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„Coogan’s Bluff“ wird heutzutage meistens etwas mißverstanden, weil über ihm und den großen Namen Eastwood und Siegel meistens das Prädikat Polizeifilm schwebt. Wer „Dirty Harry“ kennt und den harten Arizona-Cop Coogan sieht, erwartet dann auch zumindest etwas ähnliches; einen Mann, der aufräumt oder so.

Davon ist hier aber weit und breit nichts zu entdecken, denn das Skript interessiert sich vielmehr um die Bebilderung des Gegensatzes zwischen dem von ländlicher Härte und Knorrigkeit geprägten Einzelgänger und der irritierenden Großstadt New York.
Eastwood alias Coogan platzt mit seinen simplen Methoden wie der Elefant in den Prozellanladen, die Polizei der Stadt nimmt ihn nicht ernst, nervt ihn mit Bürokratie, hält ihn hin – der Verbrecher scheint größere Möglichkeiten zu haben, der Auslieferung zu entgehen als daß Coogan ihn mitnehmen kann.

Gleichzeitig kommen seine von überschaubaren Moralgrundsätzen berstenden Handlungen im komplizierten Großstadtgewirr nicht an. Eine Mitarbeiterin der Polizei will nicht beschützt werden, ein Besuch bei einer Verwandten des Täters enttarnt einen Undercovercop, sein brachiales Täuschungsvorgehen bei der Auslieferung bringt ihn selbst in den Knast.

Letztendlich entschließt sich der einsame Wolf, trotz Aufforderung zur Rückkehr, um der Ehre und dem Ehrgeiz Willen, die Sache durchzuziehen, um vor sich selbst bestehen zu können.

Siegel inszeniert keinen gnadenlosen Alleingang, präsentiert aber einen Mann, der es am Ende satt hat, sich vorschreiben zu lassen, wie er sich verhalten soll. In New York ist er in die Hippie- und Drogenszene geraten und eine größere Kluft zwischen der sexuellen Freizügigkeit und der freiheitlichen Steifheit kann man sich nicht vorstellen. Immer wieder ergeben sich amüsante Szenen, wenn Coogan seinen vorhandenen Charme spielen läßt oder mit simplen Methoden auch an Ziele kommt, um die sich andere Beamte lange bemühen müssen.

Ans Ziel kommt er jedoch mehr mit archaischen Methoden. Nachdem ihn die Freundin des Täters Ringerman nach der ersten Übertölpelung am Flughafen, die Ringerman die Freiheit bringt, noch einmal in einer Schlägerkneipe eine Gruppe von Männern ausliefert, kommt er nur mit knapper Not mit dem Leben davon.
Wild entschlossen ringt er seiner Bekannten/Freundin die Adresse ab, geht zu dem verräterischen Mädchen und scheint in einer überraschend brutalen ihr Gesicht malträtieren zu wollen, durchschlägt aber lediglich die Wand.

Natürlich verdient er sich letztendlich den Respekt und die nötige Anerkennung, die er dann auch seinem Gefangenen nicht mehr versagt, indem er ihm eine Zigarette spendiert, der harte Kerl hat sich durchgesetzt und ist gleichzeitig menschlicher geworden.

Relativ arm an Action, bebildert Siegels Film den Aufbruch des Polizeifilms in eine neue Richtung, läßt die hollywoodesken Zeiten hinter sich und präsentiert eine rauhere, aber ehrlichere Realität. Und für das Einfangen der zeitgenössischen Stadtlandschaften, allein des Parks bei der schlußendlichen Motorradverfolgungsjagd kann man den Film sogar glatt küssen.
Ein wichtiger Film in vielen Bereichen, nur nicht in der Erwartungshaltung. (7/10)

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