Review

Es gibt Meisterwerke von Don Siegel und es gibt Anderes. Dieser Film fällt m.E. eher unter die Kategorie "Anderes".
Mag sein, dass "Coogan" ein erforderlicher Schritt auf dem Weg zu "Dirty Harry" war: Parallelen nach dem Motto "Eastwood nimmt die Sache selbst in die Hand und wendet unmögliche Methoden an" finden sich zuhauf. Aber ich bin der Meinung, dass hier unnötig viel Gewalt im falschen Genre vorgeführt wird:
Der Film gehört eindeutig zu einem bestimmten Komödien-Genre, das ich als "Fremdling gerät in ungewohnte Umgebung" - Genre bezeichnen würde, weil ich die professionelle Bezeichnung für diese Art von Film nicht kenne (falls es eine gibt). Ein solcher Plot gibt normalerweise viel Komik her; man kann auch eine ganze Filmserie daraus machen, siehe "Crocodile Dundee". Wesentlich anders ist "Coogan" nämlich auch nicht: ein Arizona-Cop, den ein Auftrag nach NYC verschlägt, wo er sich nicht auskennt. Soweit nichts Neues, das hatten wir in der Filmgeschichte sicherlich unzählige Male, aber bei Siegel ist die Ausführung dieses Plots sehr, sehr seltsam - mag sein, dass das gerade Siegels Absicht war, aber mir gefällt es aus mehreren Gründen nicht:
Da wäre zum Einen diese Überbetonung des Themas Sex, ohne dass es dramaturgisch was bringt: Coogan kettet schon zu Beginn des Films einen Gefangenen (in Arizona) am Haus seiner Geliebten an und steigt erst mal mit ihr in die Badewanne. In NYC ist er dann geradezu wie ein Sexsüchtiger darauf aus, eine Bewährungshelferin (Susan Clark) zu verführen, und da das nur zum Teil klappt, schläft er mit einem Szenemädchen aus genau der Clique, die seinen dort entlaufenen Gefangenen deckt, und die schon mal ein Gangmitglied mit den Worten "Mach ihn tot!" angefeuert hatte (mit "ihn" hatte sie Coogan gemeint). Wie man sich denken kann, verrät sie Coogan, nachdem sie sich mit ihm eingelassen hat, und erst ihren zweiten Verrat ahnt er voraus und nutzt ihn für seine Zwecke (das ist kurz vor Schluss des Films vor Beginn einer rasanten Verfolgungsjagd). Es scheint kaum glaubhaft, dass er, der sonst so tough ist, auf dieses Mädchen hereinfällt - außer, das Drehbuch hat es so gewollt, um das Sex-Motiv auszuweiten.
Aus diesen Unstimmigkeiten zwischen den Geschlechtern entsteht - wie man schon befürchten kann - ein hohes Maß an Gewalt gegenüber Frauen: hier mal ein Tritt in den Hintern einer diebischen und unbegehrten Prostituierten, da mal ein Schubs, der das verräterische Mädchen durch ihre Wohnung schleudert. Ich will mich hier nicht als übersensibel präsentieren, ich finde nur, man hätte die Geschichte auch anders erzählen und ihre komischen Elemente stärker unterstreichen - oder sie ganz weglassen können.
Es muss auch nicht sein, dass Coogan schon in der Eingangsszene, den verfolgten Indianer nach seiner Verhaftung mit einem Schlag in den Bauch niederstreckt, während er sich dabei genüsslich eine Zigarette ansteckt, das ist einfach sinnlose Schnoddrigkeit.
Für Dirty-Harry-Fans ist der Film allerdings durchaus zu empfehlen: er nimmt die übertonte Darstellung von Dekadenz in der Hippieszene und anderen Milieus schon gekonnt vorweg (fast so plakativ wie in deutschen Fernsehkrimis der 6oer Jahre...). Aber ich halte "Coogan" für keinen wirklich sehenswerten Siegel-Film.

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