie zum Einsatz: Heather wird zurück an den Tatort gebracht und mit der Vergangenheit konfrontiert.

Das klingt zwar alles nicht spektakulär und fesselnd, doch die guten bis sehr guten Darsteller tragen ungemein zur gelungenen Atmosphäre des Streifens bei.
Als Adoptivmutter Tess agiert die Ex von Val Kilmer, Joanne Whalley, die als Berufspsychologin stets versucht, den äußeren Schein eines gefestigten Charakters zu wahren und im Innern mehrfach zusammenbricht.
Diese gute Leistung wird jedoch mit der Präsenz einer Hannah Lochner locker an die Wand gespielt. Die Jungmimin bekommt die Gestalt eines Gruselmädchens ebenso gut hin, wie die eines traumatisierten Opfers. Eine Leistung, die unter Darstellern dieser Altersklasse recht selten zu finden ist.

Zusammenfassend könnte man sagen, ein TV-Thriller von der Stange, der fast ohne Effekthascherei auskommt.
Da mich die Thematik aber von vornherein angesprochen hat und die Protagonisten durchgehend bei Laune hielten, bin ich am Ende positiv überrascht.
Wer mit „Child of Mine“ nicht zuviel erwartet, dürfte nicht enttäuscht werden.
7 von 10 Punkten

Details
Ähnliche Filme